Das ungeduldige Warten auf die Digitale Dividende Detail - Computerwelt

Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


02.06.2010 Alex Wolschann

Das ungeduldige Warten auf die Digitale Dividende

Die heimischen Mobilfunker fordern eine rasche Freigabe der Digitalen Dividende, um ihre bereits marktreifen LTE-Lösungen an die Kunden bringen zu können. Die Ungeduld wächst, denn Zeit ist bekanntlich Geld.

Vor ungefähr zehn Jahren, als die Frequenzen für die UMTS-Technologie versteigert wurden, schaukelten sich die Interessenten aufgrund des erhofften Potenzials gegenseitig hoch und sammelten in Deutschland mehr als 50 Milliarden Euro für den Finanzminister. Doch dieses Mal lief es anders: Für mehr Kapazität muss weniger als ein Zehntel der früheren Summe bezahlt werden. Die Anbieter haben aus dieser Schlacht gelernt und bei der Versteigerung der digitalen Dividende insgesamt »nur« 4,4 Milliarden Euro geboten. Diese Summe wird aber gemeinhin als realistischer Marktwert bezeichnet. So wundert es auch nicht, dass sich sowohl die deutsche Netzagentur als Verkäufer aber auch die vier deutschen Mobilfunker als Bieter durchaus zufrieden zeigten. Durch die Versteigerung der frei gewordenen Frequenzen aus der terrestrischen Fernsehversorgung konnte die bisherige Kapazität der Mobilfunknetze mehr als verdoppelt werden.

MOBILFUNKANBIETER BLEIBEN UNTER SICH Nur die vier Mobilfunker waren zur Auktion zugelassen. Vergeblich hatten die beiden kleinen Anbieter E-Plus und O2 von der Bundesnetzagentur eine bevorzugte Zuteilung verlangt. Sie wollten damit den Rückstand zu T-Mobile und Vodafone aufholen, mussten aber schließlich ohne Vorteil mitbieten. Dabei kam E-Plus zu kurz. Als einziger Bieter konnte es keinen Block innerhalb der digitalen Dividende ersteigern und kann deshalb kaum ein bundesweites LTE-Netz aufbauen. Da aber auch andere Frequenzbereiche zu ersteigern waren, können auch die kleinen Anbieter profitieren. Ähnliches erwartet sich T-Mobile-Austria-Chef Robert Chvatal auch hierzulande: »Wir plädieren in Österreich für eine gemeinsame und zügige Vergabe der Frequenzen der Digitalen Dividende mit einer Verlängerung der aktuell verwendeten 900/1800 MHz Frequenzen. Es ist für den Wirtschaftsstandort Österreich von besonderer Bedeutung, dass die bestehenden 900/1800 MHz Frequenzen für die Verwendung neuer Technologien geöffnet werden.« 2015 laufen die Lizenzen für die GSM-Frequenzen aus.

Nicht alle heimischen Anbieter wären mit dem deutschen Modell glücklich: Drei-Österreich-Chef Berthold Thoma: »Wir gehen von keiner einvernehmlichen Aufteilung sondern von einer Versteigerung des Spektrums aus. Das Ergebnis kann niemand voraussehen. Es ist jedoch klar, dass die Regulierungsbehörde mit den Versteigerungsregeln das Endergebnis wesentlich beeinflusst. Diese Versteigerungsregeln waren in Deutschland nicht gerade wettbewerbsfreundlich.« Aber auch Thoma spricht sich für eine Verknüpfung mit der Wiedervergabe bzw. der Nutzungs-Umwidmung von 900 und 1800 MHz Frequenzen aus.

MEHR INVESTITIONEN IN NETZAUFBAU NOTWENDIG Auch in Österreich wird nicht erwartet, dass die Bieter an ihre Schmerzgrenze gehen. Denn mit der Ersteigerung der Frequenzen sind die Kosten bei Weitem nicht gedeckt.

Long Term Evolution (LTE) soll Daten mit Geschwindigkeiten von 100 Megabit und mehr pro Sekunde übertragen. Die schnellsten Mobilfunkverbindungen können derzeit theoretisch rund 14 Megabit pro Sekunde herunterladen. »Das Gutachten zur Digitalen Dividende geht insgesamt von Investitionen im Ausmaß von 500 Millionen Euro aus. Das ist sicher eine realistische Schätzung«, erklärt Thoma zu den notwendigen Investitionen.

Dennoch machen die heimischen Mobilfunker vor allem aufgrund der gewünschten Versorgung der ländlichen Gebiete Druck auf Infrastrukturministerin Doris Bures, die die freien Frequenzen ursprünglich erst 2014 versteigern wollte. Nun ist Ende 2011 anvisiert. »Das könnte noch deutlich schneller gehen«, fordert Thoma. Dass die Zeit drängt zeigt allein die Tatsache, dass es in Österreich rund 500.000 Personen gibt, die keinen Internet-Zugang haben können, schon gar keinen mobilen.

Während die Mobilfunker auf eine zügige Vergabe zu ihren Gunsten drängen, stehen andere auf der Bremse: Kabel-TV-Betreiber und Konzertveranstalter befürchten Störungen bei Funkmikrofonen beziehungsweise beim Fernsehempfang und der ORF beansprucht die Frequenzen überhaupt für sich. Daraus dürfte allerdings nichts werden, denn neben einer Empfehlung der RTR spricht schon der Bedarf klar für die Mobilfunker: Nach Messungen des Netzausrüsters Ericsson wurden im Dezember 2009 erstmals mehr Daten als Gespräche übertragen. Cisco rechnet damit, dass das Gesamtvolumen des mobilen Datenverkehrs bis 2014 auf 3,6 Millionen TB pro Monat anwachsen wird. Diesen ungeheuren Bandbreitenbedarf soll nun die LTE-Technologie liefern. Die heimischen Anbieter scharren schon in den Startlöchern. Neben Telekom Austria und T-Mobile hat auch Drei schon eine marktreife LTE-Lösung vorgestellt.

Diesen Artikel

Bewertung:

Übermittlung Ihrer Stimme...
Noch nicht bewertet. Seien Sie der Erste, der diesen Artikel bewertet!
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.
  Sponsored Links:

IT-News täglich per Newsletter

E-Mail:
Weitere CW-Newsletter

CW Premium Zugang

Whitepaper und Printausgabe lesen.  

kostenlos registrieren

Aktuelle Praxisreports

(c) FotoliaHunderte Berichte über IKT Projekte aus Österreich. Suchen Sie nach Unternehmen oder Lösungen.

Zum Thema

  • Editel Austria GmbH

    Editel Austria GmbH Supply Chain Management, E-Procurement und Supply Chain Management, Datenkonvertierung, Überwachungssysteme, Trust Center/Zertifizierungssoftware, Digitale Signatur, Datensicherung,... mehr
  • SNP AUSTRIA GmbH

    SNP AUSTRIA GmbH Qualitätssicherung, Kaufmännische Software (ERP), Tools, Programmiersprachen, Datenkonvertierung, Übernahme von Softwareprojekten, Systempflege- und Wartung,... mehr
  • ELO Digital Office AT GmbH

    ELO Digital Office AT GmbH Mobile Lösungen und Applikationen, Dokumentenmanagement und ECM, Übernahme von Softwareprojekten, Systemintegration und Systemmanagement, Programmierung, Individual-Softwareentwicklung, IKT-Consulting,... mehr
  • HATAHET productivity solutions GmbH

    HATAHET productivity solutions GmbH Individual-Softwareentwicklung, Migrations-Management, Programmierung, System- und Netzwerk-Tuning, Systemintegration und Systemmanagement, Übernahme von Softwareprojekten, User Helpdesk-Systeme und Hotlines,... mehr

Hosted by:    Security Monitoring by: