Jens Leuchters, Interoute: "Der Preisdruck ist extrem" Detail - Computerwelt

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03.02.2010 Rudolf Felser

Jens Leuchters, Interoute: "Der Preisdruck ist extrem"

Der weltweite Bandbreitenbedarf wird immer höher. Dennoch haben die "Bandbreiten-Produzenten" nichts zu lachen, denn die Preise sinken schneller als die Nachfrage wächst.

Interoute betreibt ein eigenes Glasfasernetz in 25 Ländern auf einer Länge von 55.000 km sowie acht Hochsicherheitsrechenzentren. Das Management geschäftskritischer Infrastrukturen steht hierbei im Fokus. Im Datacenterbereich bietet Interoute virtuelles Hosting sowie Managed Dedicated Hosting mit Firewalls, Load Balancern, Web-Servern, Application-Servern, Datenbank-Servern, Storagelösungen und Cluster-Konfigurationen. Über das eigene Next Generation Network (NGN) können Kundenstandorte technologieunabhängig mit VPLS, MPLS, Ethernet, SDH oder xDSL miteinander verbunden werden, außerdem werden VoIP Services via SIP, OCS und TDM Trunking angeboten. Über sein Content Delivery Network (CDN) ermöglicht das Unternehmen die Verbreitung von Live- und On-Demand Streaming sowie Downloads mit hohen Transferraten.

Interoute ist im Carrier. (bzw. Wholesale-) und im Enterprise-Bereich tätig. Zwei Felder mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften, wie Jens Leuchters, Geschäftsführer von Interoute Austria, im Gespräch mit Computerwelt.at erklärt. "Infrastruktur-Anbieter können Sie mit dem produzierenden Gewerbe vergleichen. Wir sind Bandbreiten-Produzenten. Wir bedienen den Carrierbereich, der uns auch hilft Netze zu bauen, aber auch den Enterprise-Bereich, um die notwendigen Margen zu generieren. Unser Vorteil ist, dass wir einen großen Teil unserer Umsätze in der Enterprise-Sparte generieren."

Bei den Carriern sei schon lange kein Blumentopf mehr zu gewinnen, die Preise für Bandbreite sind dort Leuchters zufolge mittlerweile ins Bodenlose gesunken. "Das Spannungsfeld im Wholesale-Bereich hat in diesem Jahr dazu geführt, dass wir uns neu strukturiert haben. Wir haben eine eigene Business-Unit gegründet, die autark und getrennt vom Enterprise-Business den Wholesale-Bereich betreut." Dabei wurde Leuchters zufolge keine "komplette Parallelwelt" aufgebaut: "Wir haben nur den Sales-Arm rausgenommen, Supporter, etc. haben wir beisammen gelassen."

BEDARF STEIGT, ABER PREISE SINKEN Wachstum gibt es laut dem Interoute-Geschäftsführer nur im Enterprise-Segment, der Carrier-Bereich stagniert bzw. ist sogar leicht rückläufig: "Der Preisdruck ist extrem. Ein Kunde, der vor drei Jahren drei mal drei Gbit mit Ethernetschnittstelle bestellt hat, hat damals monatlich 45.000 Euro dafür bezahlt. Jetzt gibt es die selbe Strecke für knapp 20.000 Euro. Wenn ich diesen Rückgang wettmachen will, muss ich ein Vielfaches an Dienstleistungen verkaufen. Im Carrierbereich von Wachstum zu sprechen ist schwierig." Die Entwicklung verlaufe sehr analog zur Talfahrt der Preise bei den Sprachminuten im Mobilfunk. "Irgendwann wird es ruinös. In dieser Situation muss man sich überlegen ob es Sinn macht ein Produkt zur Verfügung zu stellen – oder nicht", so Leuchters gegenüber Computerwelt.at.

Diese Situation wird auch durch den stetig steigenden Bandbreitenbedarf (noch) nicht verbessert. "Im Verhältnis steigt der Bedarf nicht in dem Maße, wie die Preise sinken. Es wäre schön eine Par-Situation zu erreichen, wie es vor einigen Jahren im PC-Markt der Fall war: Der Preis geht nicht runter, aber der Kunde bekommt mehr für sein Geld. Wenn zumindest der Preis stabil bleiben würde. Aber ich muss bei sinkenden Preisen mehr Kapazität bereitstellen."

Was tut das Unternehmen, um aus diesem Spannungsfeld zu entkommen? "Man muss sehen, was man stattdessen macht. Für uns ist der komplette Channel-Vertrieb wichtig. Wir bauen große Netze mit dem Carrier-Bereich und versuchen das Netz mit Traffic aus dem Enterprise-Bereich zu füllen. Außerdem wollen wir für Carrier, die vielleicht noch gar nicht im Enterprise-Geschäft tätig sind, Whitelabel-Produkte anbieten, die sie dann selbst vermarkten können", antwortet Leuchters. (rnf)

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