Im Interview: Martin Giesswein Im Interview: Martin Giesswein - Computerwelt

Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


04.05.2015 Roland Kissling

Im Interview: Martin Giesswein

Martin Hannes Giesswein

Martin Giesswein

© Foto Christian Minutilli

Kannst Du so ein interessantes Projekt vorstellen?

Ein sehr interessantes Projekt ist DigitalCity.Wien, wo sich einige Unternehmen wie ZB Ikarus Software, Unisys, SAP etc. zusammengefunden haben, die sehr eng mit der Stadt Wien zusammen arbeiten auf ehrenamtlicher Basis. Hier geht es darum, der Stadt zu helfen, noch schneller eine Smart City zu werden. Und nachdem alle ein ehrliches Engagement an den Tag gelegt haben, wurde das von der Stadt sehr positiv aufgenommen und wir konnten 2014 eine große Veranstaltung mit rund 2.000 Leuten veranstalten. Hier arbeiten wir in vier großen Projekten zusammen. Es geht darum, wie Industrie 4.0 wirklich aussehen kann und man IT und Industrie wirklich zusammenbringen kann. Das Zweite ist, dass wir in Schulen einen Informationstag machen wollen, weil wir glauben, dass der Computer nach Lesen, Schreiben und Rechnen die vierte Kulturtechnik ist. Und letztendlich wollen wir mit der Stadtverwaltung einen guten Standort für Startups ermöglichen. Wir haben laut Mercer Studie nicht nur die beste Lebensqualität in Wien, sondern auch ein reichhaltiges Fördersystem und eine agile Verwaltung. Das ist uns ein Herzensanliegen, auch persönlich für mich. Meine Töchter sollen - wenn sie das wollen - auch in der IT in Wien tätig sein können, ohne dafür ins Silicon Valley oder nach London gehen zu müssen.

Wie sieht das im Detail aus?

Der große Berg an dem wir stehen und an dem schon viele versucht haben zu schieben ist das Bildungssystem. Wir glauben dass es nicht ausgerichtet ist dafür, die Kompetenz für die heutige Wirtschaft zu lehren. Wir können natürlich nicht Lehrpläne verändern, aber wir können als erste Stadt der Welt einen dezidierten IKT Tag für die Schulen machen. 

Unser Vorteil ist, dass wir mit den IT-Firmen, den Förderstellen, den städtischen Einrichtungen bis hin zu den Universitäten an einem Tisch sitzen und versuchen, kleine Schritte nach vorne zu gehen. Wie gesagt - ein großes Thema ist Industrie 4.0, und das ist eine unglaubliche Chance für uns, weil Österreich wegen den Lohnkosten kein attraktiver Standort für Produktion ist. Wir sind in einer Welt, wo es bald gleichgültig sein wird, wo eine Produktionsstätte ist weil die Produktion sich ZB mit 3D Druck komplett umstellt. Hier kommt es eher darauf an, wo die Logistik ist und die Distributions-Kompetenz und darauf, wo die gescheiten Leute sind, die mit CAD Software umgehen können und das Produktdesign dann an eine Produktionsstätte irgendwo senden können. Das sind Chancen, die uns aus Lohnkosten-Diskussionen herausholen können. Jetzt geht es darum, auch die Menschen darauf vorzubreiten. 

Eine abschließende Frage zu Dir als EPU - wie machst Du das, Deine Eigenverantwortlichkeit für Dich am Leben zu erhalten. Wie konzentrierst Du Dich auf die wichtigen Dinge?

Wenn man in einem Umfeld arbeitet wo man gleichzeitig an mehreren Projekten arbeitet ist die tägliche Priorisierung extrem wichtig. Die höchste Priorität - für mich zumindest - ist die Zeit mit meiner Familie. Das ist auch der Grund warum ich die Zeit-Flexibilität gesucht habe, weil ich z.B. mit meinen Töchtern lernen kann und stattdessen eine Frühschicht einschiebe. Das geht in Konzernen natürlich nicht, weil man da wegen eines Meetings verreisen muss. Konkret mache ich das in der Früh mit dem Programm „Wunderlist“, dass ich mir Prioritäten für den Tag setze um keine Deadlines zu verpassen. Was nicht möglich ist, ist eine langfristige Planung. Das erfordert Flexibilität - für mich ist es eine angenehme Form der Unsicherheit, denn ich sehe es auch als Chance jene Projekte zu machen die mir persönlich am meisten Spass machen. Es ist gleichgültig was ich auf meine Visitenkarte schreibe, weil das EPU über die persönliche Reputation und das Netzwerk lebt. 

Nimmst Du Dir auch Auszeiten?

Letztes Jahr war ich eine Woche absolut offline. Ich informiere alle, de-installiere alle Kommunikationsmöglichkeiten vollständig und kann dann für mich analysieren was ich gut und weniger gut gemacht habe, und wo ich hingehen will. Das sind für mich die ganz bewussten Zeiten der Reflexion.

Danke für das Interview.

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