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24.02.2012 :: Printausgabe 04/2012 :: Christof Baumgartner

Man muss nur visionärer denken!

Die Telekom Austria Group hat Mitte des vergangenen Jahres ein Tochterunternehmen gegründet, dass sich auf Machine-to-Machine (M2M)-Kommunikation spezialisiert. Dem Bereich wird für die nächsten Jahre ein rasantes Wachstum prophezeit.

Der Telekommunikationsmarkt hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Neue Technologien oder Geschäftsmodelle tauchten auf und haben sich inzwischen etabliert. Das Thema Machine-to-Machine (M2M) ist zwar nicht neu, gewann aber erst in den letzten zwei Jahren einigermaßen an Fahrt. Laut Experten sollen bis 2020 bis zu 50 Milliarden Geräte miteinander verknüpft sein. Darum ist es nicht überraschend, dass sich auch die Telekom Austria Group (A1) intensiv mit diesem Thema beschäftigt. Mitte 2011 wurde sogar ein eigenes Tochterunternehmen, die Telekom Austria Group M2M, gegründet. Managing Director und Head of Finance Bernd Liebscher spricht im Interview mit der COMPUTERWELT darüber, was M2M kann und wie er den Markt einschätzt.

Was steckt hinter M2M? Ist es nicht nur ein weiterer Hype? Bernd Liebscher:M2M ist eines der aktuell spannendsten IKT-Geschäftsfelder, das es allerdings seit 15 Jahren gibt. Es ist somit nicht ganz neu, aber erst in den letzten Jahren ist die Technologie reif genug geworden, um sie auch in der Praxis realisieren zu können. Der Telekommunikationsmarkt ist sehr weit entwickelt, was die Basisprodukte betrifft. Im Mobilfunk ist man in Österreich bei einer Penetration von 150 Prozent. Die Wachstumsbereiche sind für Telekommunikationsunternehmen daher auf gewisse Säulen beschränkt. Das sind Themen wie Unified Communications (UC), IT-Outsourcing oder auch M2M. Man hat erkannt, dass der Markt ein großes Potenzial hat. Wir hatten 2011 Wachstumsraten im Bereich von 50 Prozent und jetzt wird das Thema von vielen Stellen aufgenommen.

Was kann M2M? Generell geht es bei M2M um die Anbindung von Devices an zentrale Applikationen um damit etwas anzusteuern, zu lokalisieren, zu warten oder auszulesen. M2M ist dabei nie Selbstzweck sondern Teil der Gesamtlösung. Der Mehrwert und Kundennutzen liegt darin, dass Prozesse effizienter und neue Geschäftsmodelle möglich werden aber auch in der Erfüllung rechtlicher Rahmenbedingungen wie bei Smart Metering oder E-Call. Wir haben eine Technologie aufgebaut, um die Masse an SIM-Karten sowie auch die Geräte in denen diese SIM-Karten stecken, durch unsere Kunden direkt verwaltbar zu machen.

Gibt es dafür Beispiele? Einer unserer größten Kunden ist der Navigationsspezialist Tomtom. In den Geräten stecken SIM-Karten, die über eine Plattform verwaltet und über die die Geräte auch serviciert werden. Eine weiterer Anwendungsbereich sind Gasthermen und Wärmepumpen. Die Hersteller gehen dazu über, dass sie Servicemodelle anbieten. In den Thermen werden M2M-Module eingebaut, die sich im Störfall selbsttätig beim Kundendienst melden und bevor der Kunde merkt, dass etwas nicht stimmt, bekommt er einen Anruf von der Servicestelle, um einen Termin zu vereinbaren. Weitere Bereiche sind zum Beispiel Transport und Logistik, das Gesundheitswesen, Unterhaltungselektronik, Bezahl- und Automatensysteme im Einzelhandel, Sicherheit und Industrieautomatik. Möglichkeiten gibt es genug, man muss nur visionärer denken.

Welche Infrastruktur wird dafür benötigt? Im Grunde kann man dafür bestehende Ressourcen nutzen. Zusätzlich ist M2M kostengünstig. Es wird bald Hardware-Module geben, die sich im Bereich von rund fünf Euro bewegen. Ein weiterer Punkt ist die Serviceverfügbarkeit, die bei vielen Funktionen sehr kritisch ist, wie zum Beispiel bei einem Stromzähler.

Und A1 gibt die SIM-Karte in die Geräte und stellt das Netz zur Verfügung? Das ist zu einfach ausgedrückt. In Wirklichkeit steckt viel mehr dahinter. Bei M2M spielt die Verwaltbarkeit im Sinne von Analysetools, Kontrolle oder Reporting eine zentrale Rolle – dafür haben wir eine eigene IT-Plattform aufgebaut. Dazu kommt Beratungs- und Umsetzungsleistung. Wir haben ein Team, das aus Prozessexperten für die einzelnen Industrien besteht. Der Übertragungsteil ist nur ein Bestandteil einer Gesamtlösung. Um diese verkaufen zu können müssen wir in den einzelnen Industrien verstehen, wie die Prozesse ablaufen, um dort auch beratend tätig sein zu können und um herauszufinden, wie man Sachen effizienter machen kann. Und mit dem großen Konzern im Hintergrund verfügen wir über Ressourcen, die von großen Mehrwert sein können. Wir haben also die Kompetenz der Datenübertragung, die Prozesskompetenz und wir verbinden das mit der Lösungskompetenz mit unseren Partnern. lich sehr wichtig ist.

Wie beurteilen Sie die Wachstumschancen? Die Steigerungsraten sind momentan sehr stark und wir gehen davon aus, dass es so bleiben wird. Wir schätzen, dass in den Ländern, wo wir eigene Netzinfrastrukturen haben, bis 2015 rund zehn Millionen Geräte über M2M angebunden sein werden. Und wir bemühen uns, dass wir den Löwenanteil davon gewinnen können. Darüber hinaus sind wir auch international tätig.

Welche Investitionen tätigt A1 im Bereich M2M? Die Telekom Austria Group hat ein Kompetenzzentrum für M2M gegründet, das für alle Landesniederlassungen zuständig ist. Weiters bauen wir eine eigene Corenetz-Infrastruktur für M2M auf, um die Datensicherheit zu erhöhen. Und wir haben eine dezidierte Managementplattform, die ermöglicht, dass Kunden ihre Verbindungen selber verwalten können.

Was differenziert sie von anderen Anbietern? Wir haben ein eigenes Tochterunternehmen geschaffen, das unternehmerische Flexibilität, ein Expertenteam und die technologischen Plattformen besitzt. Weiters sind wir in mehreren Ländern mit einer eigenen Infrastruktur aufgestellt. Deshalb können wir auch bei internationalen Kunden gut auf die Bedürfnisse eingehen.

Das Gespräch führte Christof Baumgartner.

ZUR PERSON: Bernd Liebscher (38) ist seit zwölf Jahren in der Telekommunikationsbranche tätig und verfügt vor allem im B2B-Bereich über umfangreiches Know-how. Seine Karriere in der Telekom Austria Group begann er 2000 als Vorstands­assistent. Danach war er als Head of Mobile Business Solution sowie Head of Business Marketing für A1 tätig, bevor er das Management der mazedonischen Tochterfirma Vip Operator beriet. 2010 koordinierte er den erfolgreichen Merger zu A1. Der Steirer studierte Wirtschaftswissenschaften sowie Rechtswissenschaften.

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