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20.08.2014 :: Printausgabe 17/2014 :: pi/Oliver Weiss

TU Wien auf dem Weg zum Quantencomputer

Forschern an der TU Wien ist es gelungen, die Speicherdauer von Informationen in Quantensystemen deutlich zu verbessern.

© hainichfoto - Fotolia.com

Die Elektronik in unseren Computern kennt nur zwei Zustände: entweder "null" oder "eins". Quantensysteme hingegen können beliebige Überlagerungen von Zuständen annehmen, also "null" und "eins" gleichzeitig. Forscher hoffen, basierend darauf in Zukunft superschnelle Quantencomputer bauen zu können, doch bis dahin sind noch schwierige technologische Probleme zu lösen. "Insbesondere hat man damit zu kämpfen, dass gespeicherte Quantenzustände durch Wechselwirkungen mit der Umgebung extrem leicht zerstört werden", erklärt Johannes Majer vom Atominstitut der TU Wien, dem es gelungen ist, einen speziellen Schutzeffekt zu nutzen, um die Stabilität eines Quantensystems deutlich zu erhöhen.

"Es gibt heute ganz unterschiedliche Konzepte für die Speicherung von Quanteninformation. Wir verwenden ein Hybridsystem aus zwei völlig verschiedenen Quantentechnologien", sagt Majer. Gemeinsam mit seinem Team koppelt er Mikrowellen und Atome und arbeitet damit an der Verwirklichung eines Quantenspeichers. Die theoretischen Modelle dazu wurden von Dmitry Krimer und Stefan Rotter vom Institut für Theoretische Physik der TU Wien entwickelt.

In einem Mikrowellenresonator werden Photonen erzeugt. Sie wechselwirken mit dem Spin von Stickstoffatomen, die in Diamant eingebaut sind. Der Mikrowellenresonator ermöglicht Quanteninformation schnell zu transportieren, die Atomspins im Diamant können diese speichern, zumindest für eine Zeitdauer von einigen hundert Nanosekunden. Lange genug, verglichen mit der extrem kurzen Zeitskala, auf der sich Photonen im Mikrowellenresonator hin und her bewegen.

"Eigentlich sind alle Stickstoffatome zwar völlig gleich, aber wenn sie im Diamant jeweils in einer leicht unterschiedlichen Umgebung platziert sind, dann haben sie auch unterschiedliche Schwingungsfrequenzen", sagt Stefan Putz, Doktorand am Atominstitut. Die Atomspins verhalten sich dann wie ein Raum voller Pendeluhren mit leicht unterschiedlich langen Pendeln: Am Anfang schwingen sie ziemlich synchron, aber da sie niemals völlig identisch sind, laufen sie nach einer gewissen Zeit aus dem Takt und übrig bleibt ein Durcheinander.

"Wenn die Energien der einzelnen Spins auf passende Weise verteilt sind, kann man durch eine starke Kopplung zwischen Atomspins und dem Mikrowellenresonator erreichen, dass die Spins viel länger im Gleichtakt schwingen", erklärt Dmitry Krimer. Die Atomspins haben zwar keinen direkten Einfluss aufeinander, aber die Tatsache, dass sie kollektiv stark an den Mikrowellenresonator gekoppelt sind, verhindert, dass der Quantenspeicher in Zustände übergeht, die für Quanteninformations-Übertragung nicht mehr genutzt werden können. "Dieser Quanten-Schutzeffekt gegen den Zerfall der quantenmechanischen Eigenschaften des Systems verlängert die Zeitdauer, in der man Quanteninformation aus den Atomspins auslesen kann, erheblich", sagt Majer. "Durch die Verbesserung der Quanten-Kohärenzzeit auf Basis dieses Cavity Protection Effects eröffnen sich vielversprechende Anwendungsmöglichkeiten für unsere hybriden Quantenspeicher", hofft der Forscher. (pi/oli)

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