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29.10.2009 apa/Rudolf Felser

Die Rückkehr der Energieversorger

Die RTR will, dass für den Ausbau der Glasfasernetze für Breitband-Internet auch bestehende Infrastrukturen verwendet werden dürfen.

Die österreichische Telekom-Regulierungsbehörde RTR will, dass für den Ausbau der Glasfasernetze für Breitband-Internet auch bestehende Infrastrukturen verwendet werden dürfen. RTR-Chef Georg Serentschy sieht ein "Wiedererstarken der Versorgungsunternehmen". Derzeit seien schon "intensive Gespräche" zwischen Energieunternehmen und Internetanbietern über mögliche Kooperationen im Gange. Nicht immer aber konnten sich Provider und Versorger in der Vergangenheit einigen - bei der RTR seien schon die ersten Verfahren anhängig.

Die alten Kupfernetze seien "am Ende ihrer technologischen Lebensdauer angelangt", konstatierte Serentschy vor Journalisten. In Österreich sei zwar der Glasfaserausbau - für den RTR-Chef ein "Jahrhundertprojekt" - in Backbone-Netzen weitgehend abgeschlossen, bei den Zugangsnetzen (Next Generation Access, NGA), also der Anbindung des Endkunden, gebe es aber noch viel zu tun.

Hier sind mehrere Varianten möglich. Die "ultmative Lösung" sei Fibre to the Home (FTTH), also ein Glasfaserkabel bis in die Wohnung. Festnetzbasierte Technologien wie FTTC oder Fibre to the Building (FTTB) sieht Serentschy als Ergänzung zu mobilem Breitband (UMTS, HSxPA, LTE) und gab zu bedenken, dass Mobilfunk-Basisstationen auch an das Glasfasernetz angebunden werden müssen.

Aufgabe der RTR sei es, einen funktionsfähigen Wettbewerb zu ermöglichen und gleichzeitig Investitionen in das neue Netz voranzutreiben. Wichtig sei auch der Schutz von bestehendem Investement. Vergangenes Jahr habe die RTR eine "Industriearbeitsgruppe" zu NGA und Next Generation Network (NGN) ins Leben gerufen und eine heute präsentierte Studie zu Breitbandanschlussnetzen durchgeführt.

EINSPARUNGEN UND EFFIZIENTE UMSETZUNG Um flächendeckend Glasfaser-Internet mit hohen Bandbreiten bieten zu können, müssen aus Sicht der RTR Einsparungspotenziale identifiziert und eine effiziente Umsetzung gewährleistet werden. Bei der Glasfaserverglegung seien die Grabungen das teuerste, deswegen sollten bereits vorhandene Infrastrukturen genutzt werden. Immerhin erlaubten neue Anordnungen zum Wegerecht im Telekommunikationsgesetz (TKG) die Mitbenutzung vorhandener Kabelanlagen.

Auch Kooperationen von Betreibern, um ein Investment zu teilen, kann sich Serentschy vorstellen. Der RTR-Chef erachtet es als notwendig, von einen breiteren Infrastrukturbegriff auszugehen. Es könne nicht sein, dass bei neuen Siedlungen einfach die Leerrohre für Glasfaserkabel "vergessen" werden. In diesem Zusammenhang meinte er, man sollte sich "die Förderpolitik der Kommunalkredit ansehen".

Aus der RTR-Studie, für die 20 Branchenvertreter befragt wurden, ergaben sich drei denkbare Modelle für den beschleunigten Ausbau der breitbandigen Anschlussnetze. Erstens sei eine Kooperation von Versorgungsunternehmen und Internet Service Providern (ISP) denkbar. Heimische Versorger hätten eine gute Ausgangsposition für den Ausbau von Glasfasernetzen. Die Parallelen zum Ausbau eines Stromnetzes könnten als Vorleistungen für den Glasfaserausbau genutzt werden. Hauptsächlich gehe es dabei um die Kundenbeziehungen, Abrechnungssysteme oder Wegerechte.

INTELLIGENTE STROMZÄHLER "Eines der spannendsten Themen" ist für Serentschy der intelligente Stromzähler. Dafür sei ein paralleles Telekommunikationsnetz im Zugangsbereich notwendig. Die EVU könnten mit dem Aufbau eines Glasfasernetz also nicht nur ihren internen Bedarf decken, sondern auch neue Geschäftsfelder erschließen, indem sie beispielsweise einen Breitbandanschluss oder neue Energieverbrauchsprodukte anbieten. Die EVU hätten keine Erfahrung beim Versorgen von Endkunden mit Kommunikationsdienstleistungen und könnten sich hier mit den ISP kurzzschließen.

Diese wiederum könnten, kooperierten sie mit den Versorgern, eine weitere Ebene der Wertschöpfungskette bedienen, ohne selbst groß ins Netz investieren zu müssen. Die Internetanbieter würden dadurch auch nicht zwingend mit dem Geschäftsmodell der EVU in Konflikt geraten, so die Studie. Als Finanzierungspartner für dieses Modell kämen laut RTR beispielsweise Pensionsfonds in Frage. Wie EVU investierten auch diese langfristig. Serentschy sprach heute jedenfalls von einer "Rückkehr der Energieversorger in die Arena". Schon in den nächsten Tagen könnte zu diesem Thema etwas publik werden, deutete der RTR-Chef an.

In Wahrheit sind die Energieversorger bereits "in der Arena", wenn auch bislang mit bescheidenem Erfolg: Schon länger bietet etwa Wien Energie mit Blizznet ein Glasfaser-Netz auch für Endkunden an (siehe auch "Blizznet realisiert Gigabit-"Open Access"-Glasfasernetz für den Großraum Wien").

Modell zwei sieht vor, die Kosten für Glasfaserverkabelung bei Neu- und Umbauten zu fördern. Im Gegenzug sollten die Wohnbaugesellschaften bzw. Förderungsempfänger verpflichtet werden, einen offenen Zugang zu gewähren. Bei Wohnbauprojekten im ländlichen Gebiet sollte auch die Gemeinde miteinbezogen werden.

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