Magistrat Wien zieht Open-Source-Lösung vor Detail - Computerwelt

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10.02.2010 Oliver Weiss

Magistrat Wien zieht Open-Source-Lösung vor

Im Rahmen der Aktualisierung der E-Gov-Suite hat die Stadt Wien bestehende Systeme durch die Open-Source-Produkte Red Hat Enterprise Linux Server und PostgreSQL ersetzt.

Im Magistrat der Stadt Wien ist der Standard-ELAK (elektronischer Akt) auf Basis der Fabasoft E-Gov-Suite bereits im Einsatz. Im Rahmen der E-Government-Strategie Österreichs und der Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie müssen die Voraussetzungen zur Einhaltung neuer gesetzlicher Bestimmungen geschaffen werden. Dazu zählt beispielsweise die duale Zustellung oder die Amtssignatur, die seit 1. Jänner 2010 gesetzlich verpflichtend sind. Im Rahmen der geplanten Softwareaktualisierung auf die Version 7.0 der E-Gov-Suite sollte auch die bestehende Infrastruktur einer kritischen Würdigung unterzogen werden, um mögliche Einsparungs- und Vereinfachungspotenziale aufzufinden und eine geeignete Basis für die Umsetzung der gesetzlichen Regelungen zu schaffen. Dafür suchte das Magistrat der Stadt Wien eine hochverfügbare, hochskalierbare Softwarearchitektur. Zusätzlich sollte für die Benutzer eine komfortable, einfache Volltextsuche zur Verfügung gestellt werden.

Nach umfangreichen Tests entsprachen die Produkte Red Hat Enterprise Linux Server und PostgreSQL den Anforderungen der Stadt Wien im Hinblick auf hohe Skalierbarkeit, Clustering, Ausfallsicherheit oder Kostenreduktion in Kombination mit der E-Gov-Suite am besten. Im Rahmen einer Software-Aktualisierung wurde die vorhandene Systemsoftware gegen Red Hat Enterprise Linux Server ausgetauscht und die bestehende Datenbanklösung durch PostgreSQL ersetzt – zur Effizienzsteigerung und Kostenreduktion. Für eine bequeme Volltextsuche wurde das Fabasoft-Produkt Mindbreeze Enterprise Search in den ELAK integriert.

INTENSIVE TESTS IM VORFELD Zur Erfüllung der Anforderungen und für möglichst präzise Testergebnisse wurde die Infrastruktur hinsichtlich möglicher Alternativen und Kosteneinsparungen analysiert und die bestehenden Konzepte zu Back-up und Recovery samt Tests, Performance Lab, Clustering oder Machbarkeitsstudien bezüglich der Hardware adaptiert. Fabasoft leistete dabei erhebliche Forschung und Entwicklungsarbeit. Es entstand ein völlig neues Testverfahren (24 Stunden Aufzeichnung der Benutzeraktivitäten) zur Sicherstellung eines reibungslosen Betriebs nach Systemumstellungen. Zuerst wurde ein Backup des vorhandenen Datenbestandes aus dem ELAK erstellt. Danach erfolgte die Aufzeichnung aller Benutzeraktivitäten über 24 Stunden aus dem Echtbetrieb und mit Fabasoft DUCXtest die Transformation der Tätigkeiten in eine abspielbare, automatisierte Form. Die erfassten Benutzeraktivitäten konnten so basierend auf dem Backup auf unterschiedlichen Betriebssystemen in Testreihen abgespielt werden.

Auch Extremsituationen wie das Abspielen der Use-Cases in vierfacher Geschwindigkeit wurden simuliert, um die Belastungsgrenze des Systems auszuloten. Ferner stellte ein ausgewählter Benutzerkreis Situationen des Echtbetriebes nach und unterzog das Testsystem einer weiteren Belastungsprobe. Fabasoft leistete bei der Entwicklung des Testverfahrens »24 Stunden Aufzeichnung« Pionierarbeit. Damit können bedeutende Erkenntnisse über die tatsächlichen Nutzungs- und Lastenprofile (zum Beispiel Klickverhalten) gewonnen und Adaptionen in den Systemen besser und rascher vorgenommen werden. In der ersten Entwicklungsstufe wurde noch ein erheblicher Anteil an Schritten manuell ausgeführt, die zukünftig automatisiert ablaufen.

Nach Abschluss der Tests entschied das Magistrat der Stadt Wien im Rahmen des Upgrades ein Red Hat Enterprise Linux Server System einzusetzen und die Datenbank in PostgreSQL zu überführen. Seit 15. Dezember 2008 läuft der ELAK auf den Open-Source-Produktlösungen mit der E-Gov-Suite 7.0. Bestehende Fachanwendungen, wie »eBezahlen« oder »Adress- und Grundbuchservices (GIS)« wurden auf Java umgeschrieben und über eine SOAP-Schnittstelle in den ELAK integriert. Für die Volltextsuche steht Mindbreeze seit 22. Dezember 2008 zur Verfügung.

Durch die intensive Vorbereitungsphase und die umfangreichen Tests konnte die Überführung der Datenbestände in die PostgreSQL-Datenbank sowie das Upgrade der Fabasoft E-Gov-Suite an nur einem Wochenende durchgeführt werden. Ein Wochenende später erfolgte die Produktivsetzung von Mindbreeze Enterprise Search. Mit der Einführung von Mindbreeze Enterprise Search steht den Mitarbeitern nun eine bequeme Recherchemöglichkeit zur Verfügung. Das Magistrat der Stadt Wien hat damit die Basis für die benötigten E-Government-Funktionalitäten geschaffen und verfügt darüber hinaus über eine hoch skalierbare Softwarearchitektur.

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