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18.01.2012 Rudolf Felser

Genaue Daten über Europas Internet-Performance

Die Europäische Kommission und SamKnows wollen zuverlässige und korrekte Statistiken über die Breitbandleistung in ganz Europa erstellen.

Wie schnell ist das Internet? Die Europäische Kommission und SamKnows wollen zuverlässige und korrekte Statistiken über die Breitbandleistung in ganz Europa erstellen. Freiwillige Teilnehmer erhalten dazu nach einer Registrierung ein Breitband-Messgerät – die SamKnows-Whitebox – das an das vorhandene Modem oder den Router angeschlossen wird. In Österreich werden noch Freiwillige gesucht. Im Interview mit Computerwelt.at berichtet SamKnows-CEO Alex Salter über die Anfänge des Projekts, seine Ziele und den Fortschritt in anderen Ländern wie beispielsweise den USA.

Was genau ist das Projekt SamKnows und wie ist es entstanden? SamKnows startete 2008 und ging auf die Idee eines jungen Programmierers namens Sam zurück. Sam konnte seine Internetperformance nicht messen und hat dann mit mir über ein paar Möglichkeiten geredet. Begonnen hat alles in seinem Schlafzimmer, zu Beginn haben wir gedacht das würde nur uns interessieren und niemand würde mitmachen. Unser Projekt wurde dann von der Webseite The Register aufgegriffen und innerhalb von Stunden hatten wir viele Teilnehmer. Erst da haben wir realisiert, dass unser Projekt nicht nur für uns sondern auch für viele andere interessant ist.

Wie ging es dann weiter? Wir haben Router auf Ebay gekauft, unsere erste Software draufgetan und das ganze an 200 Leute geschickt – mehr konnten wir uns am Anfang nicht leisten. Das war unsere Protoyp-Studie, die dann wieder von den Medien aufgegriffen wurde. Wir haben dabei ein paar interessante Dinge herausgefunden. Eine der ersten Organisationen, die uns daraufhin kontaktiert haben, war der britische Regulierer Ofcom. Wir waren sehr nervös weil wir zuerst noch dachten, wie hätten etwas falsch gemacht. Dabei haben sie selbst seit Monaten versucht etwas ähnliches zu machen und uns gefragt, ob wir sie sie nicht dabei unterstützen wollen. Das war der Beginn unserer Partnerschaft mit Ofcom und hat zu Ofcoms ersten Speedreports geführt. Im November 2009 wurden wir von der amerikanischen FCC gebeten, das Projekt auf die USA auszuweiten. Barack Obama hat die Breitband-Performance damals in den Fokus gerückt. Gestartet haben wir in den USA im April 2010, das Projekt läuft und ist sehr aufregend. Wenn wir zum Beispiel mit den Leuten von Youtube reden müssen macht die FCC das möglich. Anhand unserer Daten werden Entscheidungen über Investments in Infrastruktur getroffen. Anfang 2011 haben wir begonnen, mit der Europäischen Kommission zusammenzuarbeiten. Die Kommission hatte schon Studien über Preisunterschiede durchgeführt und wollte entscheiden, wohin die Investitionen gehen sollten. Um zu entscheiden, wohin das Geld gehen soll, brauchen Regierungen und Organisationen genaue Informationen. Einerseits generieren wir Informationen für Regierungen, die über Investments entscheiden müssen, andererseits auch für Internet Service Provider. Aber begonnen haben wir als Konsumenten, die genaue Daten über ihre Internetverbindung haben wollten. Jeder Teilnehmer des Projektes bekommt Zugriff auf alle Daten, die wir sammeln. Das sind Informationen, die man sonst nirgends bekommt.

Was ist die Zielsetzung des Projekts? Aus Sicht der EU-Kommission: Wenn man die Mitgliedsländer nach der Breitband-Performance in Europa fragen würde, könnten sie keine Antwort geben. Es gibt zwar Studien über die Verfügbarkeit und die Preise, aber nicht über die Performance. Erst wenn diese Daten gesammelt wurden kann die EU entscheiden, wo investiert werden soll. Ohne Daten hat jeder seinen eigenen subjektiven Eindruck, aber mit Daten kann man sehr fundierte Entscheidungen treffen. Das grundlegende Ziel des Projekts ist es, diese Datenlücke zu füllen.

Sehen Sie sich als Teil der Open Data-Bewegung? Alle unserer Ergebnisse werden veröffentlicht – natürlich mit Rücksicht auf die Privatsphäre der freiwilligen Teilnehmer. Wir wollen, dass jeder Zugriff auf unsere Daten hat. Man muss diese Daten auch veröffentlichen um den Leuten die Möglichkeit zu geben, die Methodologie des Projektes zu validieren.

Wie sieht es international mit der Teilnehmerzahl aus, wie in Österreich? In Österreich suchen wir 250 bis 500 Freiwillige, die Ihre Internetverbindung über die größeren ISPs beziehen. In manchen Ländern läuft das Projekt fantastisch, beispielsweise in Protugal, in anderen schlechter – wie etwa in Österreich. Wir hoffen sehr auf mehr Freiwillige aus Österreich. Wir planen europaweit im ersten Schritt 10.000 unserer Whiteboxes zu verschicken. In den USA haben wir beispielsweise bereits 10.000 Boxen verschickt, jetzt sollen weitere 10.000 folgen.

Hat die hohe Sensibilität für Datenschutz und Privatsphäre in Österreich und Deutschland vielleicht etwas mit dem noch geringen Zuspruch zu tun? Wir hatten das Problem auch in den USA, wo es große Bedenken gibt wenn die Regierung Daten sammelt. Aber wir gehen an diese Sache als Konsumenten heran. Uns interessiert nicht, was die Teilnehmer online machen oder wie sie das Internet verwenden. Unsere Tests laufen nur, wenn das Internet gerade nicht genutzt wird. In der ersten Phase, wenn noch nichts über das Projekt bekannt ist, ist Privacy ein Thema. Aber wenn die Leute das Projekt kennen lernen ist das kein Thema mehr.

Ist das Ergebnis des Projekts nicht relativ vorhersehbar? Selten erreichen die Angebote die beworbenen Up- und Downloadgeschwindigkeiten. Wird sich daran etwas ändern?

Das ist der coole Teil des Projekts. Zu Anfang haben Sam und ich nur über unsere eigene Internetverbindung nachgedacht. Aber das Konzept ist viel wirkungsvoller wenn man auf eine große Stichprobe zurückgreifen kann. In Großbritannien und den USA wurde bereits anhand der Daten investiert, der Kunde profitiert direkt davon.

Das Gespräch führte Rudolf N. Felser.

ZUR PERSON Alex Salter ist der CEO von SamKnows, das er gemeinsam mit Neil Campbell und Sam Crawford 2008 gegründet hat. Zudem ist er Projektleiter für die Initiativen in der EU und den USA. Sein Ziel ist es, mittels SamKnows einen offenen Standard und eine Plattform für weltweite Internet-Performance-Messungen zu schaffen, die von allen Beteiligten – Regierungen, ISPs, Industrie, dem akademischen Bereich und den Konsumenten – genutzt werden können.

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