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23.11.2010 pi

DeepSec: Mobilfunknetz als Ziel für virtuelle Kriegsführung

Handy und Co. rücken ins Fadenkreuz: Die Sicherheitskonferenz DeepSec stellt Gefahren für mobile Endgeräte in den Mittelpunkt der diesjährigen Veranstaltung.

Mit modernen Handys wird schon lange nicht nur telefoniert, sondern auch fotografiert oder im Internet gesurft. Der bahnbrechende Erfolg des iPhone ist nur ein Beispiel dafür, dass Mobiltelefone längst über sich herausgewachsen sind. Jugendliche und Erwachsene nutzen sie täglich, auch um sich zu informieren - zum Beispiel über aktuelle Nachrichten, das Wetter oder die beste Navigationsroute für eine bevorstehende Autofahrt. Der Griff zum neuen Allzweck-Informationsgerät ist zur Gewohnheit geworden. Doch was passiert, wenn Kriminelle oder Attentäter das GSM-Mobilfunknetz angreifen?

"Das GSM-Mobilfunknetz wird in 200 Ländern eingesetzt und besitzt eklatante Schwachstellen, über die wir aufklären", erklärt René Pfeiffer, Organisator der internationalen Sicherheitskonferenz DeepSec, die noch bis 26. November 2010 in Wien stattfindet. "Nur wenige Menschen realisieren, dass das Mobilfunknetz für die persönliche und nationale Sicherheit ebenso relevant ist wie zum Beispiel das Stromnetzwerk."

In Aufständen, Revolutionen oder (virtuellen) Kriegen kann ein gezielter Angriff auf das GSM-Netz eines Landes verheerende Folgen mit sich bringen. Mobilfunk-gestützte Sicherheitssysteme in Banken, Behörden oder Firmen würden aufhören zu funktionieren - und Bürger könnten mit ihrem Mobiltelefon keine Notrufe mehr absetzen. Bei einem solchen Anschlag auf die technologische Infrastruktur stünden Menschenleben auf dem Spiel. Vertreter von Sicherheitsfirmen und Behörden wissen um die Gefahr solcher Cyber-War-Angriffe - so der Titel für die virtuelle Kriegsführung mit Mitteln aus der Informationstechnik. Die daraus entstehende Bedrohung ist so real, dass die Europäische Union zuletzt am 4. November 2010 eine Cyber-War-Übung ausgeführt hat, um entsprechende Gegenmaßnahmen zu testen.

Neben der Manipulation im großen Stil machen sich auch Cyber-Kriminelle die Sicherheitslücken mobiler Geräte wie Handys oder Tablet-PCs zunutze, um private Daten auszulesen. Selbst abseits des GSM-Sicherheitsproblems sind Betrüger und Abzocker aktiv, um über aktive Datenverbindungen und Programme Zugriff zu solchen persönlichen Informationen zu erhalten. Dabei wird Interessenten zum Beispiel beim mobilen Download neben einem Programm auch Schadsoftware untergejubelt, über die Cyber-Kriminelle dann Handydaten auslesen können. "Handy-Kaufplattformen für so genannte 'Apps' sind nicht so sicher, wie viele vermuten", erklärt Pfeiffer und weist damit auf das vielseitige Programm der Sicherheitskonferenz hin, auf der die akuten Sicherheitsprobleme mobiler Geräte wie Handys oder Tablet-PCs im Vordergrund stehen.

Die DeepSec bringt als neutrale Plattform die Sicherheitsexperten aus allen Bereichen zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch zusammen. Dort erhalten IT- und Security-Unternehmen, Anwender, Behördenvertreter, Forscher und die Hacker-Community in 33 Vorträgen und acht Workshops erneut die Chance, sich über die brennenden Sicherheitsthemen auszutauschen. Die Konferenz will aber auch dem verbreiteten Vorurteil entgegen wirken, dass Hacker zwangsläufig Kriminelle sind. (pi)

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