Martin Poreda, Kununu: "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur die Robin Hoods der Arbeitnehmer sind" Detail - Computerwelt

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08.04.2009 Michaela Holy

Martin Poreda, Kununu: "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur die Robin Hoods der Arbeitnehmer sind"

Martin Poreda spricht über die Gegenwart und Zukunft Kununus im COMPUTERWELT-Interview.

Was war die Intention, Kununu zu starten? Gab es ein persönliches Erlebnis? Kununu wurde nach meinen Bedürfnissen als Jobsuchenden designt. Ich habe nach der Uni vor jedem Jobinterview gegoogelt – sehr strategisch, wie ein typischer Karrierist. Wenn ich die Wahl zwischen zwei Arbeitgebern hatte, habe ich tatsächlich gegoogelt »wo habe ich eine Kantine«, das war mir wichtig. Da habe ich nichts dazu gefunden. Ich habe meinem Bruder davon erzählt, am nächsten Tag haben wir mit der Arbeit begonnen.

Was war Ihr ursprüngliches Jobziel? Ich bin das geworden. Ich war immer unglücklich in Jobs, wollte aber immer auf der sicheren Seite sein, also nicht selbstständig. Aber bei jedem Unternehmen, in dem ich gearbeitet habe, hat mir immer irgendetwas gefehlt, ich war immer unterfordert. Dann kam eines zum anderen. Kununu ist parallel zu meiner Fulltime-Beschäftigung am Abend, am Wochenende gelaufen, bis ich gesehen habe, dass es so nicht mehr geht. Es gab Wochen, da haben sieben Journalisten angerufen, ich habe mich dann immer am WC bei meinem alten Arbeitgeber versteckt, das ging einfach nicht.

Das Medienecho war wirklich enorm. Die Presse hat uns geliebt, obwohl wir kaum Pressearbeit machen. Es zeigt aber einfach, dass das Bedürfnis da ist. Ich bin wohl nicht der einzige, der nach Arbeitgebern googelt. Man sieht auch langsam, dass es nicht mehr um die Suche nach dem passenden Job, sondern um die Suche nach dem passenden Arbeitgeber geht.

Können sich Arbeitnehmer aussuchen, wo sie arbeiten wollen? Kununu richtet sich an eine ganz bestimmte Klientel, die Young Professionals. Das klingt etwas eingebildet, aber das sind genau die Leute, wie ich früher war – ich konnte mir die Jobs aussuchen. Ich kann vier Fremdsprachen, eine davon ist eine Ostsprache, ich habe BWL studiert mit dem Schwerpunkt HR, habe neun Jahre parallel im Controlling gearbeitet – diese Mischung aus Kenntnissen in Psychologie, Zahlenwissen und Fremdsprachen – das sind Leute, die sehr strategisch an die Jobsuche herangehen.

Wieso haben Sie den HR-Pfad nicht verfolgt? Das ist eine geschlossene Branche. Gott sei Dank gibt es endlich Branchen, die Frauendominiert sind, aber da hat man es als Mann sehr schwer. Ich wollte in die HR, hätte aber sicherlich mehr Zeit gebraucht. Und ich wusste, wenn ich mich für Controlling bewerbe, habe ich am nächsten Tag einen Job. Und so war es dann auch.

Der Name Kununu stammt aus dem Suaheli. Wie kommt das? Das war ein Rat unseres Anwalts. Kununu ist geschützt als europaweite Marke. Ursprünglich wollten wir ‘jobs by’ oder so heißen, da hat uns unser Anwalt geraten, einmal ins Suaheli-Wörterbuch zu sehen. Nicht nur dass die Worte leichter schützbar sind, sondern dort heißt ein Wort ein ganzer Satz. Dass Kununu dann eine sinnvolle Bedeutung für uns hatte, war ein Glücksgriff. Der Name Kununu ist außerdem auch ausbaufähig. Kununu kann genau so ein Beratungsunternehmen sein, eine Plattform – und so weiter.

Wie sieht also die Zukunft aus? Wir haben verschiedene Ziele. Es gibt zum Beispiel so viele Arbeitgeber, die verzweifelt um Bekanntheit kämpfen. Ihnen kann man helfen. Außerdem arbeiten wir an einem Redesign der Seite, die in zwei Monaten neu online gehen wird. Unsere Userziele sind drei Millionen Besucher im Monat. Wir haben diesen März einen Rekord von 800.000 Usern erreicht. Kununu wird weiter als Kommunikationsplattform ausgebaut, denn das ist es ja tatsächlich. Wenn jemand bewertet, hat er etwas mitzuteilen. Ein Unikum ist es, dass man als Firma Stellung abgeben kann. Das erfolgt aus der Beobachtung heraus – bei Henkel gab es einen Mitarbeiterbriefkasten, der war aber immer leer. Bei uns ist die Authentizität ausschlaggebend. Wenn zum Beispiel jemand anregt, die Kantine in Raucher und Nichtraucher zu unterteilen. Einen Monat später liest man vielleicht, dass das Unternehmen es gelesen hat und dran ist, außerdem kann man gleich Beweisfotos auf Kununu hinterlegen. Da wird man nicht nur von eigenen Mitarbeitern geliebt, sondern auch von Bewerbern.

Wird die Funktion für die Stellungnahme von Unternehmen wahrgenommen? Sie sind froh, dass es das gibt. Ich glaube, bis jetzt hatten wir zehn Anmeldungen, sehr aktiv wird das von dreien genutzt. Aber uns geht’s nicht darum, dass groß Kommunikation stattfindet, wir wollten zeigen, dass wir nicht nur die Robin Hoods der Arbeitnehmer sind. Das Unternehmen muss einfach die Möglichkeit haben, Stellung auf Feedback der Arbeitnehmer zu beziehen.

Gibt es eine Branche, die gern bewertet wird? Ein Sechstel der Unternehmen sind aus der IT-, Telekom-, Internet- oder Multimedia-Branche. Das sind die, die dafür affin sind. Das waren auch die ersten Firmen, die bewertet wurden. Von etwa 13.000 bewerteten Unternehmen sind 2.500 aus dieser Branche.

Sie sagen, Sie möchten Hetze auf Kununu umgehen. Wie funktioniert das? Wir machen technische und manuelle Kontrollen. Ausschließlich positive oder negative Bewertungen werden automatisch deaktiviert. Wir haben die Auffassung, dass ein Unternehmen nicht nur gut oder nur schlecht sein kann. Zweitens wird jeder Kommentar kontrolliert, wir haben einen strengen Regelkatalog. Es ist eigentlich erstaunlich, dass Kununu die größte Plattform für diese Thematik geworden ist, obwohl sie die strengste ist. Aber das hat uns auch einen professionellen Ruf eingebracht. Wir haben jetzt 27.000 hochwertige Bewertungen. Wenn wir keine Regeln hätten, hätten wir zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich schon 100.000. Wenn wir aber eine professionelle Plattform bieten wollen, brauchen wir echte Qualität.

Haben Sie Ihre letzten Arbeitgeber bewertet? Alle.

Wie sieht der Markt in Deutschland und der Schweiz im Gegensatz zu Österreich aus? Kununu ist in Deutschland zehn Mal so groß. Es sind auch die Deutschen, die am offensten für unsere Idee sind. Es waren auch deutsche Firmen, die uns zum Beispiel bei der Ideengenerierung der Stellungnahme-Funktion unterstützt haben. Wir haben auch große Fürsprecher in der deutschen HR-Szene, die machen für uns das Marketing, indem sie Kununu als Beispiel an die Wand projizieren. Es ist auch so, dass in Deutschland die Webszene viel offener für Kooperationen, viel vernetzter ist.

Was ist die Strategie für Österreich? Wir nehmen Österreich mit. Wir werden Kooperationen schließen, vermutlich wird es auch eine Kooperation mit karriere.at geben. Es gibt wenige gute Kooperationspartner in Österreich und an die gehen wir langsam heran. Ich würde mir aber wünschen, auch aus patriotischen Gründen, dass die österreichischen Firmen aufwachen. Wenn man in österreichischen Firmen anruft, hört man meistens nur: »Kenn ich nicht, brauch ich nicht«. Ich würde mir einfach mehr Offenheit von österreichischen Firmen für das Thema erwarten.

Wie sieht es mit der Schweiz aus? Die Schweiz ist jetzt langsam im Kommen, da sind wir auch an Kooperationsgesprächen dran. Die Schweizer gelten von allen drei Nationen als die offensten, was Neues in HR und Personalmarketing betrifft. Aber in der Schweiz gibt es noch viel weniger Webszene als in Österreich.

Will Kununu noch in andere Länder expandieren? Kununu wird noch dieses Jahr in Englisch kommen. Das heißt aber nicht, dass wir expandieren, sondern wir eröffnen einfach nur die Möglichkeit. Aber falls Kununu expandiert, dann wird es nach Polen gehen.

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