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09.04.2010 Rudolf Felser

Handy-Strahlung wieder Thema

Ende vergangenen Jahres wurde in Italien der Fall des Managers Innocente Marcolini verhandelt, der seiner beruflichen, intensiven Nutzung von Festnetztelefonen und Handys die Schuld für seine Tumorerkrankung gibt.

Das Berufungsgericht in Brescia hat erstmals einen kausalen Zusammenhang zwischen Tumorerkrankung und Exposition von elektromagnetischen Feldern von Mobiltelefonen sanktioniert, legte Eva Marsálek von der Plattform Mobilfunk-Initiativen am Freitag ihren Standpunkt dar.

Das italienische Nationale Institut für Versicherung gegen Arbeitsunfälle (INAIL) sei verurteilt worden, den Manager Innocente Marcolini finanziell zu entschädigen, so die Plattform in einer Aussendung. Die langjährige berufliche, 5 bis 6 Stunden lange, tägliche Verwendung von Schnurlos- und Mobiltelefon wäre zumindest Mitverursacher für den Tumor am Trigeminus-Nerv des 57-jährigen. "Potenzielle Gesundheitsschäden durch elektromagnetische Felder werden von Betriebshaftpflichtversicherungen bzw. internationalen Rückversicherungen bis dato explizit von der Deckung ausgeschlossen", so Marsálek. Somit sei das Handy-Urteil nicht nur von Brisanz für Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter mit Schnurlos- und Mobiltelefonen ausstatten, sondern auch für die Allgemeine Unfallversicherung AUVA.

"Die Menschen sind viel zu sorglos bei der Nutzung ihres Mobiltelefons, obwohl ein Krebsrisiko bei intensiver und langjähriger Nutzung evident ist", gab's Rückendeckung von Hanns Moshammer, dem Vorsitzenden des Vereins Ärzte für eine gesunde Umwelt. Dabei hätte die Wiener Ärztekammer bereits vor Jahren die "10 medizinischen Handy-Regeln" (PDF-Download) herausgegeben - oberstes Gebot dabei: Festnetz nutzen, wo und wann immer möglich. Auch die Ärztekammer meldete sich zu Wort. Der Referent für Umweltmedizin der Ärztekammer für Wien, Erik Huber, nimmt das Thema nicht auf die leichte Schulter: "Solange wir nicht valide Langzeitdaten haben, müssen wir im Sinne einer optimalen Gesundheitsvorsorge weiterhin eindringlich davor warnen, zu sorglos mit dem Thema Mobiltelefonie umzugehen."

WARNHINWEIS AUF HANDY-PACKUNG Gesetze, wonach Mobiltelefone mit einem Hinweis auf die mögliche Gesundheitsgefährdung versehen werden müssen, seien längst überfällig, so die Plattform Mobilfunk-Initiativen in ihrer Aussendung. So verlange das europarechtlich verankerte Vorsorgeprinzip, dass vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden müssten, sobald "der glaubwürdige Nachweis erbracht wurde, dass eine bestimmte Handlung die Umwelt belasten könnte - was auch für Gesundheitsfolgen gilt".

"Dieses Vorsorgeprinzip wird von den Verantwortlichen allerdings seit Jahren unter den Tisch gekehrt. Für Senderanrainer verlangt der Umweltdachverband die Verankerung des so genannten 'Salzburger Vorsorgewertes' von einem Milliwatt pro Quadratmeter Strahlenbelastung für ganz Österreich", forderte Michael Proschek-Hauptmann, Geschäftsführer des Umweltdachverbandes. Außerdem würden nicht alle Handies gleich strahlen. Je nach Modell ergäben sich Unterschiede bis zu mehr als dem Zehnfachen. "Um die Konsumenten besser zu informieren und zu schützen, sind daher konsequente Labelings gefordert, die den SAR-Wert explizit - insbesondere auch auf der Handy-Verpackung - ausweisen."

GRÜNE KRITISIEREN REGIERUNG "Spätestens nach dem aktuellen, richtungsweisenden italienischen Urteil, in dem der Zusammenhang von Tumorerkrankungen und langjähriger Nutzung von Schnurlos- und Mobiltelefon anerkannt wurde, muss die Missachtung des Vorsorgeprinzips und die generelle Untätigkeit der Regierung in Sachen Gesundheitsgefahren durch Mobilfunk ein Ende haben. Ignoranz gegenüber Warnungen, wie sie die Regierung seit Jahren an den Tag legt, kann hohe Kosten und weitreichende Haftungsfragen nach sich ziehen. Insbesondere Verkehrsministerin Bures muss nun endlich den Schutz der Gesundheit vor elektromagetischer Strahlung ernstnehmen und darf die Hände nicht länger in den Schoß legen", nutzte Gabriela Moser, Infrastruktursprecherin der Grünen, die Gelegenheit um Kritik an der Regierung zu üben.

"Das Verharmlosen kritischer Studien im Einklang mit den Wünschen der Mobilfunk-Lobby leistet dem gesundheitlich sehr bedenklichen 'Feldversuch Mobilfunk' Vorschub und muss besser heute als morgen beendet werden. Der dafür benützte 'Wissenschaftliche Beirat Funk' ist aufzulösen - nebenbei ein kleiner aber feiner Beitrag zur Budgetentlastung", so Moser kampfeslustig. Auch die "Geheimhaltungs-Taktik des BMVIT" sei völlig anachronistisch: Durch das Löschen wichtiger Daten von Mobilfunk-Anlagen werde der Grünen-Politikerin zufolge jede wissenschaftliche Beweissicherung unmöglich gemacht.

FMK KONTERT Das bei der Pressekonferenz präsentierte italienische Gerichtsurteil zur Handy-Nutzung sei nicht rechtskräftig, konterte die Branchenorganisation Forum Mobilkommunikation (FMK) rasch. Die beklagte Partei hätte bis Anfang Mai Zeit, Rechtsmittel gegen den Berufungsentscheid einzulegen. Im ersten Verfahren wäre der Antrag des Klägers aufgrund eines fehlenden Kausalzusammenhangs abgelehnt worden, der Richter hätte sich damals den Ausführungen des amtlichen Gutachters angeschlossen. Der Versuch, mit einem "für Österreich nicht zuständigen Gericht, überzogene Warnungen und Verunsicherung in der Bevölkerung zu verbreiten ist unseriös", so das FMK. Ein wissenschaftlich fundierter, kausaler Zusammenhang zwischen den elektromagnetischen Feldern des Mobilfunks und negativen gesundheitlichen Auswirkungen sei nicht nachgewiesen.

Das FMK verweist auf den – von Mobilfunkkritikern in der Ärzteschaft hinterfragten – "international anerkannten wissenschaftlichen Kenntnisstand". Dieser werde regelmäßig überprüft, "wie zuletzt etwa durch das einschlägige wissenschaftliche Komitee der EU-Kommission, SCENIHR, oder den österreichischen Wissenschaftlichen Beirat Funk im Verkehrsministerium (Anm.: Das ist jener Beirat, den die Grüne Gabriela Moser gerne einsparen würde), die beide zu dem Schluss kommen, dass bei Einhaltung der Grenzwerte, keine gesundheitliche Gefahr im Umgang mit Mobilfunk zu erwarten ist". (rnf/pi)

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