Gastkommentar: "Patient 0.0" Detail - Computerwelt

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07.10.2009 Reinhard Koller*

Gastkommentar: "Patient 0.0"

Anfang September besuchte ich im Rahmen des Forums Alpbach die dort stattfindenden Gesundheitstage.

Anfang September besuchte ich im Rahmen des Forums Alpbach die dort stattfindenden Gesundheitstage. Dieses Jahr fuhr ich weder in meiner Rolle als Journalist noch als langjähriger Informatiker im Gesundheitswesen nach Tirol, sondern bewusst und gezielt in der Rolle des Patienten. Gott sei Dank war ich beim Hinfahren noch kein Leidender, sondern erwartungsvoll all dessen, was mich im Rahmen der dauernden Ankündigungen der Politik in Richtung ELGA alles erwarten würde. Ich war überzeugt: Als Patient werde ich heuer im Mittelpunkt stehen.

Ich schätze die Gespräche in Alpbach. Sie bewegen sich auf hohem geistigen Niveau, während die Werbebotschaften einzelner Sponsoren doch deutlich im Hintergrund bleiben und zumindest nicht aufdringlich sind. Und das Beste an Alpbach: In vielen Punkten wird Klartext gesprochen.

Leider war es für mich schon vor dem zweiten Morgen ernüchternd, dass in Österreich, bezogen auf die Gesamtausgaben im Gesundheitsbereich (27 Milliarden Euro im Jahr 2007), lediglich 500 Millionen Euro für Prävention ausgegeben werden. Dies entspricht einem Anteil von weniger als zwei Prozent und liegt damit deutlich unter dem EU-Schnitt. Erschwerend kommt dazu, dass sich diese 500 Millionen wiederum auf drei Stufen verteilen.

Das bedeutet, dass es bei Prävention derzeit häufig nur darum geht, einen Krankheitszustand zu stabilisieren. Nie würde uns in den Sinn kommen und schon gar nicht würden wir akzeptieren, mit den Geräten unseres täglichen Lebens so umzugehen. Ich fühlte mich in diesem Moment als »Patient 0.0«.

KEINE PATIENTENVERTRETUNG Eine zweite Ernüchterung erfolgte bald, wiederum deutlich vor dem dritten Morgen. Noch nie wurde mir in einer hochkarätigen Diskussionsrunde so offensichtlich vor Augen geführt, dass es in Österreich bis jetzt keine Patientenvertretung gibt, sondern lediglich eine Versichertenvertretung. Ich fühlte mich wiederum als »Patient 0.0«.

Umso mehr ist zu hoffen, dass sich die verschiedenen digitalen sozialen Netze, die schon an vielen Stellen zu sprießen beginnen, sich kraftvoll und nachhaltig entwickeln werden – zum Zwecke und Nutzen des Patienten beziehungsweise des Bürgers. Nur so habe ich als »Patient 0.0« die Hoffnung, dass Bewegung entsteht.

Diese Energie wird unser Gesundheitssystem nicht (ausreichend) bewegen können, aber Bewegung ist relativ und schon so manches in sich erstarrte System ist über Jahrzehnte durch chronische und zielgerichtete Massenansammlung in einem schwarzen Loch für ewig versunken. Und so sehe ich »Patient 0.0« möglicherweise als den Urknall, dem bald »Patient 1.0« folgen wird.

* Dr. Reinhard Koller war bis 2007 Mitglied der Leitung der Gesundheitsinformatik der OÖ. Landesspitäler und tritt heute unter anderem als Beitrags-Reviewer für internationale Konferenzen auf.

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