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03.05.2010 Michaela Holy

Die Nervenbahnen der Gesellschaft

Soziale Netzwerke verbessern die Karrierechancen, bergen hohes Innovationspotenzial für Unternehmen und verändern alle Lebensbereiche nachhaltig. Das ergab die Blue Hour des Alumni-Clubs der Donau-Universität Krems.

70 Prozent der Östereicher benutzen das Internet und damit auch soziale Netzwerke wie Facebook oder Xing. Eine der jüngeren Entwicklungen davon ist der Microblogging-Dienst Twitter. Was hinter dem Dienst steckt und wie man ihn nützen kann, ist hingegen noch wenig verbreitet, wie eine Blitz-Umfrage bei der Blue-Hour-Podiumsdiskussion im Leopold Museum in Wien zeigte. Ein dementsprechend interessiertes Publikum diskutierte mit Social-Media-Expertin Judith Denkmayr, Peter Parycek von der Donau-Universität Krems, Web 2.0-Entwickler Oliver J. Wolff und Moderator Michael Prüller über den Mehrwert von sozialen Netzwerken, den sinnvollen Umgang sowohl im Beruf als auch privat und die Auswirkungen auf die Gesellschaft.

Die Frage zum Mehrwert beantwortet die Gründerin der Agentur Digital Affairs, Judith Denkmayr, mit einem praktischen Beispiel: „Ich habe meine jetzigen Geschäftspartner auf Facebook kennen gelernt.“ Immerhin zwei Millionen Menschen in Österreich sind auf der Plattform registriert, bei Twitter sind es 20.000. Das ist eine vergleichsweise kleine Gruppe, in der sich viele Journalisten, Marketer und auch die wissenschaftliche Community aufhalten. Wer das weiß, könne das auch entsprechend nützen und Medienaufmerksamkeit erlangen, erklärt Denkmayr, die Social-Media-Projekte für Medienunternehmen plant. Für Peter Parycek von der Donau-Universität Krems löst Twitter mehr und mehr den Suchdienst Google ab. „Twitter ist inzwischen die Informationsquelle für mich. Hier erfahre ich von wichtigen Studien und erhalte wertvolle Kontakte, sagt der E-Government-Experte, der den Dienst ausschließlich für den beruflichen Austausch nützt. „Twitterströme sind die Nervenbahnen der Gesellschaft“, nimmt Parycek die künftige Bedeutung des modernen Nachrichtendienstes voraus.

Seine ersten Gehversuche mit Twitter machte Oliver J. Wolff 2005. Entscheidend sei es, dabei zu sein und die Entwicklungen der virtuellen Welt zu verfolgen und auch ernst zu nehmen. Seine Herangehensweise ist dabei spielerisch. Dem aktuellen Thema, Mitarbeitern während der Arbeitszeit Facebook zu verbieten, kann Wolff dementsprechend wenig abgewinnen. „Das wäre so, als ob man ihnen verbieten würde, die Zeitung in der Arbeit zu lesen. Kommunikation hat sich eben enorm verändert.“ Der Leiter des Unternehmens Massive Art hat sich auf webbasierte Software-Lösungen spezialisiert und entwickelt derzeit eine Gesundheitsplattform zur Prävention und Unterstützung von kranken Menschen jeden Alters.

Die Herausforderung bestehe darin, so die Diskutanten, die reale und die virtuelle Welt ideal zu verbinden. Das sei ursprünglich auch die Idee des Berufsnetzwerks Xing gewesen, erinnert Wolff. „Alle Leute sind real. Das Internet ist lediglich die andere Version einer gemeinsamen Welt“, betont Denkmayr bei der Diskussion des Alumni-Clubs in Wien. Vortäuschen ist somit auch im Internet zum Scheitern verurteilt. Denn auch hier würden langfristig Persönlichkeiten, Authentizität und die Relevanz des Inhalts zählen. „Soziale Medien besitzen eine hohe Eigendynamik“, das habe der Wahlkampf Obamas gezeigt, sagt Parycek abschließend. „Dieser Kulturwandel ist der Beginn einer äußerst spannenden Zeit, mit großer Kommunikations- und Organisationskraft der Gesellschaft.“

Im Rahmen der „Blue Hour“, einer Initiative des Alumni-Clubs der Donau-Universität Krems, finden regelmäßig Gespräche und Diskussionen mit prominenten Persönlichkeiten statt. Die „Blue Hour“ bietet damit den Absolventen der Donau-Universität Krems die Möglichkeit, aktuelle Themen zu diskutieren, neue Experten kennen zu lernen und Erfahrungen mit den ehemaligen Studienkollegen auszutauschen.

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