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22.04.2009 Michaela Holy

Österreichische Gehälter legen Vollbremsung hin

Henning Kagermann und Leo Apotheker sind nicht die einzigen Manager, die monatlich weniger Geld bekommen.

Nach fünf Jahren immer höherer Einkommenszunahmen hat das Jahr 2009 eine Trendumkehr beschert. Mit knapp über zwei Prozent erreicht die aktuelle Gehaltssteigerung nicht einmal die Hälfte des Vorjahres.

"Im Rückblick des Jahrzehnts können wir dennoch zufrieden sein: Insgesamt ist der Trend der Gehaltszunahmen seit 2000 klar steigend. Die Vorschau prophezeit aber auch für die Jahre 2010 und vielleicht auch 2011 nur schwach wachsende Einkommen", erklärt Bruno Gangel, Personalberater von C2X Human Strategy und Autor des jährlich erscheinenden Gehaltshandbuchs "Österreichs Gehälter".

Beeindruckend findet Gangel, dass sich das aktuelle Gehaltswachstum innerhalb nur eines Jahres mehr als halbiert habe. Dabei würden nicht einmal alle Unternehmen mitziehen. Die Spreizung der Erhöhungen sei heuer besonders hoch – diese reiche von Nulllohnrunden bis zu vier Prozent plus in Einzelfällen. »Die geänderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben besonders Führungskräfte auf allen Ebenen und Vertriebspositionen zu spüren bekommen. Viele Unternehmensziele wurden 2008 nicht erreicht und diese Misserfolge haben sich über die variablen Gehaltsmodelle auf die Einkommen ausgewirkt«, so Gangel. Die tatsächlich ausgezahlten Prämien haben sich gegenüber dem Vorjahr mehr als halbiert. Das hat Verkaufsfunktionen hart getroffen und beim obersten Management zu Einkommensreduktionen geführt.

ZIELE VERFEHLT Noch selten wurden so deutlich von so vielen Unternehmen die gesteckten Ziele im Endspurt verfehlt. "Da ist es kein Wunder, dass die tatsächlich erreichten variablen Gehaltsanteile dramatisch eingebrochen sind. Auf ein Alltime-High folgt in direkter Folge ein Alltime-Low", erklärt Gangel. Besonders getroffen hat es die obersten Führungskräfte und den Vertrieb: Vorstände und Geschäftsführer konnten nur mehr 43,2 Prozent ihres variablen Einkommens erzielen (2008: 81,6 Prozent), Vertriebsmitarbeiter 47,6 Prozent (nach 71,5 Prozent). Aber auch Bereichsleiter (58 Prozent nach 79,8 Prozent) und Abteilungsleiter (59,5 Prozent nach 80,4 Prozent) mussten heftig Kasse lassen. "Besonders schlimm: In vielen Fällen werden akontierte, zu hohe Zahlungen wieder rückerstattet werden müssen. Die Ziele 2009 sind inzwischen bescheidener in den Budgets – da werden auch so manche variable Zielmarken nachgeben", so Gangel weiter.

Eine aktuelle Kienbaum-Studie "Vergütung von Führungskräften in Westeuropa" zeigt, dass es nach ihren Berechnungen für österreichische Geschäftsführer einen Zuwachs der Grundgehälter von 3,8 Prozent gab. Damit würde Österreich geringfügig über dem Niveau des Vorjahres liegen: 2008 wuchsen die Gehälter um 3,7 Prozent. Mit Jahresgesamtbezügen von 484.000 Euro befinden sich Österreichs Manager im europäischen Spitzenfeld: Am besten verdienen britische Vorstandschefs. In Unternehmen mit mehr als tausend Mitarbeitern verdienen sie im Jahr 585.000 Euro. Wie Gangel kommt die Kienbaum-Studie zu einer Trendumkehr bei variablen Gehältern: 2007 kamen noch 42 Prozent des Einkommens eines Managers – untersucht wurden Unternehmen bis tausend Mitarbeiter – aus der variablen Vergütung, 2008 waren es nur mehr 39 Prozent.

Ein Beispiel für die sinkenden Einkommen sind die Vorstandschefs des größten europäischen Softwareherstellers SAP, Henning Kagermann und Leo Apotheker. Sie haben 2008 rund 16 Prozent weniger verdient als ein Jahr zuvor. Die Bezüge der beiden sind von knapp zehn Millionen Euro auf rund 8,4 Millionen Euro gesunken, wie aus einer SAP-Pflichtmitteilung an die amerikanische Börsenaufsicht SEC hervorgeht.

DIE KERNAUSSAGEN DES GEHALTSHANDBUCHS - Nach fünf Jahren immer höherer Einkommenszuwächse bringt 2009 einen herben Rückschritt. Die Reaktionen der Unternehmen auf die Krise sind spezifisch und wohlüberlegt und so in den individuellen Maßnahmen breit gestreut. - Nicht überall ist die Maßnahmen-Exekution im gleichen Stadium; Momentaufnahmen können daher gefährlich und irreführend sein. - Es gibt ein uneinheitliches Bild über alle Branchen und Unternehmen: Die Bandbreite reicht von Nulllohnrunde bis zu Erhöhungen im Bereich von fast fünf Prozent. - Viele Unternehmensziele wurden 2008 verfehlt. Die Auswirkungen auf die Einkommensmodelle sind unmittelbar und direkt: Variable Gehaltsanteile haben dramatisch verloren. Am deutlichsten betroffen: Vertrieb und obere Führungskräfte. - Die Gehaltshype mancher Funktionen aus 2008 wurde wieder "hinausgepreist" und zurückgenommen.

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