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17.10.2012 :: Printausgabe 21/2012 :: Christof Baumgartner +Premium Content

Europaweite Strategien gesucht

Die europäische IKT-Industrie läuft Gefahr an Bedeutung zu verlieren und sollte auf Bereiche wie B2B und Services bauen. Auch bei Forschung und Ausbildung fehlt es an Zusammenarbeit.

© AT&T





In der weltweiten IKT-Branche dominieren amerikanische und asiatische Unternehmen. Spitzenreiter sind die USA, die ihre umfassende Innovationskraft in die Waagschale werfen, gefolgt von asiatischen Unternehmen, die mit ihren günstigen Produktionsstandorten punkten. In der Folge wandern auch die Jobs in das nicht-europäische Ausland. Europa verliert im globalen IKT-Markt an Relevanz, die Umsätze werden woanders gemacht. Diese Entwicklung ist bedenklich, weil IKT-Produkte für Kernindustrien wie die Automobilindustrie oder der Maschinenbau eine enorme Bedeutung haben. Ohne innovative IKT-Lösungen wird es schwieriger, sich im globalen Wettbewerb Alleinstellungsmerkmale zu erarbeiten. Aber Unternehmen sind zunehmend auf nicht-europäische Hightech-Lieferanten angewiesen, sowohl in der Produktion, als auch in der Entwicklung. Das sind die ernüchternden Ergebnisse einer Studie von A.T. Kearney.

Das Beratungsunternehmen hat für ihre Studie den IKT-Bereich in neun Segmente eingeteilt: IT-Dienstleistungen, IT-Hardware, Computer und Notebooks, Software, Telekommunikationsequipment, mobile Telefongeräte, Unterhaltungselektronik, Halbleitertechnologie und elektronische Bauelemente. Der weltweite Gesamtumsatz betrug 2011 2,8 Billionen Dollar (rund 2,24 Billionen Euro). 815 Milliarden Dollar (rund 629,5 Milliarden Euro) entfielen auf den Bereich IT-Dienstleistungen. Auf Platz zwei und drei folgen die Unterhaltungselektronik und Halbleiterindustrie. A.T. Kearney schätzt, dass nur etwa 24 Prozent des gesamten globalen IKT-Umsatzes noch in Europa erbracht wurden.

DREI MILLIONENE ARBEITSPLÄTZE IN EUROPA
Dabei arbeiten in Europa mehr als drei Millionen Menschen in dieser Branche. Aber vor allem in der Produktion ist Westeuropa den viel günstigeren Märkten in Osteuropa und Asien unterlegen, da man mit dem dortigen, niedrigen Lohnniveau nicht mithalten kann. Deshalb sieht A.T. Kearney für Europa im Bereich der Unterhaltungselektronik keine signifikanten Wachstumschancen. Künftig werden aber vor allem die außereuropäischen Märkte auch im Bereich Forschung und Entwicklung weiter aufholen. So bilden Länder wie China, Korea oder Taiwan sehr viel mehr neue Fachkräfte in den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technologie) aus als die meisten europäischen Staaten. Selbst die USA, welche vergleichbare Ausbildungszahlen wie Europa haben – ca. zehn Prozent der Studenten sind in MINT-Fächern eingeschrieben – werden zukünftig besser aufgestellt sein als Europa, da sie durch eine gezielte Einwanderungspolitik den Bedarf an Fachkräften kompensieren können. Falls es Europa nicht gelingt, sich wieder stärker im IKT-Markt zu positionieren, besteht die Gefahr, dass neben den produktionsorientierten Jobs auch Aufgaben in der Forschung und Entwicklung sowie im Servicebereich noch stärker nach Asien verlagert werden.

UNGENUTZTE POTENZIALE
Aber noch ist Europa nicht verloren. Die Berater von A.T. Kearney verweisen auf viele ungenutzte Potenziale, die zu einem Auftrieb führen könnten. Vor allem im B2B-Bereich und in serviceintensiven Bereichen sei die europäische Industrie gut aufgestellt. Zukünftig müssten die einzelnen Staaten jedoch mehr paneuropäische Strategien verfolgen, damit bestehende Unternehmen und Forschungseinrichtungen zu größeren Clustern zusammengeschlossen werden. Ferner sollten nichtprofitable Segmente zu Gunsten von zukunftsfähigen Bereichen aufgegeben werden. Es ist Aufgabe der europäischen Regierungen und EU-Institutionen, die Startups im Hightech-Bereich finanziell besser zu unterstützen, indem man etwa den Venture-Capital-Sektor nachhaltig fördert und Startup-Investitionen attraktiver gestaltet. Die Unterstützung sollte sich dabei aber nicht auf Starthilfe beschränken, sondern auch das Wachstum und die Internationalisierung finanzieren. Weiters sollte auch das Coaching und die gesamte Ausbildung von neuen Fachkräften weiter intensiviert und marktnäher durchgeführt werden. Auch die Werbung von Fachkräften aus dem Ausland ist für Europa in Zukunft ein gangbarer Weg. Die schwierige Rohstoffsituation sollte durch neue Abkommen mit rohstoffreichen Nationen und durch das Recycling von vorhandenen Materialien gesichert werden. Gerade im Bereich Recycling sei Europa schon sehr weit. (cb)

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