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27.02.2009 apa/Rudolf Felser

Neue Yahoo-Chefin lässt keinen Stein am anderen

Die erst kürzlich eingesetzte Yahoo-Chefin Carol Bartz hinterlässt bereits deutliche Spuren.

Die erst kürzlich eingesetzte Yahoo-Chefin Carol Bartz hinterlässt bereits deutliche Spuren: Sie hat bereits in ihren ersten Wochen als "Frau an der Spitze" die Führung des kriselnden Internet-Konzerns massiv umgekrempelt. Neuer starker Mann ist wie erwartet der bisherige Technologie-Chef Ari Balogh, der zusätzlich für die Produkt-Entwicklung zuständig sein wird. Finanzchef Blake Jorgensen geht – oder wurde gegangen. Neu geschaffen wurde ein Vorstandsposten für Marketing. Auch die internationale Struktur wurde radikal vereinfacht.

Ziel der Veränderungen sei, Yahoo effizienter zu machen und die Strukturen zu vereinfachen, schrieb Bartz in einer internen Nachricht an die Mitarbeiter. "Ich bin ehrlich gesagt überrascht, wie kompliziert mache Dinge hier sind", kritisierte sie. Außerdem solle verstärkt die Meinung der Kunden gehört werden. Regional soll es nur noch zwei Einheiten geben: Nordamerika und International. Bisher gab es einzelne Führungsstrukturen für Europa, die Asien-Pazifik-Region und Wachstumsmärkte.

Der Bereich Connected Life, der unterschiedliche Yahoo-Dienste unter anderem für die mobile Nutzung zusammenbringen sollte, wird zwischen verschiedenen Einheiten aufgesplittert. Bereits am Vortag war bekanntgeworden, dass der Deutsche Marco Börries, der Connected Life vier Jahre führte, den Konzern verlässt. Das mobile Internet gilt als ein Schlüssel-Markt der Zukunft. Sie wisse, dass die Yahoo-Mitarbeiter genug von Umstrukturierungen hätten, räumte Bartz ein. Die neue Struktur solle für zwei bis vier Jahre gelten, versicherte sie daher.

WENIGE USER Yahoo leidet unter schwachen Nutzerzahlen bei seiner Internet-Suche und sinkenden Werbeumsätzen. Bartz ist erst seit rund sechs Wochen Konzernchefin, nachdem Konzern-Mitbegründer Jerry Yang das Handtuch warf. Umbau-Maßnahmen der vergangenen Jahre hatten bei Yahoo kaum Wirkung gezeigt. Zu groß und "erdrückend" ist die Marktmacht von Google, die dem einstigen Parade-Internetkonzern stark zugesetzt hat.

Das Unternehmen überlegt immer noch, ob es sein Geschäft mit der Internet-Suche verkaufen oder in eine Partnerschaft einbringen soll. Bartz hatte sich bisher zum Schicksal des Suchanzeigen-Geschäfts bedeckt gehalten und betont, es müsse geprüft werden, ob eine Trennung davon den Internet-Konzern nicht zu sehr schwächen würde. Konkurrent Microsoft hatte diese Woche das Interesse an dem Bereich neuerlich bekräftigt und damit quasi den offiziellen Startschuss für neue Verhandlungen gegeben.

Jorgensen soll sich bei einer Technologie-Konferenz grundsätzlich offen für eine Partnerschaft oder einen Verkauf des Suchmaschinen-Geschäfts gezeigt haben. Microsoft wollte vor einem Jahr Yahoo kaufen, der Internet-Konzern lehnte jedoch ab weil der angebotene Preis zu niedrig gewesen sei. Inzwischen liegt die Yahoo-Aktie weit unter Microsofts Angebot. (apa/dpa/rnf)

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