Beweisverfahren im Telekom-Prozess eröffnet Beweisverfahren im Telekom-Prozess eröffnet - Computerwelt

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18.02.2013 Rudolf Felser/apa

Beweisverfahren im Telekom-Prozess eröffnet

Im Telekom-Prozess rund um die Kursaffäre aus dem Februar 2004, in der frühere Telekom-Austria-Vorstände auf der Anklagebank sitzen, ist am Montag das Beweisverfahren eröffnet worden. Gernot Schieszler, der den Kronzeugenstatus anstrebt, belastete die Ex-Vorstände Rudolf Fischer und Stefano Colombo. Ex-Generaldirektor Heinz Sundt wurde hingegen entlastet. Auch der Name von Ex-TA-Chef Boris Nemsic ist wieder in den Medien aufgetaucht, wenn auch in anderen Fällen.

Gernot Schieszler

Gernot Schieszler

© APA

Als erster Zeuge am vierten Verhandlungstag wurde Gernot Schieszler befragt, der die Kronzeugenstellung anstrebt und deswegen nicht auf der Anklagebank sitzt. Schieszler hat den inkriminierten Sachverhalt rund um Korruption und Kursmanipulation im Zuge der Ermittlungen umfassend geschildert. Ob er den Kronzeugenstatus erhält und damit einer Anklage entgeht ist noch nicht endgültig entschieden.

Ex-Generaldirektor Heinz Sundt, Ex-Vorstand Rudolf Fischer und Stefano Colombo sind wegen Untreue angeklagt, ihnen drohen bis zu 10 Jahren Haft. Auch der frühere Telekom-Prokurist Josef Trimmel und Euro Invest-Broker Johann Wanovits sitzen auf der Anklagebank. Schieszler begann im Jahr 2000 als Assistent des nun angeklagten Ex-Telekom-Finanzvorstands Stefano Colombo, war zum Zeitpunkt der Kursmanipulation 2004 Controlling-Chef und wurde später selber Vorstand. Gegen ihn ist nach wie vor ein Strafverfahren anhängig, er wurde aber nicht angeklagt. Schieszler hat laut Anklage "eine Kronzeugenregelung in Aussicht gestellt bekommen", präzisierte der Richter. Dafür müsse er aber alle Voraussetzungen erfüllen

Fischer hat ein Teilgeständnis abgelegt, die anderen vier Angeklagten bestreiten die Vorwürfe und erklärten sich für nicht schuldig. Im Verlauf der Verhandlung hat Schieszler Sundt entlastet. Dessen Vorstandskollegen Fischer und Colombo belastete er schwer. Sie hätten das "Go" gegeben, den Aktienkurs über die Schwelle von 11,70 Euro zu heben. Knapp 100 Telekom-Managern brachte das eine Bonuszahlung ein.

WAS GESCHAH
Schieszler schilderte ausführlich die damaligen Ereignisse aus seiner Sicht: Die Entwicklung des Kurses als Basis für ein Bonusprogramm war im Februar 2004 das zentrale Thema im Vorstand, leider habe es sich nicht so entwickelt wie das im Management gewünscht war. Daraufhin sei der Prokurist Trimmel auf ihn zugekommen, und habe gesagt, er kenne einen Broker, der vielleicht helfen könne. Diese Info habe er an "seine" Vorstände Fischer und Colombo weiter geleitet und sich daraufhin mit Trimmel und mit Invest-Broker Wanovits in Wien getroffen.

Wanovits hätte sich bei dem Treffen bereit erklärt, den Kurs über die Schwelle von 11,70 Euro zu heben, so Schieszler. Dafür hätte er 1,5 bis 2 Mio. Euro verlangt. Fischer und Colombo hätten darauf ihre Zustimmung zu dem Deal gegeben, berichtet Schieszler weiter. Mit Sundt habe er darüber nie gesprochen, der Name sei in der Angelegenheit auch nie gefallen. Sowohl Colombo als auch Fischer bestreiten die Vorwürfe.

Ohne Quittung und ohne Rechnung erhielt Wanovits 2004/05 bei drei Geldübergaben Hunderttausende Euro (laut Wanovits rund 600.000 Euro), mit denen sich die Telekom-Eingeweihten für die "Kurspflege" des Brokers erkenntlich zeigten.

Die Telekom musste das Geld in ihrer Buchhaltung irgendwie verbuchen, daher wurde für eine Osteuropa-Studie, die schon im Konzern bestand, der Lobbyist Hochegger eingebunden. Ein Scheinauftrag an dessen Gesellschaft Valora erging über 1,5 Mio. Euro - unterschrieben von Fischer. Diesen habe er vorher zum Finanzvorstand Stefano Colombo geschickt, "sonst hätte er das nicht gemacht", meinte Schieszler.

Nach drei Bargeldübergaben 2004/2005 passierte drei Jahre lang nichts, im Jahr 2008 sei Wanovits aber wieder gekommen und habe das restliche Geld gewollt. Er hätte Wanovits direkt zu Hochegger geschickt. Was diese dann vereinbart hätten, war ihm egal, so der Ex-Telekom-Controller.

NEMSICH NICHT AUS DEM SCHNEIDER
Im laufenden Prozess wegen Kursmanipulationen ist der frühere Telekom-Austria-Chef Boris Nemsic zwar aus dem Schussfeld - ganz aus dem Schneider ist Nemsic aber noch nicht, schreibt "Der Standard". Nemsic werde in drei von aktuell sieben Telekom-Verfahren als Beschuldigter geführt. Dabei geht es im Zusammenhang mit dem Erwerb des weißrussischen Mobilfunkers Velcom und vermuteten Schmiergeldzahlungen um den Verdacht der Untreue und falschen Rechnungslegung.

Illegale Parteienfinanzierung vermuten laut Zeitung die Ermittler bei der Anmietung des Burgtheaters während der Fußball-EM 2008 über das SP-nahe Echo Medienhaus. Wegen des Verdachts der Untreue bzw. Beitragstäterschaft werde hier gegen Nemsic, aber wie bekannt u.a. auch gegen den jetzigen Telekom-Chef Hannes Ametsreiter ermittelt, erinnert "Der Standard".

In der dritten Causa, die Nemsic noch nachhängt, geht es dem Bericht zufolge um den Verdacht auf Amtsmissbrauch bei einem Kartellverfahren, bei dem das Bußgeld von 7,2 auf 1,5 Mio. Euro reduziert wurde. Alle Betroffenen weisen sämtliche Vorwürfe zurück, es gilt die Unschuldsvermutung. (apa/rnf)

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