Walter Hanus, IVM: "Wer jetzt kurzfristig denkt, wird zu den Verlieren zählen" Detail - Computerwelt

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22.04.2009 Michael Widter

Walter Hanus, IVM: "Wer jetzt kurzfristig denkt, wird zu den Verlieren zählen"

Walter Hanus, CEO von IVM, über Jobchancen in der Krise und Perspektiven für Absolventen nach der Krise.

Wie sehen derzeit die Job-Chancen für junge Techniker aus? Walter Hanus: Technische Berufe sind immer noch interessant und versprechen einen guten Job mit Zukunftsperspektiven. Natürlich muss die Industrie sparen, dennoch arbeitet sie auch jetzt an Innovationen und Entwicklungen für die nächsten Jahre. Denn es ist klar: Die Krise wird irgendwann ein Ende haben und dann stehen jene Unternehmen in der besten Startposition, die schon neue Produkte vorbereitet haben.

Unternehmen leiden seit Jahren unter Technikermangel – ist das nun anders? Der Technikermangel ist etwas geringer geworden, besteht aber weiterhin. Allerdings wählen die Unternehmen genauer aus und achten nicht nur auf ein gutes Studienergebnis, sondern auch auf Soft Skills und berufliche Erfahrungen. Wer solche Pluspunkte nicht mitbringt, hat es zurzeit etwas schwerer. Trotzdem ist die Technik auch heute noch besser aufgestellt als andere Bereiche der Wirtschaft. Interessante Aussichten bestehen auch im technisch orientierten Vertrieb.

Hat die wirtschaftliche Situation das Gehaltsniveau verändert? Hohe Gehaltsforderungen lassen sich jetzt schwieriger durchsetzen. Durch die Technikerlücke entstanden in den letzten Jahren manchmal überhöhte Gehaltsvorstellungen. Ich empfehle, anfangs keine übertriebenen Forderungen zu stellen, sondern sich mit einem soliden Einstiegsgehalt zufrieden zu geben und seine Karriere Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Man muss verstehen, dass auch die Industrie das Risiko hoher Gehälter zurzeit nicht tragen will und versucht, die technische Leistung günstiger einzukaufen. Für gute Leistungen bekommt man aber auch heutzutage ein schönes Gehalt.

Wo werden in naher Zukunft neue Job-Chancen entstehen? In den nächsten Jahren sind große Investitionen in Gesundheitswesen, Kraftwerke, Schiene und Straße zu erwarten. Für diese Aufgaben wird man Techniker brauchen. Wir als technischer Dienstleister merken die steigende Nachfrage bereits.

In welchen Sparten sind schlechtere Aussichten für Bewerber zu befürchten? Rückgänge wird es in den Kraftfahrzeug-Zulieferbetrieben geben. Die neuen Aufgabenfelder – Gesundheit, Kraftwerke, Schiene, Straße werden diese Rückgänge wettmachen. Die Krise bietet auch Chancen, so gewinnen Technologien zur Energieeinsparung stark an Bedeutung. Aber auch die Solartechnik, die Medizintechnik und die Automatisierung haben noch enormes Potenzial.

Wie schätzen Sie die Chancen für die Industrieunternehmen derzeit ein? Wer jetzt beginnt, kurzfristig zu denken, wird zu den Verlierern zählen. Man muss in langen Entwicklungszyklen rechnen. Diejenigen Unternehmen, die ihre Hausaufgaben gemacht haben und nicht allzu hoch verschuldet sind, die nach vorne blicken und eine klare Vision und Strategie besitzen, werden zu den Gewinnern gehören.

Werden Industrieprojekte weiterhin im großen Stil nach Osteuropa oder Asien ausgelagert? Teilweise denken die Unternehmen um. Wir als Engineering-Unternehmen spüren eine gewisse Rückbesinnung auf die hochwertige Arbeit der österreichischen Ingenieure, die sich durch ein fundiertes Wissen auszeichnen und eine geringe Fluktuation aufweisen. Die Billig-Lohn-Länder sind gar nicht mehr so billig, weil die Gehälter dort stark steigen und die Fluktuation sehr hoch ist, weitaus höher als bei uns. Das stellt die Industrie vor Probleme, der Aufwand für Einschulungen wächst enorm und das Projektmanagement wird immer schwieriger. Außerdem geben die Unternehmen ihre Kernkompetenz, ihr Know-how, ungern aus der Hand. Anders ist das bei lokalen Projekten im Osten wie Schnellstraßen, Bahnstrecken oder Kraftwerke. Bei Projekten, die dort vor Ort stattfinden, ist eine Wertschöpfung mit lokalen Fachkräften möglich.

Welchen Rat geben Sie AHS- oder HTL-Absolventen für die Wahl des richtigen Studiums mit? Ein junger Mensch sollte ungefähr die Richtung herausfinden, in die er oder sie will, und sich ein Bild machen, wie die Arbeitswelt in den möglichen Berufen aussieht. Dann folgt die Wahl der Ausbildung. Ein Universitätsstudium ist meines Erachtens nach wie vor an erster Stelle zu reihen. Möchte man auch andere Fähigkeiten erlernen, dann sind Fachhochschulen mit ihren vielfältigen Ausbildungen eine gute Wahl. Durch solche hybriden Ausbildungsmodelle wird man in keinem der Gebiete ein Top-Spezialist, gewinnt jedoch Vielseitigkeit.

Warum ergreifen immer noch so wenige Frauen einen technischen Beruf? Oft werden die klassischen Berufsbilder noch im Elternhaus geprägt und so kommt es immer wieder vor, dass Mädchen sich nicht für eine technische Karriere interessieren, weil die Eltern das ablehnen. Hier rate ich ganz einfach dazu, sich von den Wünschen der älteren Generation zu emanzipieren.

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