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Amazon wegen Leiharbeit unter Beschuss

Der Internet-Versandhändler Amazon ist in Deutschland wegen der Arbeitsbedingungen in seinen Versandzentren in die Kritik geraten. Auslöser war eine ARD-Dokumentaion über den Alltag tausender Leiharbeiter, die von Spanien oder Polen nach Deutschland kommen und dort viel weniger verdienen als erhofft.

Der Internet-Versandhändler Amazon ist in die Kritik geraten.

Der Internet-Versandhändler Amazon ist in die Kritik geraten.

© apa

Für die Rekrutierung der Beschäftigten ist unter anderem die österreichische Firma Trenkwalder zuständig. Die ARD-Doku hat in Deutschland Politiker sogar auf den Plan gerufen. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) forderte in der "Welt am Sonntag" Aufklärung. "Der Verdacht wiegt schwer, deswegen müssen jetzt so schnell wie möglich alle Fakten auf den Tisch", wird sie zitiert.

Eine Sonderprüfung laufe, in Kürze werde der Bericht vorliegen. Die Ministerin drohte der betroffenen Firma sogar mit Lizenzentzug. "Sollte die Sonderprüfung ergeben, dass an den Vorwürfen gegen die Leiharbeitsfirma etwas dran ist, dann steht die Lizenz auf dem Spiel."Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) forderte nach Angaben der Staatskanzlei in Wiesbaden Aufklärung. Die Landesregierung sei für den Fall nicht zuständig, werde aber die Arbeit der zuständigen Bundesagentur verfolgen.

Die ARD-Sendung hatte die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern am hessischen Amazon-Standort Bad Hersfeld gezeigt. Für das Weihnachtsgeschäft wurden demnach Leiharbeiter aus dem Ausland in Deutschland in überbelegten Ferienhäusern untergebracht und mussten teils mehrere Stunden warten, bevor sie in Bussen von ihrer Arbeitsstätte zurück in die Unterkunft gekarrt wurden. Sie hätten auch nicht den versprochenen Lohn erhalten, die Sozialbeiträge für die Beschäftigten seien nicht korrekt abgeführt worden.

Zudem berichteten die Autoren des ARD-Beitrags im Hessischen Rundfunk, die ausländischen Arbeitnehmer seien von dem Sicherheitsdienst H.E.S.S. auf Schritt und Tritt kontrolliert worden. Die Firma, die in ihrer Abkürzung den gleichen Namen wie Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess trägt, soll demnach Kontakte in die Neonazi-Szene haben. Mitarbeiter hätten neonazi-typische Kleidungsmarken getragen und der Geschäftsführer der Firma zeige sich auf Fotos im Internet mit verurteilten Rechtsextremen, so die ARD-Journalisten. H.E.S.S. erklärte in einer Stellungnahme, es sei ein politisch und weltanschaulich neutrales Unternehmen und weise Verbindungen zum Rechtsextremismus zurück.

Im Hessischen Rundfunk berichtete die Autorin des ARD-Beitrags, Diana Löbl, weiter, die ausländischen Arbeitnehmer würden sich nicht beschweren. "Ein Gewerkschaftssekretär sagte zu uns, die Leiharbeiter seien faktisch rechtlos." Sie lebten nur für einige Wochen in Deutschland, die Arbeitsbedingungen seien ihnen auch ziemlich egal. Co-Autor Peter Onneken sagte: "Die Leiharbeiter tauchen auch in unserem Alltag nicht auf, etwa in einer Fußgängerzone. Sie leben in Feriendörfern, die im Winter sonst völlig verwaist wären. Es ist, als wären sie gar nicht da."

Amazon erklärte in der "Welt am Sonntag", das Management gehe jedem bekannt gewordenen Vorfall nach und sorge nach Bedarf für Verbesserungen. Im selben Blatt erklärte der für Amazon zuständige Vertreter der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Heiner Reimann, Amazon sei so schnell gewachsen, dass das Unternehmen mit der nötigen Infrastruktur nicht nachgekommen sei: "Toiletten, Kantinen, die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr: Alles ist dieser schieren Masse zusätzlicher Menschen nicht gewachsen."

Nach Angaben von Amazon verdienen alle Mitarbeiter, die länger als ein Jahr in den Amazon-Logistikzentren in Deutschland arbeiten, mehr als zehn Euro brutto in der Stunde; im ersten Jahr mehr als 9,30 Euro brutto, so die "Frankfurter Allgemeinze Zeitung" (FAZ). Die in dem Fernsehbeitrag erwähnten Mitarbeiter aus Spanien, die über Trenkwalder beschäftigt wurden, verdienten nach diesen Angaben bei einer 37,5-Stunden-Woche 1.400 Euro brutto im Monat, in der Nachtschicht bei 32,5 Wochenstunden 1.500 Euro im Monat. Diese Beträge seien auch dann bezahlt worden, wenn von Amazon nicht die volle vertragliche Stundenzahl angefordert wurde, so die Zeitung.

Der Chef des deutschen Zeitarbeit-Branchenverbandes BAP, Volker Enkerts, teilte indes mit, kein Mitgliedsunternehmen sei im Fall Amazon für Unterbringung und Verpflegung der Arbeitnehmer verantwortlich gewesen. Auch sei von keinem BAP-Mitglied die Sicherheitsfirma H.E.S.S. beauftragt worden. Der BAP distanziere sich auf das Schärfste von den dargestellten Arbeitsbedingungen.

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