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31.01.2011 pi/Rudolf Felser

Studie: Internet braucht neues Geschäftsmodell

Eine Studie von A.T. Kearney hinterfragt die kommerzielle Tragfähigkeit des Internets und fordert eine Neuordnung der ökonomischen Beziehungen entlang der Wertschöpfungskette.

In den letzten Jahren ist der Datenverkehr über das Internet rasant gewachsen – Tendenz steigend: Während er im Festnetz in den nächsten fünf Jahren Schätzungen zufolge um etwa ein Drittel pro Jahr zulegen wird, soll sich die Datenmenge im mobilen Internet jährlich sogar nahezu verdoppeln. Die A.T. Kearney-Analyse der Investitionen in feste und drahtlose Netzwerke, die nötig sind, um dem rasanten Wachstum des Datenverkehrs standzuhalten, hat ergeben: Auch wenn nicht alle Haushalte und Unternehmen mit Glasfaser angeschlossen werden, müssten die Netzbetreiber in Europa pro Jahr acht Mrd. Euro zusätzlich zum derzeitigen Investitionsniveau aufwenden, nur um das Service-Niveau zu halten und zu verhindern, dass das Internet am schnellen Wachstum von Video-Angeboten erstickt.

VERURSACHER PROFITIEREN Heute profitieren vor allem diejenigen vom wachsenden Datenverkehr, die ihn verursachen, nämlich die Content-Websites und Online-Service-Provider (sogenannte Over-the-Top-Anbieter), sowie diejenigen, die ihn konsumieren, also die Endverbraucher. Die Netzbetreiberindes verdienen den Unternehmensberatern zufolge heute nahezu gar nichts am zusätzlichen Datenverkehr. Diese strukturelle Kluft dämpft die Bereitschaft, effizienter mit Bandbreite umzugehen und in weitere Netzkapazität zu investieren.

Hagen Götz Hastenteufel, Partner in der Communications & High Tech Practice von A.T. Kearney, erläutert: "Die jüngsten Wachstumszahlen für den Datenverkehr und die mittelfristigen Prognosen für das weitere Wachstum sind beeindruckend. Allerdings stellen sie das derzeitige Internet-Modell hinsichtlich seiner Zukunftsfähigkeit vor ernsthafte Herausforderungen." Ohne wesentliche Verbesserungen bei der Preisgestaltung und bei Investitionsanreizen werde die Innovationskraft der Industrie stark gefährdet. Dies werde sich auch auf Sektoren auswirken, die neue Dienste anbieten wollen, die von leistungsfähigen Netzen abhängen.

WEGE AUS DEM DILEMMA Um dem Ungleichgewicht entgegenzuwirken, wurden in der Studie vier verschiedene Ansätze untersucht und deren Auswirkungen quantifiziert:

  • eine neue Preisgestaltung für den Endverbraucher
  • eine Kostenbeteiligung von Anbietern in Abhängigkeit des verursachten Datenverkehrs (betrifft vor allem die Online-Service-Provider)
  • die Einführung von Services mit verbessertem Qualitätsniveau im öffentlichen Internet
  • die Einführung von Services mit verbessertem Qualitätsniveau auf Basis bilateraler Vereinbarungen zwischen einzelnen Marktteilnehmern

Dabei kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass alle Maßnahmen zur Überlebensfähigkeit des Internets beitragen können, dass allerdings keine allein ausreicht, die Herausforderungen in vollem Umfang zu meistern. Dies könne nur ein Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen leisten.

Dazu Axel Freyberg, Partner bei A.T. Kearney und Leiter der zentraleuropäischen Communications and High Tech Practice: "Die politischen Entscheidungsträger sollten sich aufgeschlossen gegenüber den neuen Geschäftsmodellen zeigen, die derzeit entstehen, und diese unterstützen. Dass das Internet – oder gar Prinzipien der freien Meinungsäußerung oder des freien Unternehmertums – durch die Einführung von ausgewogeneren und vernünftigeren Gebühren Schaden nehmen könnte, ist nicht anzunehmen. Das Gegenteil ist der Fall: Ohne klare wirtschaftliche Anreize wird der Stau auf der Datenautobahn sowohl Innovationen als auch die Nutzung abwürgen."

Die Studie wurde von vier europäischen Telekommunikationsunternehmen (Deutsche Telekom, France Telecom-Orange, Telecom Italia, Telefónica) in Auftrag gegeben und soll einen "unabhängigen Beitrag zur derzeitigen politischen Debatte über ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum, die Umsetzung der Digitalen Agenda für Europa und die Erhaltung eines offenen und wettbewerbsfähigen Internets" darstellen. (pi/rnf)

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