Die schöne neue digitale Welt braucht Bandbreite Detail - Computerwelt

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28.08.2009 Christof Baumgartner

Die schöne neue digitale Welt braucht Bandbreite

Youtube, iTunes und ähnliche multimediale Internetseiten sorgen für gewaltige Datenmengen sowohl im Down- als auch im Upload.

Die Zukunft ist digital. Immer mehr Bereiche des alltäglichen Lebens wie Kontakte pflegen, Einkaufen oder Entertainment werden nicht mehr analog sondern digital absolviert beziehungsweise konsumiert. In Zeiten der Schweinegrippe, wo von Behörden dazu geraten wird auf angelernte Rituale wie Händeschütteln oder auf das Begrüßungsküsschen weitgehend zu verzichten, ist diese Entwicklung vielleicht sogar begrüßenswert, obwohl für die von Society-Auftritten und -Einladungen abhängige »Bussi Bussi«-Gesellschaft vielleicht auch Mitleid angebracht wäre. Diese beschleunigte Digitalisierung der Welt weckt jedenfalls neue Begierden und ändert die Gewohnheiten der Menschen, die immer mehr Zeit vor den Bildschirmen verbringen. Es entwickelt sich also ein neuer Trend hin zur so genannten »Hyperconnectivity«, hervorgerufen durch die gleichzeitige aktive und passive Nutzung von Web-2.0-Diensten wie Internet, Video, Online-Netzwerken, mobile Video-Anwendungen, Internet-TV und Online-Radio. Daher steigt weltweit der Kapazitätsbedarf der Internetnutzer rasant an.

Wegen der neuen bandbreitenintensiven Services, die auf den Markt drängen, soll die Nachfrage nach Breitband pro Haushalt bis zum Jahr 2015 rund 50 Mbp/s erreichen. Das klassische Surfen im Internet soll aber dann nur noch ganze fünf Mbp/s einnehmen. Dieser enorme Performance-Bedarf übersteigt aber langfristig gesehen die Netzkapazitäten mobiler Zugangstechnologien. Die Konsequenz: Hochgeschwindigkeits-Festnetz-Technologien müssen landesweit ausgebaut werden, um die rasant ansteigende Nachfrage nach breitbandintensiven Services in Zukunft zu decken. Das sehen zumindest die Experten des Marktforschungsunternehmens Arthur D. Little (ADL) in einer aktuellen Studie so.

BREITBANDHUNGRIGE APPLIKATIONEN Getrieben wird der Bandbreitenbedarf von der raschen Verbreitung bandbreitenhungriger Applikationen. Die durchschnittliche Größe der Webseiten hat sich in den letzen Jahren stetig erhöht und führt zu gestiegenen Anforderungen an die Geschwindigkeit auf Kundenseite. So wuchs beispielsweise die Größe der Yahoo-Website zwischen 1998 und 2008 jährlich um 26 Prozent von 15Kb auf 150Kb an. Zudem treibt die ständige Weiterentwicklung performance-intensiver Anwendungen und das Aufkommen neuer Dienstleistungen im »Home Network« den zunehmendem Bedarf von Hochgeschwindigkeits-Breitband. Das Aufkommen von »Web-TV-Services« wie Youtube oder dem »BBC HD iPlayer« erweisen sich als höchst erfolgreich und resultieren in einer Vervielfachung der durchschnittlichen Datenmengen pro Nutzer. Mit »Ultra HDTV« (ab 2015 in Japan) und »3D TV« (bei den olympischen Spielen in London 2012) sind bereits zwei neue wesentliche Treiber für massiv ansteigenden Bandbreitenbedarf in den Startlöchern. Gegenwärtig bestimmt noch die intensive Nutzung von Filesharing, gefolgt von Geschäftsanwendungen sowie Web- und E-Mail-Diensten den hohen Bandbreitenbedarf.

Auch der Datenverkehr zwischen Europa und den USA soll zwischen 2008 und 2015 zwar jährlich gut um ein Drittel zunehmen, die aktuelle Kapazität der transatlantischen Kabel aber bereits 2014 aufgebraucht sein – trotz moderner optischer Verfahren, die seit vielen Jahren ständig mehr aus den verlegten Glasfasern herausholen.

GLASFASERBOOM Dieser steigende Bedarf an Bandbreite wird zu einem rasanten Wachstum von Glasfaser-Anschlüssen (Fiber-To-The-Home, FTTH) in den Haushalten führen, glauben die Auguren. Zwar sei die Entwicklung bisher aufgrund eines langsamen Starts der Ex-Monopolisten, regulatorischen Unklarheiten, der Kreditkrise und einem schwierigen Investitionsklima hinter den Prognosen zurückgeblieben, bis 2013 soll sich die Zahl der europäischen FTTH-Haushalte aber mehr als verfünffachen – von knapp vier auf über 20 Millionen. Zu diesen Ergebnissen kommt das Marktforschungsunternehmen Heavy Reading. Für Österreich prognostizieren die Experten bis 2013 rund 320.000 über Lichtwellenleiter angeschlossene Haushalte, beziehungsweise eine Durchdringung von 9,1 Prozent.

Eine klare Dominanz für einen Anbietertyp sehen die Marktforscher in Europa, anders als in anderen Regionen, nicht: Ex-Monopolisten kommen nur auf 31 Prozent der Glasfaseranschlüsse, rund 45 Prozent werden von alternativen Telcos oder Breitbandanbietern betrieben, 24 Prozent entfallen auf kommunale oder Energieunternehmen. Im Vorjahr habe es zwar eine Verlangsamung der Entwicklung gegeben, dennoch erwarte man trotz der Finanzkrise durchschnittliche jährliche Wachstumsraten von mehr als 50 Prozent bis 2013. Die USA sind Europa vier Jahre voraus, was die FTTH-Reife des Marktes betrifft, Japan hat acht bis zehn Jahre Vorsprung.

Ein gut ausgebautes Glasfasernetz ist entscheidend für den Wirtschaftsstandort. Dessen ist sich auch Viviane Reding, die für die Informationsgesellschaft und Medien zuständige EU-Kommissarin, durchaus bewusst: »Europas digitale Wirtschaft hat ein gewaltiges Umsatzpotenzial in allen Wirtschaftssektoren. Damit dieser Vorteil aber tatsächlich in ein nachhaltiges Wachstum und neue Arbeitsplätze umgesetzt werden kann, müssen die Regierungen Führungsstärke zeigen und koordinierte Maßnahmen treffen, um bestehende Hindernisse für neue Dienste zu beseitigen.«

WIRTSCHAFTSFAKTOR BREITBAND Trotz der durchaus fortgeschrittenen Digitalisierung in der EU sieht die Kommission einige Verbesserungspotenziale. Beispielsweise hat ein Drittel der EU-Bürger noch nie das Internet benutzt. Die Schlusslichter sind hier Bulgarien, Rumänien und Griechenland, wo nur zwischen 25 und 31 Prozent der Privathaushalte über einen Internetanschluss verfügen.

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