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14.12.2010 Christof Baumgartner/apa

Deutsche-Telekom-Chef sitzt fest im Sattel

Seit gut vier Jahren ist René Obermann Vorstandschef der Deutschen Telekom, des größten europäischen Telekommunikationskonzerns - und er will es bleiben. Die Aufsichtsräte werden den im November 2011 auslaufenden Vertrag verlängern. "Wir haben viel erreicht", blickt der Manager zurück.

Obermann ist unumstritten, er sitzt fester im Sattel denn je. Und das trotz der Spitzelaffäre, einer schlappen T-Aktie oder nicht gutlaufender Geschäfte im Ausland. Auch in der Branche und unter Analysten hat Obermann einen vergleichsweise guten Ruf. Er habe im Vergleich zu seinen Vorgängern einen ordentlichen Job gemacht. Außerdem sei sein Spielraum für Veränderungen begrenzt, meint ein Experte. Größere Akquisitionen stehen ohnehin nicht auf der Tagesordnung, dazu reichen die Mittel nicht. Trotzdem: Der Topmanager hat sich eine Menge vorgenommen.

So läuft beispielsweise die Umstellung der Netztechnik auf IP-Protokoll, woran viele Tausend Arbeitsplätze hängen. Gerade erst hat der Ausbau der neuen LTE-Mobilfunktechnik begonnen, womit die letzten weißen Flecken bei der Breitbandversorgung der Bevölkerung auf dem Lande gelöscht werden sollen. Schließlich will die Telekom in den kommenden Jahren auch Glasfaserleitungen bis zum Endkunden legen.

BAUSTELLE USA<7b> Im Ausland dagegen, vor allem in den USA, haben sich für Obermann neue Baustellen aufgetan. Theo Kitz von der Privatbank Merck Finck findet die Lage "besorgniserregend", weil der US-Mobilfunktochter die Vertragskunden weglaufen. Das iPhone von Apple, das dort von Konkurrenten vermarktet wird, ist einer der Gründe. Kitz wünscht sich ähnlich wie in Großbritannien eine strategische Partnerschaft. Das wiederum ist derzeit nicht absehbar.

Vorantreiben will Obermann neben der Qualität und Schnelligkeit des Services auch die künftigen Wachstumsfelder. Hierzu zählen das mobile Internet, die Geschäftskundensparte sowie die Sparte Geschäftskunden und intelligente Netzlösungen. Zu letzteren gehören Dienstleistungen um das Auto, Strom, Medizin und Medien. Denn Obermann weiß: Das klassische Kerngeschäft der Telekom ist durch den Preisverfall für Mobil- und Festnetztelefonie in den vergangenen Jahren stark unter Druck geraten. Tatsächlich haben der Manager und sein Vorstandsteam in den vergangenen Jahren eine Menge bewegt - mehr als manche Vorgänger. Das gilt vor allem auch für das Inlandsgeschäft, das praktisch am Boden lag, als Obermann für viele überraschend im November 2006 Kai-Uwe Ricke an der Telekom-Spitze abgelöst hatte. Da war vor allem das zukunftsträchtige DSL-Geschäft, das zu schwächeln begann.

Die Telekom kam damals lediglich auf einen Anteil von 16 Prozent bei den Neukunden. Immer mehr Kunden kehrten dem Unternehmen den Rücken und wechselten zur Konkurrenz. Die Verluste bei den klassischen Telefonanschlüssen summierten sich in der Spitze auf jährlich mehr als 2,5 Millionen. Auch der Mobilfunk in Deutschland litt unter starker Konkurrenz und die Sparte Geschäftskunden stand vor dem Verkauf. Doch die Trendwende ist inzwischen geschafft, in Deutschland laufen die Geschäfte wieder rund. Fast jeder zweite DSL-Neukunde schließt einen Vertrag bei der Telekom ab.

Überlagert aber wurde der Konzernumbau, zu dem auch Sparprogramme, Stellenstreichungen und Umbesetzungen gehörten, von der Spitzelaffäre: das Ausschnüffeln der Telefondaten von Aufsichtsräten, Betriebsräten und Journalisten. Es ging also um Glaubwürdigkeit und Wiederherstellung der Vertrauenswürdigkeit des Unternehmens bei den Kunden. Der Fall ist seit wenigen Wochen mit einem Urteil gegen einen Manager aus der Konzernsicherheit zwar formell ad acta gelegt. Aber die Opfer der Spitzelaffäre können nicht nachvollziehen, dass die damals Verantwortlichen der Konzernspitze mit weißer Weste davonkamen. Selbst die Telekom erwägt, Schadenersatzansprüche zu erheben.

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