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Business Angels als Alternative zum Bankkredit

Wenn junge Techniker etwas Neues entwickelt haben und sich auf die Suche nach Geldgebern machen, haben sie bei klassischen Banken kaum eine Chance. Hier können sogenannte Business Angels einspringen, private Unternehmer, die sich idealerweise im Metier auskennen und an die Idee glauben.

Wenn die Bank trotz eines vielversprechenden Projekts den Geldhahn nicht aufdrehen will, kommen Business Angel zu Hilfe.

Wenn die Bank trotz eines vielversprechenden Projekts den Geldhahn nicht aufdrehen will, kommen Business Angel zu Hilfe.

© apa

Business Angels gibt es auch in Österreich nicht so wenige. Am Donnerstag findet in Wien eine Branchenkonferenz mit mehr als 120 Investoren statt. "Bei uns melden sich im Jahr rund 600 Gründer. 90 Prozent sind aber nicht geeignet für Investoren", sagte Bernd Litzka vom austria wirtschaftsservice (aws). Die restlichen - vielversprechenden - zehn Prozent jedoch werden dann zum Beispiel in die aws-"Börse" i2 aufgenommen, eine Vermittlungsplattform zwischen Start-ups, die Eigenkapital brauchen, und privaten Investoren.

Seit der Gründung 1997 haben Business Angels, das Gros davon aus Österreich, mehr als elf Millionen Euro in 73 Firmengründungen investiert. Der typische "Engel" lässt einen Betrag zwischen 100.000 und 300.000 Euro springen ist selbst ein Unternehmer mit technologischem Know-how. Die meisten Projekte, die i2 vermittelt, sind aus den Bereichen Physik und Elektrotechnik (27 Prozent), IT, Internet sowie Maschinenbau (je 17 Prozent). "Unsere Projekte sind sehr technologielastig", so i2-Leiter Litzka. Das sogenannte Crowd Funding, das seit dem Streit zwischen dem "Waldviertler"-Schuhhändler Heini Staudinger mit der Finanzmarktaufsicht (FMA) in aller Munde ist, sei für derlei Start-ups daher wenig geeignet. "Das sind keine banalen Dinge. Die kann ich der Crowd nicht kommunizieren." Crowd Funding, also das Einsammeln von Geldern bei Freunden und Bekannten, funktioniere eher bei klassischen Konsumprodukten. "Was wir unterstützen, sind hochinnovative Ideen, die weltweit vielleicht drei bis vier Leute verstehen."

Auch auf Bankkredite können Technologie-Start-ups meist nicht bauen. "Ohne Besicherung sind die nicht bereit zu finanzieren", so Litzka. "Banken sind in den letzten drei, vier Jahren vorsichtiger geworden", meinte auch aws-Geschäftsführer Bernhard Sagmeister. Diese Zurückhaltung spürten vor allem Neugründungen, wenngleich es insgesamt keine Kreditklemme gebe. "Bei Folgeinvestitionen läuft es gut", so Litzka. Ziel des aws, das ja auch staatliche Fördermittel verteilt, ist es, vermehrt auch private Investoren an Land zu ziehen. "Geld gibt es genug", ist Sagmeister überzeugt. 

Noch ist Risikokapitalmarkt in Österreich überschaubar. Im Fondsbereich (Venture Capital, Private Equity) "ist Österreich fünf- bis zehnmal schwächer als die USA oder Großbritannien"; zu Business Angels lägen keine Daten vor, so Sagmeister. Woran das liegt? Österreichische Firmen stünden immer noch in einer starken Familientradition, viele wollten keinen fremden Investor hereinlassen. Auch Unternehmer, die Geld haben, seien hierzulande nicht allzu risikobereit. Und: In Österreich gebe es wenige steuerliche Anreize für Eigenkapital. "In anderen EU-Ländern ist der Exit steuerlich begünstigt", sagte Litzka.


Die Wahrscheinlichkeit, dass es überhaupt zu einem erfolgreichen Exit kommt, ist freilich sehr gering. Allgemein gilt laut Sagmeister: "Von zehn fallen drei bis vier gänzlich aus. Ein bis zwei verdienen das gesamte Kapital zurück." Aber selbst wenn ein Business Angel einen "Blockbuster" gefunden hat, kann es dauern, bis sich das Investment auszahlt. "Da gibt's keine schnelle Rendite", so Litzka. Die Softwarefirma Symena zum Beispiel sei heuer für einen "namhaften Betrag" nach Großbritannien verkauft worden - neun Jahre nach dem Einstieg eines Investors und elf Jahre nach der Gründung. In so einem Fall können sich Investoren über einen ordentlichen Geldregen freuen: Bei zehn Prozent der i2-Beteiligungen ist die Rendite höher als 100 Prozent, bei 30 Prozent höher als 50 Prozent.

Um das ganze auch von staatlicher Seite ein bisschen anzutreiben, wird im Jänner 2013 ein Business-Angel-Fonds vorgestellt, der mit 22,5 Mio. Euro an öffentlichen Mitteln dotiert ist, so Sagmeister. Diese Mittel werden vom aws an Business Angels vergeben, die dann in Start-ups investieren. Die Auflage: Für jeden Euro aus dem Fonds müssen sie einen Euro privates Kapital dazuschießen. Der heutige "Business Angels Day" in der Wiener Albertina wird vom aws und von den akademischen Gründerzentren AplusB (Academia plus Business) veranstaltet.

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