Interview: »Das Problem mit der Infrastruktur ist, dass Politiker nichts durchschneiden können« Detail - Computerwelt

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25.03.2009 Alexander Wolschann

Interview: »Das Problem mit der Infrastruktur ist, dass Politiker nichts durchschneiden können«

Interview: Bruno Bucherberger, Softwarepark Hagenberg.

Der rennomierte heimische Wissenschafter Bruno Buchberger gründete 1990 den Softwarepark Hagenberg und verantwortet seitdem Forschung und Lehre mit unermüdlichem Einsatz. Mittlerweile ist der Softwarepark der größte Kommunalsteuerzahler und die Triebfeder für Gastronomie und Infrastuktur in Hagenberg.

Wenn Sie die letzten knapp 20 Jahre Revue passieren lassen – wie war die Entwicklung in Hagenberg? Bruno Buchberger: Von null auf tausend kann man sagen. Als ich dorthin gezogen bin, waren wir 25 Mitarbeiter, jetzt gibt es 1.000 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung und 1.300 Studenten. Insofern hat sich sehr viel bewegt und das kommt natürlich nicht von selbst, das kann sich nicht von selbst aus der Mühlviertler Erde bewegen. Die zwei Ingredenzien damals waren auf der einen Seite das Institut RISC – Research Institut for Symbolic Computation – und dort vor allem die Grundlagenforschung. Das möchte ich sehr betonen, weil ich glaube, dass die eigentliche innovative Kraft aus der Forschung und innerhalb der Forschung aus der Grundlagenforschung kommt. Auch wenn man letztlich auf Arbeitsplätze und Wirtschaft zielt, darf man nie übersehen, dass das für Österreich sehr wichtig ist: Die eigentliche Innovation kommt immer aus der Grundlagenforschung, weil sie die einzige Aktivität ist, die sich nicht auf irgendetwas Anderes berufen kann.

Die wahre Wissenschaft? Wenn man nicht an Gott glaubt, muss das alles ja irgendwo anfangen. Das kommt nicht von außen sondern aus der Kreativität. Dort wo es noch nichts gibt, etwas Neues zu erfinden – das ist die Definition der Grundlagenforschung. Dinge die man noch nicht weiß oder noch nicht gesehen hat, sind in der wissenschaftlichen Forschung essenziell. Dort entsteht etwas Neues, was es bisher nicht gab, und das ist der Ursprung von allem anderen der ganzen Kette, runter bis zu dem, dass es am Schluss natürlich um die Arbeitsplätze und Innovation geht. Und Barroso, der EU-Kommissionspräsident, hat vor Jahren die gewaltige Erkenntnis unter das Volk gebracht, dass er jetzt vom »Magic Triangle« spricht. Was ist das Magic Triangle? Forschung, akademische Ausbildung und daraus die Innovation für die Wirtschaft. Das ist das, was ich 1987 zu Papier gebracht habe, Gott sei Dank habe ich das zu Papier gebracht, weil sonst könnte ich heute nicht sagen, dass das das Grundprinzip war, nach dem ich den Softwarepark aufgebaut habe.

Hatten Sie damals schon ein Konstrukt dieser Art im Kopf, dass sich das so entwickeln würde? Ja. Und zwar deswegen, weil das RISC-Institut selber schon nach diesem Prinzip aufgebaut war. Von dem ausgehend sind dann alle anderen Gründungen entstanden.

Sie haben von 1.000 Beschäftigten gesprochen, für Sie ist allerdings der Plafond noch nicht erreicht, Sie sehen noch sehr viel Potenzial im IT-Cluster. Heute ist es Gott sei dank leichter. Vor 20 Jahren, wo wir noch 25 Mitarbeiter hatten, habe ich in die erste Broschüre hineingeschrieben, dass ich mir vorstellen kann, dass hier einmal 300 Leute arbeiten werden. Selbst wenn ich daran geglaubt hätte dass es irgendwann 1.000 wären, hätte ich es aus politischen Gründen nicht geschrieben. Das hat ja immer zwei Seiten. Bei 300 Leuten sagen die einen super, Wirtschaft, wunderbar, Buchberger, kriegst einen Orden oder so was. Die anderen Leute aber sagen 300 Leute, schrecklich, das sind ja 300 Autos. Man muss ein bisschen vorsichtig sein. Heute aber sieht jeder, dass 1.000 Mitarbeiter möglich sind. Deswegen: Die, die mehr wollen, die eine stabile Wirtschaft in Österreich wollen, sind heute leichter zu überzeugen den Softwarepark zu erweitern. Wir haben noch Potenzial, machen weiter und das funktioniert.

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