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01.06.2010 Rudolf Felser

Theater- und Veranstaltungsbranche kämpft um digitale Dividende

Ein kleiner Teil der digitalen Dividende wird von Funkmikrofonen genutzt. Die Branche befürchtet massive Störungen durch Mobilfunk und wirtschaftlichen Schaden durch fehlende Planungssicherheit von Großveranstaltungen.

Durch die Umstellung des terrestrischen Fernsehens auf digitale Übertragung wurde im Bereich 790 bis 862 MHz die "digitale Dividende" frei. Mobilfunker wie auch Rundfunkbetreiber beanspruchen die frei werdenden Frequenzen für sich. Aber auch drahtlose Mikrofone benutzen weltweit denselben Frequenzbereich wie TV-Sender. Der Theater- und Veranstaltungsbranche passt es daher überhaupt nicht, dass von Verkehrsministerin Bures und Staatssekretär Dr. Ostermayer Ende April entschieden wurde, die Digitale Dividende der Mobilfunkbranche zuzuteilen und an diese zu versteigern.

Denn der Frequenzbereich von 790 bis 862 MHz ging somit für die TV-Sender verloren. Dies bedeutet aber gleichzeitig auch für alle Nutzer drahtloser Mikrofone, die bisher ebenfalls in diesem Bereich gearbeitet haben, den Verlust von rund 60 Frequenzen, auf denen Funkmikrofone bisher eingesetzt werden konnten. Die Folgen seien "fatal", warnt die die Österreichische Theatertechnische Gesellschaft (OETHG) in einer Aussendung, würden doch Funkmikrofone "nicht nur im Theater, auf Musicalbühnen, in Konferenzsälen, in Radio- und TV-Studios, bei Open-Air-Veranstaltungen oder auf Film-Sets eingesetzt, sondern auch bei Veranstaltungen in Einkaufszentren, bei Sportveranstaltungen, bei Wahlveranstaltungen, in den Mehrzweckhallen der Städte oder in den meisten Kirchen". Aber auch Funkkopfhörer und drahtlose Hörhilfen seien davon betroffen, so die OETHG.

Knapp 25 Prozent aller in der gesamten österreichischen Veranstaltungsbranche verwendeten drahtlosen Mikrofone haben laut OETHG in diesem Frequenzbereich gearbeitet und dürfen dort künftig nicht mehr eingesetzt werden. "Damit verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen dieser Branche, aus der drahtlose Mikrofone nicht mehr wegzudenken sind, ganz drastisch", so die Organisation in einer Aussendung.

DIE DETAILS Alle bisher im Bereich der digitalen Dividende arbeitenden Funkmikrofone müssen zu Frequenzen unterhalb von 790 MHz ausweichen. Damit gehen rund 60 nutzbare Frequenzen, auf denen sie bisher eingesetzt werden konnten, verloren. Im Bereich unterhalb von 790 MHz ergibt sich damit eine laut OETHG "deutliche Erhöhung der Nutzungsdichte der Frequenzen und damit auch eine geringere Störsicherheit".

Auch in Deutschland war die digitale Dividende der vorwiegend genutzte Frequenzbereich für drahtlose Mikrofone. Da nun in diesem Bereich nicht mehr gearbeitet werden darf, müssen alle deutschen Veranstaltungsfirmen nicht nur neue Geräte anschaffen, sondern auch genau in jenen Frequenzbereich ausweichen, in dem ohnedies schon jetzt 75 Prozent der österreichischen Funkmikrofone arbeiten, was die Nutzungsdichte noch einmal erhöht. Denn viele dieser deutschen Firmen werden mit der Durchführung großer Events in Österreich beauftragt. "Zahlreiche deutsche Firmen arbeiten daher ständig in Österreich, wodurch die Frequenzknappheit noch deutlicher spürbar ist", so der OETHG weiter.

Die Theater- und Veranstaltungsbranche stellt daher an das Verkehrsministerium und die Rundfunk- und Telekom- Regulierungsbehörde RTR als die für die Frequenzzuteilung zuständigen Behörden Forderungen, um "unter den neuen Umständen der Theater- und Veranstaltungsbranche ein einigermaßen störungsfreies Arbeiten und vor allem Planungssicherheit zu gewährleisten":

  • Die Lücke von 820 bis 832 MHz innerhalb der Digitalen Dividende soll der Veranstaltungsbranche (PMSE) zur alleinigen Nutzung zugeteilt werden.
  • Unterhalb von 790 MHz soll ein 100 MHz breiter Frequenzbereich zur ausschließlichen Nutzung durch PMSE vorgesehen werden.
  • Der Bereich von 470 bis 790 MHz (ausgenommen jener 100 MHz breite Bereich von Punkt 2.) soll wie bisher von PMSE in Abstimmung mit den Rundfunkanstalten genutzt werden.
  • Die Veranstaltungsbranche muss den Status eines Primärnutzers erhalten. Nutzer von Funkmikrofonen haben derzeit den Status von Sekundärnutzen. Damit genießen sie aber keinerlei Schutz betreffend ihre genutzten Frequenzen und werden auf der Weltkonferenz, auf der die Verteilung der Frequenzen ausgehandelt wird, nicht als Verhandlungspartner zugelasse. Die Rundfunkanstalten haben den Primärnutzer-Status. Eine CEPT-Arbeitsgruppe ist derzeit auf internationaler Ebene damit befasst, die Nutzer von drahtlosen Mikrofonen und Produktionsmitteln zu Primärnutzern aufzuwerten.
  • Für den Umstieg in andere Frequenzbereiche muss ein Kostenersatz vorgesehen werden, da die Funkmikrofone nur in einem relativ schmalen Frequenzbereich genutzt werden können und eine Neuanschaffung daher unumgänglich wird.
  • Die zuständigen Behörden haben schon jetzt in den Vorgesprächen zur "World Radio Conference 2012" sicherzustellen, dass der Frequenzbereich unterhalb von 790 MHz (die "untere digitale Dividende") im Rahmen dieser Konferenz unter keinen Umständen an die Mobilfunkbranche vergeben wird und dies auch kein Thema für die WRC 2012 sein darf. Nach Informationen des OETHG sind "schon jetzt 12 Lobbyisten der Mobilfunkbranche weltweit unterwegs, um diese Frage zu einem Tagesordnungspunkt der WRC 2012 zu machen".Auch eine grenzüberschreitende Harmonisierung zum problemlosen Arbeiten nicht nur an den Landesgrenzen, sondern auch in den Nachbarländern selbst, dürfe nicht aus den Augen verloren werden. Planungs- und Investitionssicherheit müsse gegeben sein. (pi/rnf)
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