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26.04.2011 Michael Unruh*

Cloud Computing und App Store im Auto: Das vernetzte Auto der Zukunft

Schneller ans Ziel, weniger Staus, erste Hilfe im Notfall - mit Hilfe der Telematik werden vernetzte Autos künftig ein Teil der Cloud.

Der Trend ist eindeutig: für immer mehr junge Menschen tritt der Wunsch nach einem eigenen Auto in den Hintergrund. In einer Zeit, in der jeder mit jedem zum Teil über mehrere soziale Netzwerke miteinander in Kontakt steht, ist die physische Mobilität nicht mehr so wichtig. Die Internet-Generation fühlt sich zu den "i-Produkten" der TK-Industrie zunehmend mehr hingezogen als zu den neuen Modellen der Automobilindustrie. Diese indes buhlt um die junge Kundschaft, sei es mit neuen Mobilitätskonzepten vom Car-Sharing bis zum Elektroroller, die kein eigenes Auto notwendig machen; oder mit neuen Internet- und Telematikdiensten in den Fahrzeugen, um ein eigenes Auto attraktiver zu machen. Beide Strategien erfordern einen erheblichen Invest in eine IT-Infrastruktur sowohl im Fahrzeug als auch außerhalb.

DAS TREIBT DIE ENTWICKLUNG Aber nicht nur das geänderte Käuferverhalten der jungen Generation bewegt die Automobilindustrie, neue Produkte und Konzepte zu schaffen. Es ist auch das steigende Sicherheits- und Komfortbedürfnis der Autofahrer, das die Hersteller durch intelligente Fahrerassistenzsysteme zu befriedigen suchen. Und die EU ruft schon seit langem nach einem europaweiten Standard für ein automatisches Notrufsystem (eCall). Hierbei soll bei einem Unfall über den aufgehenden Airbag, einen Crash-Sensor oder manuell ein Notruf abgesetzt werden. Dieser sendet über GSM beziehungsweise SMS die aktuelle Position sowie sonstige Fahrzeugdaten an eine Zentrale. Die Notrufzentrale kann über die gesendete Telefonnummer einen Rückruf herstellen und über die Positionsdaten den genauen Unfallort bestimmen. Dies ermöglicht bessere und schnellere Reaktionen bespielsweise der Rettungskräfte und der Polizei.

Daneben hat die Industrie selbst ein wachsendes Interesse an Telematiklösungen, weil sie als Basistechnologie dazu verwendet werden kann, Informationen über die Fahrzeuge im Einsatz zu sammeln, um damit ihre Produkte stetig zu verbessern und weiterzuentwickeln. Im Übrigen können personalisierte Telematikdienste den Autoherstellern auch helfen, den Kontakt zu Zweit-, Dritt- oder späteren Besitzern zu halten und dadurch die Kundenbindung zu verbessern.

Weitere Treiber sind die Bestrebungen der Verkehrsflussoptimierung, etwa die Unterstützung bei der Stauumfahrung oder der Suche nach einem freien Parkplatz. Entsprechende Lösungen setzen immer eine Kommunikation mit dem Fahrzeug voraus. Ebenso benötigt die Entwicklung der Elektrofahrzeuge Telematikdienste im Fahrzeug, um etwa freie und erreichbare Ladestellen zu finden und zu reservieren.

Es gibt also genügend Gründe, warum Telematiklösungen in der Automobilindustrie weiterentwickelt werden. Welche Basistechnologien werden hierfür benötigt? Welche technologischen Trends ermöglichen die Vielzahl an benötigten Lösungen erst?

VERBESSERTES HUMAN-MACHINE-INTERFACE (HMI) Eines der Themen, das die Automobilhersteller und ihre Zulieferer im Zusammenhang mit Telematikdiensten im Fahrzeug am meisten beschäftigt, ist die Frage der ablenkungsfreien beziehungsweise -armen Bedienung entsprechender Anwendungen. Nachdem dem Fahrer die Benutzung von Mobiltelefonen im Allgemeinen untersagt ist, muss man sich fragen, wie lange die manuelle Bedienung eines Navigationsgerätes noch erlaubt sein wird. Alle Beteiligten sind sich einig, dass sich ein HMI an der Fahrsicherheit orientieren muss - aber auch an der Ergonomie. Gerade nach der massenhaften Verbreitung der Smartphones erwarten die Benutzer ein intuitives HMI. Gefragt sind hier Schnittstellen zur Erkennung von Gestik und der natürlichen Sprache. Ebenso dürften Touchscreen-Displays als Ein- und Ausgabelösung eine breite Akzeptanz erfahren. Wichtig ist dabei nicht, dem Benutzer die neuesten Technologien anzubieten, sondern je nach Funktionalität das geeignetste HMI. So haben Studien gezeigt, dass Fahrer bei der Bedienung von Entertainment- und Telematikinhalten besonders positiv auf ein HMI mit Display reagieren. Für sicherheitsrelevante Funktionen werden dagegen von der Mehrzahl der Fahrer Haptik und Sprache bevorzugt.

INTEGRATION VON SMARTPHONES Studien zeigen, dass rund 40 Prozent der Smartphone- Nutzer ihre Geräte im Fahrzeug auch zur Navigation einsetzen. Als Fahrer ist es allerdings nicht erlaubt, ein entsprechendes Smartphone während der Fahrt zu benutzen. Hierauf reagieren aktuelle Lösungen mit einem sogenannten "Terminal-Mode": das Display des Smartphones wird auf das Display des Fahrzeugs überträgt. Zusammen mit einer benutzerfreundlichen Bedienkomponente im Fahrzeug wäre auf diese Weise eine schnelle Integration möglich, und man könnte jede App auf dem Smartphone über Bedienelemente im Fahrzeug benutzen, angefangen beim MP3-Player über Navigationsdienste bis hin zum sozialen Netzwerk. Offen ist, ob Automobilhersteller diese Lösung uneingeschränkt annehmen, untergräbt sie doch zugleich ihre Bemühungen, eigene Navigations- oder Infotainment-Lösungen zu verkaufen. In eingeschränkter Form findet man bereits solche Lösungen auf dem Markt. Das Mini Connected Konzept beispielsweise erlaubt bestimmten Smartphone Apps den Zugang zum Fahrzeug. Ähnliches hat Ford mit seiner Sync-Lösung, die für 2011 angekündigt ist.

ÖFFNUNG DER DIENSTEENTWICKLUNG (APP STORES) Aktuell ist es noch der Fahrzeughersteller, der die Anwendungen entwickelt, die im Fahrzeug laufen können. Doch seit Apple den App Store erfunden hat und allen wirkungsvoll gezeigt hat, dass die Dynamik eines solchen Marktplatzes für Apps den schnellen Durchbruch und die Akzeptanz neuer Produkte ermöglichen kann, wird dieses Konzept auch in der Automobilindustrie diskutiert. Erste Prototypen, entwickelt von Telematik Service Providern, gibt es bereits. Beim Aufbau und Betrieb entsprechender App Stores für die Fahrzeughersteller wird sicher auch die TK-Industrie mitreden. Schließlich betreibt sie bereits App Stores und kann so einen entscheidenden Mehrwert liefern. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass sich die Entwicklergemeinde für Apps im Fahrzeug bald über die ganze Welt verteilt. Abzuwarten bleibt, ob die Fahrzeughersteller auch eine Schnittstelle offenlegen werden, damit Apps auf fahrzeugspezifische Daten zugreifen können (etwa die GPS-Koordinaten des Fahrzeugs).

Doch bevor das alles Wirklichkeit werden kann, haben die Autohersteller noch ein paar Hausaufgaben zu erledigen. Eine offene App-Entwicklung setzt eine offene Plattform im Fahrzeug voraus, und diese muss erst noch geschaffen werden. Es gibt zwar verschiedene Initiativen einzelner Fahrzeughersteller, Zulieferer und Konsortien (etwa. www.genivi.org/), doch ein neuer Standard scheint noch weit entfernt. Es bleibt abzuwarten, ob es hier nicht bald einen Industriestandard geben wird, der durch einen Innovationstreiber gesetzt wird.

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