F&E und IT-Innovation: Ambivalente Position Österreichs Detail - Computerwelt

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01.12.2010 Timo Leimbach*

F&E und IT-Innovation: Ambivalente Position Österreichs

Von den 20 führenden Softwarefirmen weltweit sind 14 US-amerikanischer Herkunft, die 37 Prozent des Weltmarktes ausmachen, und nur drei europäischer Herkunft, die nur fünf Prozent des Marktes ausmachen.

Die europäische Softwareindustrie ist ein zentraler Teil der europäischen IKT-Industrie, welche in ihrer ökonomischen und sozialen Bedeutung vergleichbar mit anderen wichtigen Industrien wie dem Automobilbau oder der Pharmaindustrie ist. Eine Ursache dafür ist das rasante Wachstum der Softwareindustrie, die in den letzten 15 Jahren schneller als die meisten anderen Industrien gewachsen ist. 2006 betrug europaweit ihr Anteil an der Gesamtbeschäftigung 1,9 Prozent (etwa 2,75 Mio. Beschäftigte) und an der Bruttowertschöpfung 1,7 Prozent (etwa 180 Mrd.). Diese Bedeutung wird insbesondere aufgrund der Querschnittsfunktion für die Wettbewerbsfähigkeit aller anderen Branchen weiter ansteigen. So sind nämlich gerade Software-intensive Branchen für einen großen Anteil des gesamtwirtschaftlichen Wachstums verantwortlich.

Doch spiegelt sich weder die Bedeutung Europas als zweitgrößtem Softwaremarkt noch die Bedeutung als Schlüsseltechnologie in der Wettbewerbssituation europäischer Unternehmen wieder. Von den 20 führenden Softwarefirmen weltweit sind 14 US-amerikanischer Herkunft, die 37 Prozent des Weltmarktes ausmachen, und nur drei europäischer Herkunft, die nur fünf Prozent des Marktes ausmachen.

Jedoch befindet sich der Softwaremarkt im Wandel. Ursachen des Wandels sind technologische und ökonomische Veränderungen wie das Internet der Dienste und Cloud Computing, das Internet der Dinge sowie die zunehmende mobile Nutzung von Software. So zeigt eine von der EU-Kommission in Auftrag gegebene Studie, die von PAC, IDATE, Fraunhofer ISI und London Economics durchgeführt wurde, dass der Anteil des klassischen Produkt- und Wartungsgeschäft zu Gunsten der neuen Software-basierten Internetdienste (SBIS) nicht nur relativ, sondern nach 2016/17 auch absolut abnehmen wird.

Dies eröffnet eine Möglichkeit, die gegebene Wettbewerbssituation zu verändern, doch dazu ist es notwendig, die Wettbewerbsumgebung für Softwareunternehmen anzupassen. Denn auch hier spiegelt sich die Dominanz der amerikanischen Softwareindustrie wieder. In einem von Fraunhofer ISI erstellten Index der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Softwareindustrie ordnet sich die USA hinter Dänemark und Irland, aber vor Finnland, Schweden und mit Abstrichen Großbritannien in die europäische Spitzengruppe ein. Grund ist, dass die USA in fast allen fünf Teilbereichen in der Spitzengruppe, insbesondere im Bereich der Innovations- und F&E-Aktivitäten sowie den spezifischen Rahmenbedingungen für die Softwarebranche vor allen europäischen Ländern liegen. Im europäischen Vergleich erreicht Österreich einen respektablen achten Platz vor Ländern wie Deutschland und Frankreich. Grund dafür sind insbesondere die positiven Rahmenbedingungen für Softwareunternehmen, die vor allem von den hohen VC-Investitionen getragen werden. Dennoch gibt es sowohl im Bereich der Allgemeinen Rahmenbedingungen wie beispielsweise die administrativen Hürden für Gründungsaktivitäten, die deutlich hinter dem europäischen Durchschnitt liegen, noch deutliche Nachteile. Aber auch im Bereich der F&E- und Innovationsaktivitäten sowie insbesondere bei den Wirtschaftlichen Effekten liegt Österreich nur im europäischen Mittelfeld, so dass auch hier noch Potenziale vorhanden sind. Insgesamt ergibt sich daraus eine sehr ambivalente Position für Österreich, da es auf der einen Seite zwar eindeutig zu den Ländern gehört, die durch eine positive Wettbewerbsumgebung an Bedeutung gewinnen, aber auf der anderen Seite ist seine Softwareindustrie stark geprägt von Niederlassungen ausländischer Unternehmen und hat mit einer Reihe von Herausforderungen zu kämpfen. Dementsprechend bleibt abzuwarten, wie sich diese Situation angesichts der Veränderungen am Softwaremarkt weiter entwickeln wird.

* Timo Leimbach ist Projektleiter im Center Neue Technologien am Fraunhofer-Institut System- und Innovationsforschung (ISI), Karlsruhe.

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