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25.03.2010 Rudolf Felser

Mobiles Breitband bleibt hinter Werbeversprechen zurück

Ein Vergleichstest des Vereins für Konsumenteninformation zeigt, dass beim Thema mobiles Breitband zwischen Werbeversprechen und Realität weiterhin Welten liegen.

Ob im Zug, Park oder Kaffeehaus - der mobile Breitbandzugang ermöglicht "Arbeit, Spaß und Spiel" wo immer es beliebt. Mit einem "wieselflinken", "sagenhaft günstigen" Surferlebnis lockt so mancher Anbieter. Doch Werbeslogans wie "ohne Datenbremse", "viel downloaden, wenig zahlen" oder "überall und übergünstig" halten nicht immer, was sie versprechen. Das zeigt ein Vergleichstest des Vereins für Konsumenteninformation (VKI), der zehn Angebote (Vertrag und Wertkarte) der vier nationalen Netze auf Geschwindigkeit, Handhabung und Kosten untersucht hat.

Unerwartet niedrige Geschwindigkeit, Verbindungsabbrüche und teils hohe Kosten bei Überschreitungen: Das ist die andere Seite des mobilen Breitband - abseits der schönen neuen Werbewelt. "Mobiles Breitband ist derzeit kein vollwertiger Ersatz für das Internet über Kabel oder Telefonleitung. Meist heißt es nur Schmalspur statt Breitband. Denn bei keiner einzigen Messung erreichten die mobilen Internetzugänge die in Aussicht gestellte Geschwindigkeit bei Down- und Upload. Statt mit Hochgeschwindigkeit am Datenhighway zu brausen, bleibt man im Datenstau stecken", kritisiert VKI-Geschäftsführer Franz Floss. Allerdings muss man dem entgegen halten, dass auch Anbieter von kabelgebundenen Internetzugängen nicht immer die Bandbreiten liefern (können), die sie lautstark bewerben.

Der dennoch starke Kontrast zwischen Schein und Sein ist auch Peter Kolba, Leiter des Bereichs Recht im VKI, ein Dorn im Auge: "Wenn bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde versprochen werden, aber nicht einmal ein Drittel dessen erreicht wird - ohne dass in der Werbung deutlich darauf hingewiesen wird - bewegt man sich bereits hart an der Grenze zur irreführenden Werbung. Hier prüfen wir Klagen nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb."

Trotz der harschen Kritik gibt es auch einen Testsieger: "A1 netbook + Premium 5 GB" setzte sich im Gesamtranking durch und konnte besonders bei der Geschwindigkeit punkten - bei der Überschreitung des fünf GB Transferlimits werden laut VKI allerdings Kosten von 102,40 Euro pro GB fällig. Auf den hinteren Rängen finden sich "bob breitband 1 GB", "yesss Mobiles Internet Starterpaket" und "tele.ring free WILLI" mit dem Testurteil "durchschnittlich". "Wir investieren in die Qualität und den Ausbau unseres Netzes: sowohl in HSPA+ als auch in die Anbindung unserer Basisstationen an das hochleistungsfähige Glasfasernetz. Das Ergebnis des aktuellen Tests zeigt, dass unsere Netz-Innovationen sich für unsere Kunden bezahlt machen", freut sich Hannes Ametsreiter, Generaldirektor des Testsiegers Mobilkom Austria und Telekom Austria in einer Aussendung.

IM DATENSTAU Eine enorme Diskrepanz zwischen Werbung und Wirklichkeit stellten die Tester bei den Downloadgeschwindigkeiten fest. Die Anbieter von mobilem Breitband versprechen zwar Downloadraten von "bis zu" 7,2 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Die getesteten Produkte von Yesss, T-Mobile, Drei ("3Data Laptop 5 GB") und der Telekom Austria erreichten im gut ausgebauten Stadtgebiet jedoch im Durchschnitt nur ein Drittel der ausgelobten Geschwindigkeit. Absolut gesehen lieferten Orange ("netbook + Mobiles Internet"), Yesss ("Mobiles Internet Starterpaket") und Telering (free WILLI) die schlechtesten Messergebnisse und erhielten in dieser Kategorie dafür ein "nicht zufriedenstellend". A1 hängte die Konkurrenz hingegen mit den höchsten Spitzengeschwindigkeiten und den kürzesten Einbrüchen ab.

Wortwörtlich unverbindlich sind "bis zu"-Angaben auch in anderer Hinsicht. Denn sie enthalten nicht die Garantie, dass an dem Ort, an dem das Internet benötigt wird, überhaupt eine Verbindung zustande kommt. Der Testversuch, eine 28 MB große Programmdatei herunterzuladen, gelang an allen Standorten mit keinem der vier Provider auf Anhieb. Bei Drei waren mitunter gleich drei Versuche notwendig, da der Download wiederholt zum Stillstand kam. Aus 28 MB wurden so 50 MB verbrauchtes Datenvolumen.

"Heikel sind Downloads von Dateien mit einer Größe von mehr als 100 MB, weil hier die Wahrscheinlichkeit eines ungewollten Abbruchs besonders hoch ist. Allein der aktuelle Adobe Reader hat aber mehr als 200 MB", informiert Testleiter Paul Srna. "Schon eine kleine örtliche Veränderung, ob nun im Kaffeehaus oder in der Wohnung, kann aber den Empfang deutlich verbessern. Hilfreich ist auch ein USB-Verlängerungskabel, mit dem man den Stick in Fensternähe platzieren kann. Wer vorrangig in den eigenen vier Wänden mobil sein möchte, sollte aber besser in einen WLAN-Router investieren."

TEURE ÜBERSCHREITUNGEN UND ROAMING Die Frage nach dem günstigsten Anbieter ist heikel, da die monatlichen Kosten vom gewählten Tarifmodell beziehungsweise vom real verbrauchten Datendurchsatz abhängen. Bei den Einmalkosten fallen hier in der Mehrheit zwischen 50 und 60 Euro an. Die Kosten für ein Gigabyte reichen bei den Verträgen von rund zwei Euro ("3Data Laptop 5 GB") bis rund acht Euro ("T-Mobile") - wenn man das inkludierte Datenvolumen auch ausnützt. Bei den Wertkarten (Drei, Yesss und Telering) sind die Kosten pro GB mit 20 Euro zwar höher, böse Überraschungen beim Überschreiten des Datenvolumens aber ausgeschlossen. Anders bei den Verträgen: Drei und A1 verrechnen bei einer Überschreitung von einem GB einen Aufschlag von 102,40 Euro, der Rest drosselt auf ein Schneckentempo.

"Die Frage nach dem günstigsten Anbieter ist also auch eine Frage der Nutzung. Sofern man mobiles Breitband als Ergänzung für unterwegs verwendet, ist die Wertkarte ohne monatliche Fixkosten oft die sinnvollere Variante. Wer dieses vorrangig und regelmäßig nutzt, fährt in der Regel mit einem Vertrag besser", so Srna. "Grundsätzlich sollte dabei für den durchschnittlichen User eine Downloadgeschwindigkeit von 1 Mbit/s und eine Datenmenge von fünf GB im Monat vollkommen ausreichen."

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