Interview: "In die Führungsebene zu kommen ist nicht schwer, sich dort zu halten sehr wohl" Detail - Computerwelt

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25.03.2009 Michaela Holy

Interview: "In die Führungsebene zu kommen ist nicht schwer, sich dort zu halten sehr wohl"

Im Interview erklärt Petra Jenner, warum Microsoft das Unternehmen "bester Arbeitgeber" für Frauen ist.

Seit Februar verantwortet Petra Jenner die heimische Niederlassung von Microsoft. Im COMPUTERWELT-Gespräch erklärt sie, warum das Unternehmen »bester Arbeitgeber« für Frauen ist.

Microsoft Österreich wurde zum zweiten Mal in Folge als bester Arbeitgeber für Frauen ausgezeichnet. Was hebt Microsoft ab? Petra Jenner: Ich glaube, dass wir sehr offen sind, wenn es um Qualifikation geht. Wenn bei gleicher Qualifikation eine Frau gegen einen Mann um den Posten konkurriert, gibt es bei uns die Tendenz, die Frau zu beschäftigen. Bei gleicher Qualifikation, das ist mir wichtig, nicht per se, weil es sich um eine Frau handelt. Wir haben aber auch für Frauen, die in Karenz sind, »Stay Connected«-Frühstücke ins Leben gerufen, damit sie weiterhin wissen, was im Unternehmen passiert. Wir haben aus meiner Wahrnehmung einen relativ natürlichen Umgang mit dem Gender-Thema. Es geht um das, was jemand zum Unternehmenserfolg beiträgt und nicht um das Geschlecht. Wir haben auch Heim-Arbeitsplätze eingerichtet, um zeitlich flexibel sein zu können. Dieses Vertrauensarbeitszeitprinzip ist besonders für Frauen wichtig. Das sind im Grunde die wesentlichsten Maßnahmen. Das könnte der Unterschied zu anderen Unternehmen sein, wobei ich sagen muss, dass ich nicht weiß, wie andere Arbeitgeber agieren. Wir scheinen uns aber abzuheben, sonst wären wir nicht ausgezeichnet worden.

Gibt es spezielle Weiterbildungsmaßnahmen für Frauen? Es gibt Bereiche, in denen wir Frauen ganz besonders fördern wollen, so etwa im technischen Bereich. IT wird in der Regel sehr technisch vermittelt und da gibt es andere Ansätze. Frauen verstehen leichter über Beispiele oder Assoziationen und weniger über technische Merkmale. Da gibt es Überlegungen, so etwas zu tun. Das ist aber eher Zukunftsdenken.

Gibt es eine Quotenregelung bei Microsoft? Nein. Es gibt aber den Willen der Geschäftsleitung, speziell für Führungspositionen Frauen stärker anzusehen. Es gibt Studien, die belegen, dass Frauen auf der Karriereleiter anders ticken, nicht so aggressiv und fordernd auftreten und dadurch öfter ungehört bleiben.

Gibt es Unterschiede zwischen Frauen und Männer in der Führung von Mitarbeitern? Ja, definitiv. Es gibt nachweislich einen anderen Umgang mit bestimmten Themen. Die weiblichen Führungskräfte tendieren eher zu Motivation und Konsensbildung und sind im Bereich Teambuilding besser als Männer. Das ist vielleicht auch in der Natur so verankert und hat mit Erziehung zu tun. Nicht weil ich denke, dass Frauen die besseren Manager sind, aber das wurde in unseren Breitengraden so weitergegeben. Das ist vielleicht in anderen Ländern anders, in Westeuropa kann man das als einen der wesentlichen Unterschiede sehen.

Was hat Sie dazu bewogen, etwas Technisches zu studieren? Ich bin durch Zufall in die Branche gekommen, habe Dolmetsch studiert und wollte Simultandolmetscherin werden. Das habe ich mir aber geschenkt, weil ich nicht immer wiederholen wollte, was jemand anders gesagt hat. Das war mir zu wenig. Ich habe dann berufsbegleitend Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik studiert. Das war eine relativ schwierige Entscheidung, die ich vielleicht heute nicht mehr so treffen würde. Ich habe damals bei einem IT-Unternehmen angefangen und schnell gemerkt, dass es zwar sehr technisch, aber gar nicht so schwierig ist. Es kommt auf die Herangehensweise an. Ich hatte einen guten Chef, der es geschafft hat, mir komplexe Inhalte mit einfachen Beispielen darzustellen.

Hatten Sie je mit strukturellen Barrieren zu kämpfen? Es war sicher nicht leicht. Ich glaube allerdings, dass der Weg auch für Männer nicht leicht ist. Generell ist es nicht einfach, sich in der Führungsebene zu halten: Da hinzukommen ist nicht so schwer, sich dort zu halten aber sehr wohl. Dabei auch noch authentisch zu bleiben und in den Spiegel schauen zu können, ist die nächste Herausforderung. Das ist mir gelungen, aber es war nicht einfach. Wenn man mit den Leuten auf Augenhöhe kommuniziert und nicht starr fordert, dann geht das auch recht gut. Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass mir Männer bewusst Barrieren in den Weg gestellt haben. Ganz im Gegenteil.

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