Der Weg zum energieeffizienten Ethernet Detail - Computerwelt

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14.12.2011 Jürgen Hill*

Der Weg zum energieeffizienten Ethernet

Mehr Leistung und dabei sogar sparsamer: In einer All-IP-Welt könnte sich das Netz künftig als Strom-Sparbüchse entpuppen.

Vor zwei bis drei Jahren war Green IT das große Thema – egal ob Rechner, Drucker oder Netz, alles sollte energieeffizient sein. Entsprechend wollten auch die Netzwerk-Player an der grünen Revolution partizipieren und schufen den werbewirksamen Begriff vom »Green Ethernet«. Doch das Thema »Green« verschwand im Zuge der Cloud-Euphorie schnell aus dem Fokus der Öffentlichkeit. So bekam es denn auch kaum jemand mit, als sich die Industrie im September 2010 auf den Standard IEEE 802.3az einigte. Er definiert ein »Energy Efficient Ethernet« und hält mittlerweile in die Produkte Einzug. Gleichzeitig haben die Hersteller in den letzten Jahren, unabhängig vom neuen Standard, den Energieverbrauch ihrer Geräte durch den Einsatz sparsamerer Chipsätze gesenkt. Verbrauchte beispielsweise ein Workgroup/Desktop-Switch mit acht Gigabit-Ethernet-Ports vor fünf bis sechs Jahren noch um die 20 Watt, so liegt der Stromverbrauch eines vergleichbaren Switches aktueller Bauart heute bei 7,2 Watt.

Mehr Leistung, weniger Strom Mit dem feinen Unterschied, dass dieser leistungsfähiger ist und als Smart Switch etwa mit Management-Funktionen aufwartet, die sein Vorgänger noch nicht besaß. Legt man heutige Marktpreise zugrunde, würde sich in obigem Beispiel die Anschaffung eines neuen Switches bereits nach drei Jahren allein aufgrund der Energieeinsparungen amortisieren. Ganz davon abgesehen, dass Management-Funktionen wie VLAN (Virtual Local Area Network) in Zeiten von VoIP und IP-Video immer wichtiger werden, um die erforderliche Servicequalität zu gewährleisten. Ihre Einsparungen erzielen die Hersteller unter anderem auch dadurch, dass sie nicht benutzte Ports erkennen und dann abschalten. Zudem messen moderne Switch-Ports automatisch die Leistungslänge und passen die aufgewendete Energie an. Noch deutlicher fallen die Einsparungen bei der jüngsten 10-Gigabit-Ethernet-Generation aus. Hier liegt der Stromverbrauch jetzt bei fünf Watt pro Port, während die Vorgängerversion noch 35 Watt benötigte. Und die erste Variante des schnellen Ethernets brauchte sogar noch 100 Watt pro Port.

Bis zu 80 Prozent Einsparungen möglich Prinzipiell greift auch der neue IEEE-Standard 802.3az diese Sparideen auf. So geht IT-Berater Mathias Hein auf seiner Web-Seite www.lupocom.com davon aus, dass sich mit der neuen Technik bis zu 80 Prozent der Energie eines heutigen Ethernet-Transceivers einsparen lassen. Vereinfacht ausgedrückt, werden dabei die Ports in eine Art Schlafmodus geschickt. Werden dann Daten übertragen, wechseln die Links blitzartig in den aktiven Wachmodus. Ein Verfahren, das sowohl für Gigabit als auch für zehn Gigabit Ethernet definiert ist. Auf dem Papier klingt das gut, hat aber in der Praxis den Nachteil, dass der 802.3az-Standard nur an der physikalischen Schicht ansetzt. Konsequenz ist, dass die Netzkarten und die Switches ausgetauscht werden müssen, um die neue Technik zu nutzen. Der Berater Hein empfiehlt deshalb, 802.3az bei der Netzplanung schon heute zu berücksichtigen und bei etwaigen Neuanschaffungen auf die Interoperabilität zu achten. Langfristig stellt das Energiesparen auf der physikalischen Schicht nur einen ersten Schritt dar. Der Trend geht nämlich dahin, entsprechende Techniken auch schon auf der Applikationsebene anzuwenden. Wohin dann die Energiespar-Reise führt, zeigen bereits Netze, die etwa das IP-Telefon abschalten oder die Raumtemperatur senken, wenn der User sich abmeldet. Ein Ansatz, den beispielsweise Cisco mit Energywise verfolgt. Jürgen Hill ist Redakteur der deutschen Computerwoche.

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