Mobilfunk­betreiber verpflichten sich zur eCall-Einführung Detail - Computerwelt

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10.09.2009 Rudolf Felser

Mobilfunk­betreiber verpflichten sich zur eCall-Einführung

Die europäische Mobilfunkindustrie hat ihre volle Unterstützung für das automatische Fahrzeug-Notrufsystem zugesichert.

Die europäische Mobilfunkindustrie hat jetzt ihre volle Unterstützung für das automatische Fahrzeug-Notrufsystem eCall zugesichert. Dem war Ende August ein entsprechender Aufruf der EU-Kommission vorangegangen (siehe "EU: Letzter Appell zur Einführung von eCall").

Mit der Unterzeichnung der EU-Absichtserklärung zur europaweiten Implementierung des schon 2005 für 2009 angekündigten Systems (siehe "E-Call soll ab 2009 EU-weit Verkehrsopfern das Leben retten") haben die Vertreter des Branchenverbands GSM Association ihr Engagement für die Einführung bekräftigt.

Im Falle eines schweren Unfalls setzt eCall einen Anruf an die einheitliche europäische Notrufnummer 112 ab und übermittelt die Standortdaten des Fahrzeugs an die nächstgelegene Einsatzzentrale. Dies geschieht automatisch, also auch dann, wenn die Fahrzeuginsassen nicht wissen, wo sie sich gerade befinden, oder nicht in der Lage sind, den Standort mitzuteilen. Die Einführung von eCall erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Behörden, Fahrzeugherstellern und Mobilfunkbetreibern. Der Kommission zufolge könnte das System jedes Jahr bis zu 2.500 Menschenleben in der EU retten und die Folgen schwerer Verletzungen um zehn bis 15 Prozent abmildern.

"Letzten Monat forderte die Europäische Kommission Regierungen, Telekommunikationsbranche und Automobilhersteller in Europa auf, mehr zu tun, damit eCall endlich auf den Straßen zum Einsatz kommt. Zu ihrer prompten Reaktion kann ich die Mobilfunkindustrie nur beglückwünschen. Mit ihrer Unterstützung für das bordeigene europäische Notrufsystem wird sie ihrer sozialen Verantwortung gerecht und stellt ihre Offenheit für innovative Anwendungen der Kommunikationstechnologie im Alltag unter Beweis", so die für Telekommunikation zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding. "Zur europaweiten Einführung von eCall müssen aber alle an einem Strang ziehen. Mit ihrem heute zugesagten Engagement folgen die Mobilfunkbetreiber der Automobilindustrie und der Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten. Allerdings haben sechs Mitgliedstaaten – Dänemark, Frankreich, Irland, Lettland, Malta und das Vereinigte Königreich – die einschlägige Absichtserklärung immer noch nicht unterzeichnet. Die betreffenden Länder sollten jetzt endlich den Fuß von der Bremse nehmen und die Einführung dieses Systems – das schließlich Leben retten kann – vorantreiben. Andernfalls wird sich die Kommission gezwungen sehen, im nächsten Jahr einen entsprechenden Legislativvorschlag vorzulegen."

Im Rahmen einer Zeremonie, zu der Kommissarin Reding gestern eingeladen hatte, unterzeichnete Martin Whitehead, Geschäftsführer der GSM Association Europa, im Namen der Mobilfunkbranche die eCall-Absichtserklärung. Der GSM Association gehören Mitglieder in 219 Ländern an: etwa 800 Mobilfunkbetreiber weltweit sowie über 200 weitere Unternehmen, darunter Mobiltelefonhersteller, Softwarefirmen, Zulieferer, Internetunternehmen und Organisationen aus der Medien- und Unterhaltungsbranche.

Zur flächendeckenden Einführung von eCall müssen Europas Automobil- und Telekommunikationsindustrie und die nationalen Verwaltungen aller EU‑Länder dafür sorgen, dass die Notrufzentralen, insbesondere Callcenter, über die für die Annahme und Bearbeitung von eCall-Notrufen erforderliche Ausrüstung verfügen. Obwohl die Technologie zur Verfügung steht und zwischen Industrie und Notrufeinrichtungen gemeinsame EU-weite Normen vereinbart wurden, sind Dänemark, Frankreich, Irland, Lettland, Malta und das Vereinigte Königreich vor allem aufgrund von Kostenbedenken noch immer nicht bereit mitzuziehen.

Fünfzehn EU-Staaten (Deutschland, Estland, Finnland, Griechenland, Italien, Litauen, die Niederlande, Österreich, Portugal, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik und Zypern) sowie drei EWR-Länder (Island, Norwegen und die Schweiz) haben sich über gemeinsame Modalitäten zur Einführung von eCall verständigt. Sechs weitere EU-Länder (Belgien, Bulgarien, Luxemburg, Polen, Rumänien und Ungarn) unterstützen eCall und wollen die Vereinbarung ebenfalls unterzeichnen. Auch das Europäische Parlament ist ein Befürworter der europaweiten Einführung des Fahrzeug-Notrufs eCall.

Die Notrif-Technologie ist eine der Prioritäten der Initiative Intelligente Fahrzeugsysteme und des Aktionsplans für intelligente Verkehrssysteme, die die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien zugunsten eines intelligenteren, sichereren und umweltfreundlicheren Straßenverkehrs fördern. In den letzten zwei Jahren hat die EU etwa 160 Mio. Euro für IKT-Forschung im Verkehrsbereich bereitgestellt.

Verkehrsunfälle kosten die EU-Wirtschaft mehr als 160 Mrd. Euro im Jahr, rechnet die Kommission weiter vor. Die Ausrüstung aller 230 Millionen Kraftfahrzeuge in der EU mit dem eCall-System könnte jährliche Einsparungen in einer Größenordnung von 26 Mrd. Euro bewirken. Darüber hinaus soll das eCall-System künftig die Bewältigung von Verkehrsstaus und die Installation von Diensten wie Satellitennavigationssystemen in Kraftfahrzeugen erleichtern.

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