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30.08.2010 Alex Wolschann/apa

Infineon verkauft Handysparte an Intel

Der Münchner Halbleiterkonzern Infineon verkauft seine Handychipsparte an den US-Branchenriesen Intel. Welche Auswirkungen das auf Infineon Österreich hat, ist derzeit noch unklar.

Bei Infineon in Österreich mit Sitz in Villach werden Halbleiter- und Systemlösungen für Anwendungen in den Bereichen Auto, Industrie und Kommunikationslösungen entwickelt und produziert. Neben Villach ist Infineon noch in Klagenfurt, Graz, Linz und Wien präsent. Die Chipproduktion findet in Villach statt, rund 1.200 der insgesamt 2.650 Mitarbeiter in Österreich sind im Chipsektor tätig.

Infineon wird für seine weltweite Chipsparte 1,1 Mrd. Euro von Intel erhalten, teilten die Münchner heute mit. Seit Monaten war über den Verkauf der Sparte Wireless Solutions (WLS) spekuliert worden. Infineon wolle sich künftig stärker auf das Hauptgeschäft mit der Industrie- und Autobranche konzentrieren, sagte Vorstands-Chef Peter Bauer. "Der Verkauf von WLS ist eine strategische Entscheidung, um den Wert von Infineon zu steigern."

Erst vor wenigen Wochen hatte der Konzern bestätigt, dass es Verkaufsgespräche gibt. Neben Intel waren auch Broadcom und Samsung Electronics im Gespräch, allerdings war Intel in Branchenkreisen als wahrscheinlichster Käufer für die Sparte genannt worden, die lange als größtes Sorgenkind der Münchner galt.

Dank der kräftig gewachsenen Nachfrage nach Handychips hat WLS zuletzt deutlich zugelegt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2008/2009 hatte die Sparte mit einem Jahresumsatz von 917 Mio. Euro nur etwas weniger als ein Drittel zum Konzernumsatz von rund 3,03 Mrd. Euro beigetragen. WLS stellt unter anderem Kommunikations- Prozessoren (Baseband) für Mobiltelefone her und ist vor allem bei der Ausrüstung von Smartphones und für günstige Einsteigerhandys stark. Die Transaktion solle im ersten Quartal 2011 abgeschlossen werden. Intel will die Infineon- Sparte weiter als eigenständige Geschäftseinheit weiterführen.

Intel will mit dem Zukauf sein Geschäft mit Laptops, Netbooks und Smartphones ausbauen. Die Bestandskunden übernimmt Intel gleich mit. Unter anderem gehört der US-Konzern Apple zu den Kunden von Infineon. Mit der Infineon-Sparte erhält Intel Zugang zu einer neuen Mobil-Technologie. Bislang produziert der Chipriese selbst WiFi- und WiMax-fähige Chips. Die Bauteile von Infineon sind dagegen auf die vor allem in Europa verbreiteten 3G-Mobilfunktechnologien wie UMTS ausgelegt.

Infineon hatte nach einem starken dritten Quartel die Prognose für das am 30. September endende Geschäftsjahr 2009/2010 angesichts der weltweit kräftig gestiegenen Nachfrage zum dritten Mal in Folge nach oben geschraubt. Für das Geschäftsjahr rechnet der Konzern mit einem Umsatz von bis zu 4,5 Milliarden Euro. Damit könnte das Jahr nach den Verlusten im Vorjahr zu einem der erfolgreichsten in der turbulenten und oft unerfreulichen Geschichte des Konzerns werden.

Im Geschäftsjahr 2008/09 hatte der Konzern bei rund 3 Mrd. Euro Umsatz noch einen Verlust von 671 Mio. Euro eingefahren. Einen Überschuss auf Jahresbasis erwirtschaftete das im Frühjahr 1999 von Siemens abgespaltene Unternehmen erst zweimal seit seinem Börsengang vor rund elf Jahren. Der Halbleiterhersteller litt in der Folge abwechselnd am Preisverfall bei Speicherchips, einbrechender Nachfrage infolge von Wirtschaftskrisen oder eigenen Problemen.

Zuletzt war der Konzern in die Schlagzeilen geraten, als Finanzvorstand Marco Schröter Infineon wegen "unterschiedlicher Auffassungen über die künftige Geschäftspolitik" verließ. Zu Jahresbeginn hatte ein beispielloser Machtkampf um die Spitze des Aufsichtsrats auf der Hauptversammlung im Februar Wellen geschlagen.

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