Dem Breitbandausbau fehlt die Gesamtstrategie Detail - Computerwelt

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09.09.2009 Christof Baumgartner

Dem Breitbandausbau fehlt die Gesamtstrategie

In Alpbach forderten die heimischen Telkos unabhängig voneinander endlich Taten.

Die heimische Telekommunikationsbranche nutzte das Europäische Forum Alpbach in Tirol um zum wiederholten Male darauf hinzuweisen, dass Österreich als Wirtschaftsstandort zunehmend unattraktiver wird, weil der notwendige Ausbau von Breitbandinternet nicht ins Rollen kommt. Allen voran nutzte die Telekom Austria (TA) das Forum, um anhand einer von ihr in Auftrag gegebenen aktuellen WIFO-Studie den notwendigen Handlungsbedarf aufzuzeigen. Der Wachstumsbeitrag der IKT lag in den Jahren 2000 bis 2005 in Österreich bei 0,39 Prozentpunkten. »Die Gesamtbetrachtung zeigt, dass die IKT-Branche in Österreich als Wachstumstreiber nur mittelmäßig ausgeprägt ist«, sagt Karl Aiginger, Leiter des WIFO. So lag der Beitrag in Österreichs unmittelbaren Nachbarländern Slowenien und der Tschechischen Republik im Vergleichszeitraum beispielsweise bei 0,51 beziehungsweise 0,49 Prozentpunkten. Das Vorreiterland Dänemark verzeichnete sogar einen Wert von 0,61 Prozentpunkten. Potenzial ortet Aiginger vor allem bei der IKT-Infrastruktur.

Im OECD-Vergleich lag Österreich 2008 mit einer Breitband-Penetration von 21,6 Prozent der Bevölkerung nur an der 19. Position, die führenden Staaten waren Dänemark, Niederlande und Norwegen. Die Branchenstruktur zeige einen hohen Anteil von Branchen »mittlerer« und »mittelhoher« Technologieintensität. Der Anteil von Hochtechnologie sei dagegen relativ gering. Ähnlich flach verlief die österreichische Wachstumsrate zwischen 2003 und 2008. »Auch die Digitale Kluft, also die Benachteiligung der ländlichen Bereiche in Österreich ist noch nicht gebannt. Hier liegen wir im Eurostat-Ranking immerhin auf dem zehnten Platz«, so Aiginger.

GRUNDLAGE GLASFASER Als Grundlage für einen Produktivitäts- und Innovationsschub sieht Aiginger den Ausbau von Glasfaser. Die volkwirtschaftlichen Effekte, die sich ergeben würden, wenn allein die TA vom 125 Jahre alten Kupferkabel-Netz auf Glasfaser umrüstet, belaufen sich laut Aiginger auf 8,5 Milliarden Euro und mehr als 64.200 neue Arbeitsplätze. Die TA investiert, wie berichtet, in den kommenden vier Jahren 1,5 Milliarden Euro in die Breitbandinfrastruktur. Die WIFO-Studie belegt auch zum wiederholten Male das Fehlen einer österreichischen IKT-Gesamtstrategie. Österreich brauche dringend einen Rechtsrahmen und ein Förderwesen, das stimulierend auf Investitionen und Innovation wirke, so Aiginger. Mit dem nächsten Technologiesprung Glasfaser bestehe ein neuer Handlungsbedarf.

»Wir können den nächsten Entwicklungsschritt nicht alleine, also ohne entsprechende Rahmenbedingungen seitens Politik und Regulierung, setzen«, sagt Hannes Ametsreiter, Vorstandsvorsitzender der TA-Group. »Wir als börsenotiertes Unternehmen investieren dort, wo wir etwas zurückverdienen können. Was Österreich nun braucht, ist eine IKT-Strategie, die den Wirtschaftsstandort nachhaltig stärkt. Hier sind rasche politische Willensbildung und Entscheidungen notwendig.« Weiters sollen Breitband-Förderungen Teil des Maßnahmenpaketes sein. »Wir haben seit 2005 einen IKT-Masterplan, der zum Ziel hatte, Österreich bis 2008 an die fünfte Stelle zu bringen«, ergänzt Aiginger. Er kritisiert die mangelnde Umsetzung des Plans und plädiert für eine klare Zuständigkeit – etwa durch die Schaffung eines »Mini-Ministerrats« für IKT durch die zuständigen Ministerien. Auch der Regulator sei gefordert. Um Investitionsanreize zu schaffen, müsse man möglichst wenig regulieren. Bei den jetzigen Kupferkabelnetzen wurden der TA als ehemaligem Monopolisten strenge Auflagen gegeben, um Wettbewerb zu schaffen. So ist die TA in der freien Preisgestaltung eingeschränkt und muss die Mitbewerber die eigene Infrastruktur mitbenützen lassen. Alternative Betreiber argumentieren jedoch mit der Marktmacht der TA sowie damit, dass sie der TA für ihre Leitungen Miete zahlen müssen, dagegen.

MOBILES BREITBAND Mehr Bewegung gibt es beim mobilen Breitband. Vor allem für den ländlichen Raum ist die Technologie interessant. Das dringlichste Thema ist hierbei die Vergabe der sogenannten »Digitalen Dividende«. Die Vergabe der freiwerdenden Fernsehfrequenzen ist von Seiten der Politik für 2015 vorgesehen. Das dauert T-Mobile-Chef Robert Chvatal aber viel zu lange. Er wünscht sich eine Entscheidung noch in diesem Jahr. Er fordert Technolgieneutralität zwischen Festnetz und Mobilfunk.

Der Mobilfunkbetreiber Drei kündigte in Alpbach an, sofort mit dem Ausbau der nächsten Mobilfunkgeneration LTE (Long Term Evolution) starten zu wollen. Das ist sehr ambitioniert, gibt es doch bis auf weiteres keine LTE-fähigen Endgeräte. Hutchison 3G Österreich-Chef Berthold Thoma möchte aber bereit sein, wenn es diese gibt und wenn die Frage der digtalen Dividende endlich geklärt sein wird.

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