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23.09.2010 Christof Baumgartner

Glasfaserausbau: Ein Ziel, verschiedene Wege

Der Ausbau der Glasfasernetze in Europa geht nur langsam voran und die Telkos geraten immer stärker unter Druck von Kabelnetzbetreibern und Energieversorgern. Um wettbewerbsfähig zu bleiben braucht es die Unterstützung des Staates.

Einmal mehr kommt eine Studie zu dem Ergebnis, dass Europa und Österreich in Sachen IKT-Infrastruktur den internationalen Anschluss verpassen. Die Strategie- und Innovationsberatung Arthur D. Little (ADL) rechnet vor, dass Ende 2009 nur sechs von 100 europäischen Haushalten die Möglichkeit hatten, ein Highspeed-Glasfasernetz zu nutzen. In den führenden Ländern Asiens, wie Korea, liegt diese Quote bei über 40 Prozent, in Japan über 30 Prozent. »Die meisten EU-Länder sind beim Ausbau des Glasfasernetzes im internationalen Vergleich sieben Jahre zurück. Diese Länder, und das gilt auch für Österreich, fallen dadurch im internationalen Standort-Wettbewerb zurück«, warnt Karim Taga, Geschäftsführer von ADL Austria. Taga fordert, dass Regulierungsbehörden und Regierungen den Netzausbau bis zur Wohnung (FTTH) stärker und proaktiver unterstützen müssten: »In Asien und den USA fördern die Regierungen den Roll-out des Glasfasernetzes dadurch, dass sie Telekomanbieter von der Verpflichtung befreien, ihren Wettbewerbern Zugang zum Glasfasernetz geben zu müssen«, so Taga.

Solche Maßnahmen wären auch in Europa dringend notwendig, damit bei den modernen, leistungsstarken Kommunikationstechnologien nicht die Wettbewerbsfähigkeit verloren geht. In Österreich hätten nicht einmal zwei Prozent der Haushalte Zugang zu einem Glasfasernetz im Gebäude. Damit liege Österreich deutlich abgeschlagen hinter den Nachbarländern Slowakei und Slowenien sowie Deutschland und der Schweiz.

Die Telekom Austria (TA) würde zwar als Marktführer stark den Ausbau ihres VDSL (Kupfer-) Netzwerkes vorantreiben, mit dem Ende des Jahres 1,6 Millionen Haushalte erreicht werden sollen. Der Ausbau von Glasfasernetzen bis in die Wohnungen beziehungsweise zu den Gebäuden verläuft hingegen nur schleppend, was in Österreich allerdings auch an der starken Verbreitung von mobilem Breitband liege. Dieses wird laut Taga auf Dauer aber die immer größer werdende Datenmenge kaum bewältigen können.

NEUE LEITLINIEN DER EU Die EU weiß naturgemäß von diesem Problem und will dagegen mit neuen Leitlinien für den Ausbau des Glasfasernetzes in Europa ankämpfen. Entgegen den Ansichten von ADL sollen nach dem Willen der EU-Kommission die schnellen Netze allerdings allen interessierten Anbietern offenstehen – und nicht nur den großen Telekomkonzernen, die es ausbauen und auch vorfinanzieren. Das bedeutet, dass die Netzbetreiber beim Glasfaserausbau keine neuen Monopole errichten dürfen.

Den Investitionsbedarf in Europa beziffert die EU-Telekommunikationskommissarin Neelie Kroes auf 180 bis 270 Milliarden Euro. Die EU verfolgt das hehre Ziel, dass jeder Europäer im Jahr 2013 Zugang zum Standard-Breitbandnetz hat. Bis 2020 sollen alle Internet-Nutzer auf das schnelle Breitbandnetz zugreifen können, für die Hälfte der Haushalte soll zu diesem Zeitpunkt schon superschnelles Breitbandnetz zur Verfügung stehen. Unklarheit über die Regeln für die Nutzung der Netze hatte in den vergangenen Jahren den dringend nötigen Ausbau gehemmt.

MEHR RECHTE FÜR DIE ALTERNATIVEN In Österreich hat die Telekom-Control-Kommission (TKK) kürzlich neue Rahmenbedingungen für den Ausbau breitbandiger Kommunikationsnetze in Österreich festgelegt. Durch die darin enthaltenen Auflagen für den Marktführer TA dürfte sich das Kräfteverhältnis im Wettbewerb zwischen dem Ex-Monopolisten und den neuen Anbietern zugunsten der Alternativen verschieben. So muss die TA künftig ihren Konkurrenten detaillierte Informationen über ihr Kupfer-Anschlussnetz geben und muss für den Zugang zur entbündelten Kupfer-Teilnehmeranschlussleitung Standardvertragsangebote veröffentlichen, um den raschen und gleichberechtigten Zugang für alle Interessenten zu gewährleisten. Außerdem muss die TA ihren Mitbewerbern Zugang zu Leerverrohrungen oder Glasfasern anbieten, damit die alternativen Betreiber ihre Grabungskosten deutlich senken können. Die TA reagierte abwartend. Ob die neuen Bestimmungen für den Wirtschaftsstandort Österreich förderlich seien und ob man dadurch den Rückstand beim Glasfaserausbau gegenüber anderen Ländern werde aufholen können, werde man laut Konzernsprecherin Elisabeth Mattes wohl erst in einigen Jahren sehen. »Was uns beim raschen Netzausbau sehr unterstützen würde wäre die Festlegung eines fairen Investitionsaufschlages auf neue Netze.« Je nach Nutzung der neuen Netze durch Mitbewerber sollten diese einen Risikoaufschlag an die TA entrichten und damit einen Teil der Investitionskosten übernehmen. ADL-Experte Taga rät zu Partnerschaften: Dadurch könnten unter anderem die hohen Kosten für den Netzausbau bewältigt werden.

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