Digitale Agenda: Bericht über IKT für Senioren Detail - Computerwelt

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21.12.2010 Rudolf Felser

Digitale Agenda: Bericht über IKT für Senioren

Die Europäische Kommission hat einen Bericht über die Fortschritte des gemeinsamen Programms "Umgebungsunterstütztes Leben" (AAL JP) vorgelegt.

Aus diesem Bericht geht hervor, dass kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bei den Projekten in diesem Bereich außerordentlich engagiert sind und die teilnehmenden Länder bedeutende Finanzmittel bereitstellen. Ferner enthält der Bericht Empfehlungen, mit denen auch in Zukunft eine positive Entwicklung sichergestellt werden soll.

An diesem Programm zur Förderung von Forschung und Entwicklung mit einem Budget von 600 Mio. Euro nehmen 23 Länder und die EU teil. Ziel ist es, die Lebensqualität der älteren Mitbürger durch intelligente, IKT-gestützte Lösungen zu verbessern. Der Bericht der Kommission richtet sich an das Europäische Parlament und den Ministerrat. Das Programm "Umgebungsunterstütztes Leben" könne einen wichtigen Beitrag zur geplanten europäischen Pilot-Innovationspartnerschaft für Aktivität und Gesundheit im Alter leisten, so die Kommission in einer Aussendung.

Neelie Kroes, Vizepräsidentin der Kommission und zuständig für die Digitale Agenda sagte hierzu: "Ich freue mich, das die Teilnehmerländer das gemeinsame Programm 'Umgebungsunterstütztes Leben' als wichtiges Mittel zur Bewältigung der Herausforderung der Bevölkerungsalterung ansehen – dies zeigt sich darin, dass sie beträchtliche Finanzmittel dafür bereitstellen. Informations- und Kommunikationstechnologien sind entscheidend, wenn wir das Leben der wachsenden Zahl älterer Menschen in Europa verbessern wollen. Mit dem Programm wird deutlich, wie wir durch Zusammenführung unserer Ressourcen für die EU in diesem wichtigen Bereich weit mehr erreichen können, als es durch getrennte Maßnahmen der Mitgliedstaaten möglich wäre.“

Die erste Bewertung des gemeinsamen Programms durch die Kommission stützt sich auf die (ebenfalls kürzlich veröffentlichten) Schlussfolgerungen eines hochrangigen Gremiums unter Vorsitz der ehemaligen EU-Kommissarin Meglena Kuneva, in dem das Programm vor dem allgemeinen Hintergrund der Innovation als Antwort auf demografische Herausforderungen erörtert wurde.

LÜCKE ZWISCHEN FORSCHUNG UND MARKT GESCHLOSSEN Aus dem Bericht geht hervor, dass die 23 Teilnehmerländer des gemeinsamen Programms ihre Anstrengungen zur Bewältigung eines drängenden gesellschaftlichen Problems äußerst erfolgreich vereint haben und eine Lücke zwischen der Spitzenforschung und in großem Maßstab markfähigen Lösungen für ein aktives und unabhängiges Leben im Alter geschlossen wurde. Das Programm ist umso erfolgreicher, als es durch hohe Finanzinvestitionen der Teilnehmerländer gestützt wird. Diese lagen 2009 den Angaben zufolge um 50 Prozent über den ursprünglich vorgesehenen Mindestinvestitionen. Ein weiterer entscheidender Erfolgsindikator ist die enorme Beteiligung von KMU in den Projektkonsortien (über 40 Prozent).

Im Rahmen des Programms werden neue Lösungen entwickelt, die innerhalb von zwei bis drei Jahren marktreif sein sollen. Über 50 Forschungs- und Innovationsprojekte wurden seit 2008 in den Bereichen Behandlung chronischer Krankheiten und soziale Interaktion älterer Menschen eingeleitet. Gegenstand der Forschung sind beispielsweise Roboter, die Tätigkeiten im Haushalt verrichten und Senioren helfen, den Kontakt mit dem sozialen Umfeld aufrechtzuerhalten, und "intelligente Wohnungen", die auf die Bewegungen und das Verhalten der Bewohner reagieren und ihnen das Leben erleichtern.

MEHR ENDNUTZER-FEEDBACK Um die positiven Ergebnisse des Programms zu maximieren, empfiehlt die Kommission, die Endnutzer bei der Entwicklung von Lösungen enger und besser mit einzubeziehen. Stärker vereinheitlichte Vorschriften für Förderwürdigkeit und Finanzierung dürften ebenfalls Schwierigkeiten und Verzögerungen bei der Projektdurchführung vermeiden helfen. Die Kommission will sich ferner um Finanzierungsmechanismen bemühen, mit denen die Investitionslücke zwischen der Pilotphase und der großmaßstäblichen Einführung auf dem Markt geschlossen werden soll. Hierzu gehören auch die weitere Unterstützung des AAL-Investitionsforums und die Berücksichtigung des Beitrags, den das Programm möglicherweise zur europäischen Pilot-Innovationspartnerschaft für Aktivität und Gesundheit im Alter leisten kann. Die im Rahmen der Leitinitiative "Innovationsunion" angekündigte Pilot-Partnerschaft soll Hindernisse bei der großmaßstäblichen Einführung von Innovationen aus dem Weg räumen, die eine Antwort auf die Probleme der Bevölkerungsalterung darstellen.

Die Kommission will ferner die Verbindungen zwischen dem Programm "Umgebungsunterstütztes Leben", den anderen von der EU unterstützten Forschungs- und Innovationsprogrammen und dem "Jahr des aktiven Alterns und der Solidarität zwischen den Generationen" (2012) ausbauen.

Auf der Grundlage des Berichts wird die Kommission nun mit dem Europäischen Parlament und dem Ministerrat der EU die nächsten Schritte bei der Durchführung der vorgeschlagenen Maßnahmen sowie eine Fortführung des Programms über seine ursprüngliche Laufzeit (bis 2013) hinaus erörtern.

HINTERGRUND Dem AAL JP gehören 20 EU-Mitgliedstaaten (Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowenien, Spanien, Ungarn, das Vereinigte Königreich und Zypern), drei assoziierte Länder (Israel, Norwegen und die Schweiz) sowie die Europäische Kommission an.

Es unterstützt IKT-gestützte Lösungen für eine bessere Lebensqualität im Alter, die innerhalb von zwei bis drei Jahren marktreif und wirtschaftlich tragfähig sind. Dies bringt neue Geschäftsmöglichkeiten und enorme Kosteneinsparungen bei der Sozial- und Gesundheitsfürsorge. So können beispielsweise Fernversorgungslösungen die Kosten von Pflegediensten um bis zu 30 Prozent senken.

In Europa stellen der öffentliche und der private Sektor mehr als eine Milliarde Euro für Forschung und Innovation bereit, um die Lebensqualität im Alter zu erhöhen: etwa 600 Mio. Euro für das gemeinsame Programm (AAL JP), etwa 400 Mio. Euro für das Forschungsrahmenprogramm der EU und bisher mehr als 50 Mio. Euro für das das IKT-Förderprogramm der EU.

Die Teilnahme der Kommission am gemeinsamen Programm "Umgebungsunterstütztes Leben" stützt sich auf einen Aktionsplan aus dem Jahr 2007 zum Altern in der Informationsgesellschaft. Ziel dieses Aktionsplans ist die Stärkung der Forschungszusammenarbeit der Mitgliedstaaten durch Bereitstellung entsprechender EU-Mittel.

Der Bericht der Kommission und der Bewertungsbericht des hochrangigen Gremiums sind hier abrufbar. (pi/rnf)

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