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22.04.2010 Alex Wolschann/apa/Rudolf Felser

Mobilfunk: Kein Hinweis auf Gesundheitsgefährdung

Aus der wissenschaftlichen Literatur des Jahres 2009 weltweit lassen sich keine neuen Hinweise auf eine gesundheitliche Beeinträchtigung durch den Mobilfunk ablesen.

Aus der wissenschaftlichen Literatur des Jahres 2009 weltweit lassen sich keine neuen Hinweise auf eine gesundheitliche Beeinträchtigung durch den Mobilfunk ablesen. Dieses Statement gaben Sprecher des "Wissenschaftlichen Beirats Funk" des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie ab. 129 Studien hat das Gremium gesichtet und bewertet.

"Alles in Allem sind wir zu dem Gesamtergebnis gekommen, dass es bei Einhaltung der gültigen Grenzwerte keinen wissenschaftlichen Nachweis für eine Gesundheitsgefährdung durch den Mobilfunk gibt", sagte der Vorsitzende des Gremiums, Norbert Vana. Offene Fragen seien aber die Schaffung von Modellen für wissenschaftliche Untersuchungen, Studien zu Langzeiteffekten und speziell Studien bei Kindern. Vana: "Die Exposition (gegenüber elektromagnetischen Strahlen, Anm.) liegt beim Handy bei einigen Prozent, durch die Sendestationen bei einem Tausendstel der Grenzwerte."

Man dürfe Überlegungen zu Sicherheit oder Risiko des Mobilfunks auch nicht an einzelnen Studien festmachen. Vana: "Im Jahr 2001 hat eine deutsche Gruppe einen möglichen Zusammenhang mit Augenmelanomen publiziert. Die selbe Gruppe hat ihre Studie im Jahr 2009 wiederholt und kam zum Schluss, dass es keinen Zusammenhang (zwischen Melanomen des Auges und der Verwendung von Handys etc., Anm.) gibt." Man hätte die ersten Daten falsch ausgelegt.

Auch reine Laboruntersuchungen sind zumeist nicht aussagekräftig. So zeigte eine wissenschaftliche Studie im vergangenen Jahr eine signifikante Verringerung der Vitalität und Beweglichkeit von Spermien, wenn man sie bei 21 Grad Celsius 16 Stunden lang mit elektromagnetischen Feldern hoher Frequenz bestrahlte.

Der Wiener Arbeitsmediziner Christian Wolf: "Man kann Ergebnisse von Zelluntersuchungen nicht auf den Gesamtorganismus übertragen. (...) Niemand wird seine Hoden in Wasser mit 21 Grad Celsius hängen und 16 Stunden vom 'Handy' bestrahlen lassen." Probandengruppen hätten bei verblindeten Tests bezüglich der Befindlichkeit, Nervosität, Schlafstörungen und kognitiven Fähigkeiten noch nie unterscheiden können, ob sie nun Handymasten-Strahlung wirklich ausgesetzt gewesen wären oder nicht.

KRITIK VERSTUMMT NICHT Kritik zu den Aussagen des "Wissenschaftlichen Beirats Funk" bei einer Pressekonferenz am Donnerstag übte die Infrastruktursprecherin der Grünen, Gabriele Moser, in einer Aussendung. Sie sprach unter anderem von "Verharmlosungs-PR". Es läge kein "gültiger Grenzwert" für die Exposition gegenüber elektromagnetischen Wellen vor, "weil entgegen der Ankündigung von SPÖ und ÖVP im Regierungsprogramm dem Gesetzgeber keinerlei Grenzwertvorschlag vorgelegt wurde", so Moser.

"Unverbindliche Vornormen könnten dies nicht ersetzen - die Regierung ist hier gegenüber der Bevölkerung und gegenüber der EU säumig, auch wenn dies beharrlich in Abrede gestellt wird", erklärte Gabriele Moser weiter. Der Beirat beim Ministerium für Verkehr, Innovation und Technologie sollte aufgelöst werden, erneuerte sie ihre bereits kürzlich aufgestellte Forderung (siehe auch "Handy-Strahlung wieder Thema").

Auch für die Ärztekammer ist es nach wie vor "ein Gebot der Stunde, im Sinne eines umfassenden Vorsorgegedankens vor unnötiger Exposition mit Mobilfunkstrahlen eindringlich zu warnen". Ärztekammerpräsident Walter Dorner nimmt Bezug auf die Aussagen des Wissenschaftlichen Beirats Funk, dass der Inhalt der vorgelegten Studien noch "keine eindeutige Aussage über Gefährlichkeit oder Ungefährlichkeit einer Exposition gegenüber Mobiltelefonie in Bezug auf das Risiko für Hirntumore, Leukämie, Morbus Alzheimer und Brustkrebs" erlaubt.

Nach wie vor sei die Datenlage "zu dünn", um eine Entwarnung zu geben, so der Ärztekammerpräsident. Dies treffe insbesondere auf Kinder und Jugendliche zu. Dorner: "Sogar der Wissenschaftliche Beirat Funk musste zugeben, dass im Berichtszeitraum keine spezifischen Studien zur Kindergesundheit vorliegen." In diesem Zusammenhang kritisiert Dorner massiv die Werbepolitik einer Lebensmittelkette, die Handys speziell für Kinder anbietet und somit frühzeitig zu hoher Exposition mit Mobilfunkstrahlen konditioniert. (apa/aw/rnf)

 

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