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24.09.2009 Rudolf Felser

Rundfunk-Branche will digitale Dividende

Der volkswirtschaftliche Nutzen einer Umwidmung des Frequenzbands für mobiles Breitband ist einer Studie zufolge in Österreich zweifelhaft.

Durch die Abschaltung des analogen Fernsehens im Rahmen der TV-Digitalisierung werden Rundfunkfrequenzen frei. Mögliche Nutzer des Frequenzspektrums sind die Rundfunk- und die Mobilfunkbranche (Stichwort: mobiles Breitband). Beide Lager kämpfen um die Frequenzbänder und schenken sich dabei nichts.

Eine aktuelle Studie des Telekomexperten Ernst-Olav Ruhle im Auftrag von Rundfunkanbietern, Kabelnetzbetreibern und Sekundärnutzern der professionellen Drahtlostechnologie hat die volkswirtschaftlichen Auswirkungen einer Vergabe der Digitalen Dividende für Österreich untersucht. Das Frequenzspektrum 790 bis 862 MHz wird einerseits von der Rundfunkbranche für den Ausbau des hochauflösenden Fernsehens HDTV, für die Weiterentwicklung von DVB-T zu DVB-T 2 und für alle mobilen Lösungen des Fernsehens für Handy und im Auto eingeplant. Andererseits fordert es die Mobilfunkbranche für den Ausbau von mobilem Breitband.

Ungeklärt seien erhebliche Umstellungskosten und das "massive Störpotenzial durch den Mobilfunk" für das Fernsehen sowie für alle in Verwendung stehenden Funkmikrophone, Funkkopfhörer und drahtlose Hörhilfen, die in Österreich ebenfalls das Frequenzband von 790 bis 862 MHz nutzen, so der Studienautor in einer Aussendung. Eine frühzeitige Umwidmung der Frequenzen vor Sicherstellung zukunftsfähiger alternativer Lösungen für alle heutigen Nutzer sei sehr riskant.

Die Notwendigkeit, ländliche Gebiete mit schnellem Breitbandinternet zu versorgen, ist eine zentrale politische Forderung der Europäischen Union. Dieses Vorhaben zu verwirklichen hat hohe politische Relevanz, da in der Informationsgesellschaft die Kluft zwischen Stadt und Land immer weiter auseinander zu driften droht. Zahlreiche wissenschaftliche Feldversuche hätten laut der Studie jedoch ergeben, dass eine Versorgung des ländlichen Raums mit mobilem Breitbandinternet dieser Geschwindigkeit (50 bis 100 Mbit/s) durch den Mobilfunk über Rundfunkfrequenzen auch mit den neusten Technologien wie LTE (Long Term Evolution) für eine größere Anzahl von Nutzern nicht annähernd zu verwirklichen ist. Außerdem wären die Rundfunkbranche und Kabelnetzbetreiber "von massiven Störungen des TV-Bilds" durch eine Vergabe der Frequenzen an den Mobilfunk betroffen.

Bei den Migrationskosten für die Umstellung und Entwicklung neuer Produkte könne man der Studie zufolge von einer grob geschätzten Höhe von 150 Mio. Euro in Österreich ausgehen. Dies ist den Angaben nach allerdings der untere Rand der Ergebnisse, der noch erheblich übertroffen werden könnte. Die Kabelnetzbetreiber und mit ihnen 1,2 Million Kunden sind laut der vorliegenden Studie zumindest mit 95 Mio. Euro, die Rundfunkanbieter mit 17 Mio. Euro und die Sekundärnutzer professioneller Drahtlostechnologie mit 38 Mio. Euro betroffen. Der Umstellungsbedarf treffe insgesamt nicht nur die Industrie, sondern auch eine große Zahl an Endverbrauchern.

VOLKSWIRTSCHAFTLICHER NUTZEN Die vorliegende Studie untersucht in erster Linie den volkswirtschaftlichen Nutzen einer möglichen Widmung der Rundfunkfrequenzen. Mobilfunklösungen sind in den Augen des Studienautors in Bezug auf Breitbandanschlüsse aufgrund der beschränkten Geschwindigkeit nur Übergangslösungen, da aufgrund steigenden Bandbreitenbedarfs mittel- bis langfristig eine Anbindung über leistungsfähige Festnetze auf der Basis von Glasfaserleitungen notwendig sein wird. Gegen einen wirklich substanziellen Nutzen von Breitbanddiensten im Bereich 790 bis 862 MHz spreche zudem die Tatsache, dass die zu realisierende Bandbreite und die Anzahl der parallelen Nutzer begrenzt ist. Derzeit könnten 375 bis 750 Nutzer pro Sektor und Betreiber mit bis zu 6 Mbit/s auf der Basis von 25 MHz versorgt werde. Durch zukünftige Technologieverbesserungen (LTE) seien zwar Steigerungen möglich, "aber bei weitem nicht in dem von der EU geforderten Ausmaß von 50 bis 100 Mbit/s für einen breiteren Nutzerkreis".

Andere Breitbandangebote würden schon heute deutlich höhere Bandbreiten ermöglichen. "Von daher drängt sich die Frage auf, ob Breitbanddienste auf der Basis der Frequenzen im Bereich 790 bis 862 MHz wirklich einen Markterfolg und dadurch einen bedeutenden volkswirtschaftlichen Nutzen erzielen", wird in einer Aussendung zur Studie argumentiert. Dabei sei die zeitliche Perspektive zu beachten, denn die Anforderungen der Kunden an Bandbreite wären in den letzten wenigen Jahren stark angestiegen. "Die über mobiles Breitband leistbaren Bandbreiten werden daher zum Zeitpunkt einer möglichen Zuteilung der Frequenzen nicht mehr marktfähig sein", steht in der Aussendung weiter zu lesen. Dem Ausbau von mobilem Breitbandinternet stünden zudem neben der Nutzung des notwendigen Glasfaserausbaus auch ausreichende Alternativtechnologien wie Kabelnetze, VDSL, Funklösungen, Satellit und UMTS zur Verfügung.

UMSTELLUNGSKOSTEN Die höchsten Kosten bei einer Umwidmung der Frequenzen an die Mobilfunkbranche fallen wie erwähnt für die Rundfunkanbieter und Kabelnetzbetreiber an, dabei sind auch die Kosten für Endkunden beinhaltet, die Endgeräte austauschen müssen. Für den Rundfunk gäbe es keine alternativen Frequenzen, die bestehenden seien für die Entwicklung dieser Branche lebensnotwendig. Neben den Störungen des TV-Bilds, die in erster Linie den TV-Konsumenten treffen würde, würden vor allem die Entwicklungsperspektiven des Rundfunks deutlich eingeschränkt werden.

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