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22.01.2011 Jürgen Hill*

Die Zukunft der Kommunikation

Manager namhafter IT-Player und Carrier haben für Sie in die Glaskugel geblickt: Wie werden wir in Zukunft im Business-Alltag kommunizieren?

Twitter, Instant Messaging, Presence Management, Unified Communications and Collaboration, Video-Conferencing, Web-Conferencing, Social Networking - neue Techniken und Plattformen zum Kommunikationsaustausch gibt es genügend. Doch welche werden sich im Arbeitsalltag durchsetzen? Und wie verändert die Technik unser Kommunikationsverhalten? Wir haben hierzu Branchenvertreter befragt.

Karsten Lereuth, BT: Nahtlose Verschmelzung Der Wecker klingelt, ich stehe auf, mache mir einen Kaffee und blättere auf meinem iPad die wichtigsten Tageszeitungen durch. Dann werfe ich einen Blick auf die E-Mails: Zu einer davon habe ich eine Frage, die ich mit dem Kollegen schnell besprechen möchte. An seiner Presence-Anzeige sehe ich aber, dass er gerade in den USA weilt und deshalb so früh noch nicht erreichbar ist. Durch eine Suche in unserem internen Social Network finde ich heraus, dass es zwei weitere Kollegen gibt, die an dem Thema arbeiten und meine Frage beantworten können. Einer von ihnen, Peter Schmidt, ist schon erreichbar. Durch einen einfachen Klick baue ich eine Verbindung auf. Natürlich probiere ich nicht wie früher alle Telefonnummern durch - unsere VoIP-Plattform Ribbit findet selbst heraus, auf welchem Gerät der Kollege gerade zu erreichen ist. Peter sagt, er habe das Produkt, um das es geht, gerade bei sich. Also klicke ich auf die VidetTaste und erweitere unser Gespräch zu einer Videokonferenz. Mittlerweile versucht eine Kollegin aus dem Vertrieb, mich dringend zu erreichen. Weil ich gerade nicht ans Telefon gehen kann, hinterlässt sie eine Nachricht auf meiner einheitlichen Voice-Box, die dann in Text umgewandelt und mir zugeschickt wird. Ich leite sie gleich weiter an den zuständigen Experten und setze mein Gespräch mit Peter fort. Weil das Taxi wartet, ich das iPad aber nicht mitnehmen möchte, leite ich die Videokonferenz auf mein Smartphone um und kann nahtlos weiterkonferieren. Später im Büro schalte ich meinen Thin Client ein. Vier Kollegen haben mir E-Mails wegen der Projektplanung geschickt. Ich klicke auf alle vier Kontakte und starte spontan eine Telefonkonferenz, weil das Thema so effizienter geklärt werden kann. Jeder von uns öffnet den Projektplan - aber nicht seine eigene Version, sondern wir arbeiten auf unserer Dokumentenplattform alle parallel an demselben Dokument. Die aktualisierte Fassung liegt danach sofort für jeden zugänglich auf dem Server.

Klingt noch sehr visionär? Ja und nein. Die Komponenten sind alle schon vorhanden, viele davon setzen wir bei uns schon heute täglich ein. Im Moment arbeiten wir daran, die Vernetzung der einzelnen Elemente zu optimieren. Denn das ist für mich Unified Communications: die nahtlose Verschmelzung aller Kommunikationskanäle, die wir nutzen. Dadurch sparen wir Zeit, weil das Suchen nach Telefonnummern und Ansprechpartnern wegfällt und wir immer das Endgerät und das Kommunikationsmedium verwenden, das in der jeweiligen Situation am komfortabelsten und praktischsten ist.

Jörg Fischer, Alcatel-Lucent: Menschen effizient suchen und erreichen Wie kommunizieren wir in der Zukunft? Uneingeschränkter, individueller, multimedialer und mobiler. Kommunikation im Geschäftsalltag bedeutet vor allem ein effektives, effizientes und sicheres Suchen, Finden und Erreichen von Menschen, Informationen und Prozessen. Unified Communications ist eine individuelle Kommunikationsarchitektur, bestehend aus standardisierten Kommunikationsdiensten mittels moderner multimedialer Netze, die den Menschen genau das Beschriebene ermöglicht. Das Neue an UC sind nicht die Kommunikationsdienste selbst, sondern deren zunehmender Grad der Standardisierung und deren Vereinigung zu einer individuellen Kommunikationsumgebung. Sie bringt den Geschäftsprozessen schnellere Informationsflüsse und ermöglicht damit noch effizientere und effektivere Entscheidungsfindung. Die Nutzer kommunizieren einfach. Sie machen sich weniger Gedanken um das wie, denn das übernimmt die UC-Umgebung. Unnötige Störungen der Geschäftsprozesse beim Sender und Empfänger durch mehrfache ineffiziente Hin-und-Her-Nicht-Erreichbarkeit werden der Vergangenheit angehören.

Moderne Kommunikationstechniken sind für die Anwender da und weniger dafür, den Innovations- und Forscherdrang der ITK-Abteilungen zu befriedigen. Es geht darum, den Menschen, völlig unabhängig von der installierten technischen Basis, ein einheitliches Anwendergefühl zu verschaffen, vor allem mittels einer einfachen Bedienbarkeit mit möglichst wenigen Endgeräten. Kommunikationsdienste werden mit den Geschäftsprozessen vereinigt, wie etwa intelligente Arbeitsablaufverteilung (Intelligent Workflow Distribution) und interaktive Web-Portale (Interactive Portal). Darüber hinaus werden mittels flexibler Teamfunktionen Call- und Service-Center die internen Wissensressourcen (Spezialisten) eines Unternehmens sowie Organisation und Verwaltung noch enger zusammengeführt.

Peer Stemmler, Cisco Webex: Mobiles Kommunizieren prägt mittelfristig die Business-Welt Auf dem ohnehin schwierigen Gebiet der Wahrsagerei dürften Prognosen über das Kommunikationsverhalten zu den schwierigsten Aufgaben gehören. Der technische Wandel ist hier enorm, und nicht zufällig liegen gerade in der Kommunikation besonders viele schon wieder vergessene Technologien am Wegesrand der Entwicklung. Wer kennt heute noch Teletex? Wer kennt morgen noch Telefax? Und wer hätte umgekehrt vor zehn Jahren darauf wetten wollen, dass sich heute - fast - alles um mobile Kommunikation dreht?

Zumindest mittelfristig ist absehbar, dass der Trend zum mobilen Kommunizieren auch den geschäftlichen Bereich prägen wird. Das ist (auch) eine Folge der Dynamik der Geschäftsprozesse, denn in mehr und mehr Unternehmen sitzen die Mitarbeiter kaum noch an festen Schreibtischen mit traditionellen Telefonen. Viele sind unterwegs und verwenden dabei ohnehin ihre Mobiltelefone. Aber auch intern bilden sich unabhängig von Örtlichkeiten und festen Kommunikationsanlagen temporäre und virtuelle Arbeitsgruppen. Trotzdem müssen Mitarbeiter in die Kommunikationsinfrastruktur eingebunden sein, damit Informationen zuverlässig zum Ziel gelangen - und nur dorthin.

Ein anderer Trend, der uns noch lange beschäftigen wird, ist das noch längst nicht abgeschlossene Zusammenwachsen von IT und Kommunikation. Wie im privaten Bereich werden auch in den Unternehmen der PC oder seine Derivate zur universellen Kommunikationsschnittstelle, über die die Menschen ortsunabhängig zusammenarbeiten. Auch das funktioniert im privaten Bereich heute schon ganz gut. Vielleicht ist es ja ein Metatrend, dass in Unternehmen morgen so kommuniziert wird wie heute in der Freizeit so vieler Menschen: in sozialen Netzen, auf speziellen Kommunikationsplattformen, mit Video-Chats, per Kurznachricht, mit intensivem Multimedia-Einsatz. Wir sollten uns diese Sphäre jedenfalls sehr genau anschauen, wenn wir wissen wollen, wohin die Reise geht.

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