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19.10.2009 apa/Rudolf Felser

Wittgenstein-Preis geht an Computerwissenschafter

Der jährlich vergebene, jeweils mit 1,4 Mio. Euro dotierte "Austro-Nobelpreis" ist die höchste wissenschaftliche Auszeichnung des Landes.

Der Biochemiker Jürgen Knoblich und der Computerwissenschafter Gerhard Widmer erhalten den Wittgenstein-Preis 2009. Das gaben Wissenschaftsminister Johannes Hahn und der Präsident des Wissenschaftsfonds FWF, Christoph Kratky, bei einer Pressekonferenz in Wien bekannt. Der jährlich vergebene, jeweils mit 1,4 Mio. Euro dotierte "Austro-Nobelpreis" ist die höchste wissenschaftliche Auszeichnung des Landes.

Gleichzeitig wurden sechs Nachwuchsforscher mit den mit jeweils bis zu 1,2 Mio. Euro dotierten START-Preisen ausgezeichnet. Sie bekommen die Preise Anfang 2010 im Rahmen einer Gala verliehen.

Gerhard Widmer ist Professor für Computational Perception an der Universität Linz und leitet die Abteilung für Machine Learning, Data Mining und Intelligent Music Processing am Österreichischen Forschungsinstitut für Artificial Intelligence in Wien. Der Informatiker wurde bereits 1998 mit dem START-Preis ausgezeichnet. Seine Professur "Computational Perception" beschreibt Widmer mit der wörtlichen Übersetzung "Computer-Wahrnehmung". Der Wissenschafter erforscht "Algorithmen, die Computer in die Lage versetzen, ihre Umwelt wahrzunehmen". Im Bereich Musik hat Widmer hier bereits große Fortschritte erzielt.

So hat er sich das Ziel gesetzt, "mit Hilfe des Computers zu lernen, wie Musikinterpretation als künstlerische Fertigkeit funktioniert", wie also etwa ein Pianist durch individuelle, gefühlvolle Spielweise ein Musikstück interpretiert. Wie erfolgreich er dabei ist, zeigt ein Nebeneffekt dieser Arbeit: Bei einem Wettbewerb in Japan 2008, bei dem ein Computer auf einem Konzertflügel vorgegebene Musikstücke mit künstlerischem Ausdruck spielen musste, räumten Widmer und sein Team gleich drei Preise ab.

Widmer entwickelt auch intelligente Programme, die die menschliche Musikwahrnehmung zumindest teilweise simulieren und riesige digitale Musiksammlungen nach bestimmten Kriterien durchsuchen und ordnen können. Ein solcher "elektronischer DJ" wird bereits in der ersten "musikalisch intelligenten" digitalen Stereoanlage kommerziell genutzt. Mit dem Preisgeld will Widmer u.a. in Richtung eines höheren Musikverständnisses von Computern arbeiten, das derzeit noch weit entfernt von jenem des Menschen sei. Aber auch Echtzeit-Systeme, die es Maschinen erlauben, Musik live mitzuverfolgen und in Echtzeit zu analysieren, sind ein Ziel. Einsetzbar wäre dies etwa für die Live-Visualisierung von Musikstücken.

Mit dem START-Preis wurden ausgezeichnet: Francesca Ferlaino, Institut für Experimentalphysik der Uni Innsbruck; Ilse Fischer, Institut für Mathematik der Uni Wien; Arthur Kaser, Uni-Klinik für Innere Medizin II - Gastroenterologie Hepatologie der Medizin-Uni Innsbruck; Manuel Kauers, Research Institute for Symbolic Computation der Uni Linz; Thorsten Schumm, Atominstitut der Technische Universität Wien; David Teis, Biocenter der Med-Uni Innsbruck. (apa)

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