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18.11.2010 Edmund E. Lindau

Gegen Healthcare-Betrug

Das Gesundheitswesen hat weltweit hundertfach größere Betrugsverluste als die Kreditkartenbranche. SAS und das European Healthcare Fraud and Corruption Network kooperieren

Die Aufdeckung des jüngsten Betrugsfalls liegt gerade einmal vier Wochen zurück: Und das unlautere Vorgehen war dabei so einfach. Viel zu einfach, als dass sie der Versuchung hätten widerstehen können. Gleich 50 Ärzte machten mit, als ihnen ein Pharmagroßhändler aus Hannover vor einigen Jahren ein simples Geschäft ermöglichte: Sie reichten ihm unterschriebene Blankorezepte über ihren Sprechstundenbedarf ein. Er lieferte regelmäßig – und rechnete später mit den gesetzlichen Krankenkassen ab, einmal weniger lästiger Papierkram für die Ärzte. Nur dass er auf die Rezepte jedes Mal ein wenig mehr eintrug, als er tatsächlich lieferte. Hier fehlen ein paar Packungen Verbände, dort ein paar Salben.

Mehr als jeder zwanzigste Euro geht europaweit im Gesundheitswesen durch Betrug, Korruption oder fehlerhafte Abläufe verloren. SAS, einer der weltgrößten Softwarehersteller, und das European Healthcare Fraud and Corruption Network (EHFCN) arbeiten künftig bei der Bekämpfung von Betrug und Korruption zusammen. Mittels analytischer Verfahren erkennt die Technologie versteckte Betrugsmuster in Datenbeständen. »Durch Betrug und Korruption verlieren wir hundertmal mehr Geld als mit Kreditkartenbetrug. Dennoch wird weitaus weniger in die Bekämpfung investiert. Das wissen natürlich auch Betrüger, die sich grenzüberschreitend auf dieses lukrative Geschäft zu stürzen scheinen«, so Julia Malida, Principal for Health Care Fraud bei SAS.

»Fast sechs Prozent der Gesamtausgaben für die Gesundheitsversorgung gehen europaweit durch Betrug, Korruption und sonstige Fehler verloren. Das können sich die europäischen Länder nicht länger leisten«, so Paul Vincke, Geschäftsführer des EHFCN. »Wir müssen deshalb einen Weg finden, um der korrumpierenden Minderheit das Handwerk zu legen und gleichzeitig die ehrlichen Leistungsempfänger bestärken. Der EHFCN wird dieses Vorhaben mit SAS umsetzen, denn SAS verfügt über die nötige State-of-the-art-Technologie und gilt als international führend bei der Betrugsbekämpfung im Gesundheitssektor.«

HOHE DUNKELZIFFER Wie viel alle Betrügereien die Solidargemeinschaft tatsächlich kosten, darüber gibt es nur Schätzungen. Das European Healthcare Fraud & Corruption Network (EHFCN) in Brüssel kämpft auf europäischer Ebene gegen Betrug und Korruption im Gesundheitswesen, die Nichtregierungsorganisation schätzt die Schadenssumme in der EU auf 80 Millionen Euro – täglich. EHFCN bemängelt vor allem die nicht vorhandene Transparenz in den öffentlichen Gesundheitssystemen und bietet deswegen den Ermittlern der Krankenkassen einige neue Ermittlungsprogramme, mit denen sie in ihren Abrechnungsdaten statistische Anomalien finden können. Healthcare Fraud and Corruption Network

Das EHFCN hat sich zum Ziel gesetzt, die entgangenen Mittel in das Gesundheitssystem zurückfließen zu lassen, zum Wohle eines jeden Patienten. Sein Auftrag lautet deshalb, Betrug aufzudecken und in die Öffentlichkeit zu tragen. Dazu unterstützt die Organisation ihre Mitglieder zum einen mit hochwertigem Insiderwissen, mit den entsprechenden Werkzeugen zur Aufklärung und mit Trainings zur Weiterbildung auf allen Ebenen der Betrugsbekämpfung. Zum anderen will das EHFCN ein Standardvorgehen etablieren und noch mehr auf Best Practices setzen.

In der Zusammenarbeit mit Institutionen, die auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene mitbestimmen, sieht das EHFCN schließlich die Möglichkeit, die Problematik in die Öffentlichkeit zu tragen und sie dafür zu sensibilisieren – dazu zählen die Europäische Kommission, die Weltgesundheitsorganisation, die US-amerikanische sowie die kanadische Gesellschaft zur Betrugsbekämpfung im Gesundheitssektor (National Health Care Anti-Fraud Association, Canadian Health Care Anti-Fraud Association), das südafrikanische forensische Institut Qubeka und die Weltbank. Derzeit sind 23 öffentliche und private Organisationen mit Schwerpunkt Betrugsbekämpfung aus zehn Ländern im EHFCN vertreten.

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