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12.10.2017 Klaus Lorbeer/pi

DIMCA: "Die Blockchain wird die Welt revolutionieren"

Das Bundesrechenzentrum (BRZ) veranstaltete Anfang Oktober gemeinsam mit der Oesterreichischen Kontrollbank (OeKB) ein DIMCA-Netzwerk-Treffen (Digital Information Management Community Austria=DIMCA)zum Thema "Blockchain-Technologie in der öffentlichen Verwaltung".

Matthias Lichtenthaler, Bereichsleiter Digitale Transformation im BRZ

Matthias Lichtenthaler, Bereichsleiter Digitale Transformation im BRZ

© BRZ

Bei dem DIMCA-Event am 5. Oktober sprachen Experten aus Recht, Verwaltung und Wirtschaft zu ihren Erfahrungen, Erwartungen und Anforderungen an die Blockchain-Technologie und kamen zu dem Schluss: Die Verwaltung kann enorm von der Blockchain profitieren, es braucht aber neue rechtliche Grundlagen, um die Potenziale zu realisieren. 

Transparent und sicher
Mit der Blockchain-Technologie könnten viele Prozesse abgesichert durchgeführt werden - transparent und fälschungssicher. Wo lässt sich eine Blockchain in der Verwaltung sinnvoll einsetzen? "Das BRZ versteht sich bei den DIMCA-Workshops als Enabler, der den Anstoß zu neuen Lösungen gibt, die dann mit neuesten Technologien wie eben der Blockchain entwickelt werden können", führt Matthias Lichtenthaler, Bereichsleiter Digitale Transformation im BRZ, aus. "Es gibt Anwendungsfälle, die uns ohne die Blockchain-Technologie niemals eingefallen wären und solche, die ohne Blockchain nicht umsetzbar wären."

Anwendungsbeispiele für die Blockchain
Das BRZ beispielsweise testet derzeit Konzepte zur E-Zustellung auf Basis der Blockchain. Heinrich Pfriemer, SAP Österreich, stellt einige weitere Anwendungsfälle in der Verwaltung vor, darunter ein Register von Universitätszeugnissen sowie Beneficiary Tracking (Nachverfolgung von Geldleistungen) für die UNO. Die OeKB hat die neue Technologie bereits in einem Konzept geprüft und eingesetzt. Heinz Wachmann, Geschäftsführer OeKB Business Services, meint: "Eine Blockchain bietet die Chance, zahlreiche Prozesse, die hinter den Kapitalmarkttätigkeiten stecken, noch effizienter, kostengünstiger, sicherer und rascher durchzuführen." Aber auch für die Bürger könnte die Blockchain Nutzen bringen: Eine elektronische Dokumentenmappe sowie die Kreation einer sicheren digitalen Identität, sind Konzepte, die derzeit geprüft werden. "Planen und Bauen von Anlagen einerseits, Nutzen und Betreiben andererseits, sind heute meist nicht optimal verknüpft", erläutert Ernst Heger, CIO, ÖBB Infrastruktur AG. "Die Blockchain ist eine der Technologien, die helfen kann,  diese Lücke zu schließen. Sie kann ein Optimierungspotenzial aufgrund einer integrierten Datenkette bieten." Smart-Contracts, selbstausführende Verträge, sind ein weiterer Anwendungsfall, der einen bisher notwendigen Intermediär (z.B. Notar) ausschließt. Rechtlich sind hier noch viele Fragen offen wie Ines Freitag, CMS Reich-Rohrwig Hainz Rechtsanwälte GmbH, erklärt: "Ein Smart-Contract ist weder smart, noch ein Vertrag, er ist zuvorderst Software. Er enthält meist nur die Hauptleistung und keine sonstigen Regelungen, d.h. je komplexer ein Smart-Contract, desto mehr Lücken und Fehler kann er aufweisen." Es wird daher in vielen Fällen immer noch ein Gericht brauchen, um Recht durchzusetzen.

Diskussion zum Abschluss
An der anschließenden Diskussion nahm auch Christian Piska, Professor für Staats- und Verwaltungsrecht, teil. Er sieht die Blockchain als Chance, "die Welt zu revolutionieren und sinnlose Kommunikationsstrukturen obsolet zu machen." Es sind aber noch viele Fragen offen. Einerseits in welchem rechtlichen Rahmen Blockchain zu setzen ist, andererseits auch der Umgang mit enormen, unveränderbaren Datenmengen. Das Recht auf Löschung von Daten kann ein Hindernis für den Einsatz von Blockchain sein. Nicht zuletzt ist die Sicherheit auch bei dieser Technologie ein Thema: an den Schnittstellen und am Front-End bestehen immer Risiken.

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