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Sprachtelefonie als Auslaufgeschäftsmodell

Die weltweiten Umsätze in der mobilen Sprachtelefonie sollen bis 2016 um fünf Prozent auf sinken. Die mobilen Datenumsätze legen dagegen um jährlich neun Prozent zu und treiben das Wachstum der Telekommunternehmen.

Mobile Datenumsätze sind der Wachstumstreiber für Telkos.

Mobile Datenumsätze sind der Wachstumstreiber für Telkos.

© apa

Die weltweiten Umsätze im Bereich der mobilen Sprachtelefonie stehen vor einem negativen Wendepunkt: Bis 2016 werden sie um knapp fünf Prozent auf  628 Mrd. US-Dollar (rund 470 Mrd. Euro) sinken. Damit fällt die Sprachtelefonie eher kurz- als mittelfristig als Wachstumstreiber für Mobilfunkbetreiber aus – ein Trend, der sich im Festnetz fortsetzt. Gleichzeitig explodieren die Übertragungsraten im Bereich der mobilen Daten. So wächst das Datenvolumen via Mobilfunk und Festnetz pro Jahr im Schnitt um 29 Prozent. Die globalen Erträge, die Telekommunikationsunternehmen beispielsweise mit der Übertragung von Bild, Video oder Musikdateien erwirtschaften, legen dagegen nur um vergleichsweise moderate neun Prozent pro Jahr zu. 

Trotz der noch teilweise offenen Frage, wie sich der enorme Datenzuwachs künftig im Geschäftsmodell der Telekommunikationsunternehmen positiv niederschlagen kann, zeigen die Analysen von Booz & Company, dass sich die Umsatzverluste aus dem schrumpfenden Geschäftsbereich Sprache langfristig überkompensieren lassen – vorausgesetzt, es werden die richtigen Maßnahmen ergriffen. Denn ein weiterer Umsatz- und Wachstumstreiber entsteht durch die (mobile) Digitalisierung des täglichen Lebens und aller Geschäftsprozesse. 

Allerdings entfällt nach einer Verdopplung des Umsatzes für Apps und Internetangebote im mobilen Web in 2012 und geschätzten Umsätzen von  26 Mrd. Euro für 2013 das Gros der Umsätze auf neue Wettbewerber wie Apple, Facebook oder Spielehersteller wie etwa Rovio. Zukünftig werden sich Telekommunikationsnetzbetreiber einen größeren Umsatzbeitrag aus dem Applikationsbereich sichern können, indem sie die Qualität und Zuverlässigkeit dieser Dienste garantieren und für diese Wertschöpfung entlohnt werden. Das sind die zentralen Ergebnisse der aktuellen Analyse „Sprache ist tot – es leben die Daten“. Diese stellte die internationale Strategieberatung  Booz & Company im Vorfeld des GSMA Mobile World Congress 2013 vor.

Der kommerzielle Erfolg von mobilen Internetanwendungen, -inhalten und –diensten geht bisher nicht nur weitgehend an den Netzbetreibern vorbei, sondern führt die Infrastruktur immer häufiger ans Limit. „Engpässe in der Verfügbarkeit von mobilen Datendiensten sind in Westeuropa spätestens in zwei Jahren – zumindest in Spitzenzeiten – aus heutiger Sicht unvermeidlich, da die bestehenden Netze technisch gesehen dann an der Belastungsgrenze sind. Das gilt es zu vermeiden, was aber auch bedeutet, dass  die Netzbetreiber darauf angewiesen sind, signifikante Investitionssummen für den Bandbreitenausbau, etwa in LTE und Glasfaser, über entsprechende Umsätze zu finanzieren. schildert Klaus Hölbling, Telekommunikationsexperte und Partner im Wiener Büro bei Booz & Company, die Situation.

Vor diesem Hintergrund war die Einführung der Datenflatrate ein historischer Fehler der Netzbetreiber, denn wenige User verursachen das Gros des Datenverkehrs. Im Schnitt erzeugen fünf Prozent der stärksten Datennutzer 75 Prozent des Datenvolumens eines Anbieters. „An der heutigen Schwelle zur neuen LTE-Technologie bietet sich für Netzbetreiber eine Chance, die Dominanz der Flatrate-Tarife aufzulösen und durch eine differenziertere Preispolitik, etwa mittels qualitätsabhängiger Modelle, zu ersetzen. So ist vorstellbar, dass Kunden einen Aufschlag für ein schnelles und sicheres Netz bezahlen und so in den Genuss von Bevorzugung bei Engpässen kommen. Aus den stark wachsenden Datenvolumina kann so von Telkos signifikantes Wachstum erzielt und die Infrastruktur-Investments gestemmt werden“, erklärt Hölbling weiter. So machen Verizon und AT&T aus den USA den europäischen Anbietern bereits eindrücklich vor, wie sich mit Preisdifferenzierung je nach Gerät und Integration aller mobilen Verbindungen unter einem Vertrag  die Wachstumsraten und die Profitabilität erheblich steigern lassen.

LTE IM KOMMEN
Zudem eröffnen die schnelleren Netze und der Boom mobiler Endgeräte wie Smartphones und Tablets den Betreibern neue Geschäftsfelder und Ertragsmöglichkeiten durch internetbasierte Dienstleistungen beispielsweise im Privatkundenbereich durch E-Health- und E-Learning-Anwendungen oder im B2B-Bereich durch Smart Grid-, Maschine-zu-Maschine- oder Mobile Payment-Lösungen. In Österreich rechnet man mit einer Versiebenfachung des generierten mobilen Datenvolumens bis 2015. Mittelfristig befeuert auch die LTE-Technologie den Mobile Data-Boom weiter. 

„LTE erfreut sich in vielen Ländern bereits steigender Nachfrage – als schnelles mobiles Internet und natürlich auch als Festnetzersatz. Und auch in Österreich arbeiten die Anbieter bereits kräftig am Netzausbau. Noch fehlt es allerdings an einer größeren Auswahl an verfügbaren LTE Endgeräten“, so Hölbling. „Diese Hürde wird aber sehr bald durch den starken Wettbewerb unter den bereits bekannten Marken wie Samsung, Apple sowie Nokia wegfallen, zumal auch aggressive Newcomer wie Huawei und ZTE stärker in Erscheinung treten werden.“

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