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25.01.2012 :: Printausgabe 01-02/2012 :: Christof Baumgartner

Telekom-Markt im Wandel

Im heimischen Telekommunikationsmarkt werden 2012 einige grundlegende Entscheidungen getroffen, die die Zukunft der Branche nachhaltig beeinflussen werden.

Das Jahr 2011 stand ganz im Zeichen der Smartphones und dem Siegeszug des Tablet-Computers, und dieser Trend setzt sich fort. Diese Zunahme der verwendeten mobilen Endgeräte stellt vor allem die Mobilfunkanbieter vor neue Herausforderungen. »2012 wird sich der Siegeszug von mobilem Internet beziehungsweise mobilen Diensten weiter fortsetzen. Smartphones verdrängen klassische Devices mehr und mehr und sind als digitaler Begleiter in der Hosentasche immer dabei«, ist Jan Trionow, CEO von Hutchison Austria (»3«), überzeugt.

Fakt ist, dass der österreichische Mobilfunkmarkt europaweit einzigartig ist. »Mit einer SIM-Kartenpenetration von mehr als 150 Prozent ist die Mobilfunkbranche ein Spezialfall«, sagt Robert Chvatal, Geschäftsführer von T-Mobile Austria. Auch in Krisenzeiten würden die Österreicher nicht auf ihr Smartphone, Tablet oder ihr mobiles Internet verzichten. Das bedeutet allerdings für die Anbieter, »rechtzeitig in die Mobilfunknetze zu investieren, um nicht in wenigen Jahren in einen Kapazitätsengpass zu laufen.« Um das zu verhindern, investieren die Anbieter viel Geld in die nächste Generation des Mobilfunks: LTE (Long Term Evolution).

DIGITALE DIVIDENDE UND MARKTBEREINIGUNG In diesem Zusammenhang ist die Vergabe neuer Frequenzen, die sogenannte »digitale Dividende«, die im Herbst über die Bühne gehen soll, interessant. »LTE-Nutzung ist derzeit nur in Städten möglich. Für die breitere Nutzung ist Voraussetzung, dass beim Refarming im Zuge der Frequenzvergabe LTE auch über 800er und 900er Frequenzen genutzt werden kann«, erklärt Michael Krammer, Geschäftsführer von Orange in Österreich. Chvatal wünscht sich »eine investitionsmaximierende Vergabe der Frequenzen, die den Standort Österreich langfristig stärkt. Hohe Einmal­erlöse zum Stopfen von Budgetlöchern können nicht im Sinne einer nachhaltigen Infrastrukturpolitik sein.« »LTE ist bei mobiler Datenübertragung sicher die Zukunft«, sagt auch Hannes Ametsreiter, Generaldirektor bei A1. Weiters sieht er NFC (Near Field Communication) und Machine-2-Machine (M2M) als Themen, die 2012 den Durchbruch schaffen werden. »Wir rechnen heuer mit über 700.000 SIM-Karten, die Geräte miteinander vernetzen, dadurch zur Effizienzsteigerung beitragen und neue Geschäftsmodelle schaffen«, so Ametsreiter.

Georg Serentschy, Geschäftsführer der RTR, sieht in der digitalen Dividende ebenfalls eines der Haupthemen, weitere Themen sind »eine Marktbereinigung und Netzwerk-Kooperationen zwischen Betreibern. Beide Themen werden mit Sicherheit heuer entschieden und es werden damit langfristig die wettbewerblichen Weichen gestellt«, so Serentschy. Die Konsolidierung des Mobilfunkmarkts ist schon seit einigen Jahren ein Thema. Vier Anbieter seien für einen kleinen Markt wie Österreich zu viel, hieß es immer wieder. Nun scheint die Bestätigung der Übernahme von Orange durch den kleinsten Anbieter »3« nur noch eine Frage von Tagen zu sein. Laut Orange-Chef Krammer würden die Mobilfunkkunden von einer Konsolidierung des Marktes profitieren. Pragmatisch sieht es Serentschy: »Was sich für den Kunden ändern würde ist, dass er eine geringere Auswahl hat. Was sich gegebenenfalls auch ändern kann ist der Wettbewerb. Hier sind kurzfristige Auswirkungen wie die Frequenzvergabe und langfristige Auswirkungen wie Preisniveau oder die Qualität zu untersuchen.«

HARTER WETTBEWERB IM BEREICH FESTNETZ Im Bereich Festnetz werden es die Anbieter laut UPC-Geschäftsführer Thomas Hintze mit einem »sehr kompetitiven Marktumfeld und einem sinkenden Umsatzniveau« zu tun bekommen. Diese Umstände würden keine Investitionen rechtfertigen, die aber aufgrund des Bedarfs nach mehr Bandbreite, getrieben durch Anwendungen wie zum Beispiel Video-Streaming, und das Forcieren von Innovationen, besonders im TV-Bereich notwendig sind, so Hintze. »Die gesamte Telekommunikationsbranche in Österreich hat in den letzten drei Jahren einen Umsatz in der Höhe von etwa 1,2 Milliarden Euro verloren. Dies bedingt durch das Preisgefüge, das durch den Incumbent (A1) getrieben wird. Im Übrigen ist es im europäischen Raum einzigartig, dass der Marktbeherrscher sich mit solch niedrigen Preisen positioniert.« Auch Andreas Wildberger, Generalsekretär der ISPA (Internet Service Providers Austria), sieht eine »Re-Monopolisierung« am heimischen Festnetzmarkt: »Es ist nach wie vor die Regulierungsbehörde gefordert sicherzustellen, dass alternative Anbieter ein 'level playing field' vorfinden – nach all den Jahren seit der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes ist dies leider immer noch nicht erreicht.«

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