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30.04.2010 Alex Wolschann/apa

Experten sehen Umbruch im Mobilfunk

Im Krisenjahr 2009 haben die Handynetzbetreiber zum Teil stark gelitten, die Umsätze stagnierten bestenfalls. Für die notwendige Butter aufs Brot könnten Apps und Co. - also die mehr oder minder praktischen Anwendungen, die durch das iPhone einer breiten Masse bekannt geworden sind - sorgen.

Im Krisenjahr 2009 haben die Handynetzbetreiber zum Teil stark gelitten, die Umsätze stagnierten bestenfalls. Für die notwendige Butter aufs Brot könnten Apps und Co. - also die mehr oder minder praktischen Anwendungen, die durch das iPhone einer breiten Masse bekannt geworden sind - sorgen. Allerdings haben die Mobilfunker diese Entwicklung verschlafen, gaben sich Experten bei einer Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community in Wien überzeugt.

"Die hohe Nachfrage nach mobilen Datendiensten könnte den Rückgang der Sprachumsätze kompensieren. Eine Umsatzsteigerung insgesamt ist allerdings nicht zu erwarten", so Clemens Schwaiger von Arthur D. Little Österreich. Getrieben werde der Markt derzeit von Smartphones und Datendiensten. Zwar müssten die Handynetzbetreiber den Geräteherstellern viel an "Stützung" zahlen - Stichwort "Null-Euro-Handy"-, andererseits würden Smartphone-Nutzer zwei- bis dreimal so hohe Umsätze generieren wie andere Handy-Telefonierer.

Bis zum Jahr 2015 würden jedenfalls 60 Prozent aller Mobilfunkkunden in Europa ein Smartphone verwenden. In Österreich seien es derzeit etwa 32 Prozent. Die mobilen Datendienste sollten in diesem Zeitraum jährlich um 25 Prozent wachsen, sagte Schwaiger. Gute Aussichten für die derzeit boomenden Apps, sollte man meinen. "Die Mobilfunker werden alles tun, um von diesem neuen Markt zu profitieren", erklärte der Berater.

Handynetzbetreiber sollten sich aber nicht nur auf das iPhone verlassen, sondern verstärkt Smartphones anderer Hersteller anbieten. "Damit reduzieren sie ihre zunehmende Abhängigkeit vom Ökosystem 'Apple' und verbessern die Profitabilität", so Schwaiger. Die Mobilfunker selbst würden derzeit großteils keinen Einstieg ins Contentgeschäft planen oder entsprechende neue Dienste anbieten. "Als reine Zugangsanbieter sehen sie sich aber auch nicht", erklärte der Experte.

"Die Industrie hat zehn Jahre darüber nachgedacht, wie Anwendungen aussehen oder funktionieren könnten. Aber erst wenn die Mobilfunker von außen jemand darauf hinweist, wie etwas gemacht werden kann, funktioniert das Geschäftsmodell", kritisierte Rainer Friedl vom Consulter diamond:dogs. Er sieht das Google-Handybetriebssystem Android "als das Linux der Zukunft" und insgesamt viel Potenzial für lokale Entwickler von Apps, "denn jeder Markt hat seine spezifischen Anforderungen".

Es sei zwar einiges probiert worden, so Thomas Wedl von Cellular, einem Anbieter von mobilen Anwendungen. Allerdings hätten die Handynetzbetreiber das Thema wirklich etwas verschlafen. Es stelle sich die Frage, ob Telekom-Unternehmen langfristig die Chance hätten, an den Einnahmen zu partizipieren, oder ob sie nur als Zugangsanbieter fungieren würden. Er ortet eine gewisse Verunsicherung in Österreich "auf was man setzen soll". Groß sei die Zurückhaltung auch in der Medienindustrie.

Durch das iPhone sei ein zartes Interesse der Verlage geweckt worden, im iPad werde schon eine "riesengroße Chance" gesehen, sagte Robert Schweinzer von APA-MultiMedia. Der Tablet-Computer könnte eine neue Form von Zeitung ermöglichen. Er glaube jedenfalls an Paid Content, allerdings brauche es dazu entsprechende Geschäftsmodelle. "Den Mobilfunkern bleibt - pessimistisch betrachtet - nur mehr übrig, Datenpakete und SMS zu verkaufen. Wer kennt schon Apps von Telcos?", so Schweinzer.

Die Mobilfunker könnten bei neuen Diensten sehr wohl mitmischen. Schließlich würde ihnen eine hohes Maß an Vertrauen entgegengebracht, gab sich Engelbert Kerschbaummayr von Kapsch CarrierCom überzeugt. Als mögliche Anwendungen sieht er Identitätsmanagement, Sicherheitslösungen oder E-Health. Allerdings würden sich neue Player in die vormals geschützte Wertschöpfungskette der Betreiber drängen: die Hersteller von Apps und Content-Provider.

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