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08.05.2015 pi/Rudolf Felser

Elastic Computing: Rechenleistung passt sich Bedarf an

Wie werden sich Internet und Computer in zehn oder zwanzig Jahren verhalten? "Elastisch", meint Schahram Dustdar von der TU Wien bei einer Podiumsdiskussion des Technologenverbands. Denn Trends wie Cloud und "Internet of Things" werden die Computeranlagen im Hintergrund bald überlasten. Mit "Elastic Computing" kann sich die Rechenleistung dem Bedarf anpassen. Dustdar, ein Linzer mit persischen Wurzeln, konnte dieses Modell in Dubai bereits praktisch erproben.

Schahram Dustdar, Professor für Internet Technologien am Institut für Informationssysteme an der TU Wien

Schahram Dustdar, Professor für Internet Technologien am Institut für Informationssysteme an der TU Wien

© Hetzmannseder

Der Knackpunkt ist die Software. Egal ob man Urlaubsfotos auf eine Online-Plattform stellt, ein Navi abfragt oder Röntgenbilder anfertigen lässt – überall läuft Software im Hintergrund. "Wenn die Belastung der Software steigt, etwa durch mehr User, mehr Bilder, mehr Daten, dann reicht die Rechenleistung irgendwann nicht mehr aus", schildert Dustdar. "Bisher löst man dieses Problem, indem man noch mehr Hardware dazustellt, noch stärkere Server, noch größere Speicher. Das ist aber ziemlich teuer und stößt früher oder später an seine Grenzen."

Walter Hanus, Vizepräsident des Technologenverbands und CEO des Engineering-Unternehmens IVM, kennt das Problem aus eigener Erfahrung: "In der Theorie soll immer alles schnell und billig funktionieren. Das wünschen sich die Unternehmen und die Anwender. Aber in der Praxis muss man abwägen: Wie rasch soll die Software reagieren und welche Kosten ist uns das wert?" Der Technologenverband ist der Alumni-Club des TGM und zählt weltweit 9.000 ehemalige Absolventen als Mitglieder.

Dustdar arbeitet deshalb an einer Methode, Software von Anfang an "elastisch" zu programmieren. Man kann dabei vorgeben, was geschehen soll, wenn immer mehr Anwender gleichzeitig zugreifen: Ob die Software langsamer wird, ob sie im Hintergrund mehr Rechenleistung bekommt oder ob die Daten seltener aufgefrischt werden. Sein Informatik-Team entwickelte dafür eine eigene Programmiersprache, SYBL ("Simple Yet Beautiful Language"), in der man Parameter wie Useranzahl, Antwortzeiten, Kosten und Datenaktualität ähnlich wie mit Schiebereglern einstellen kann. Durch diese Bauart verändert sich die Software im Laufe der Jahre, sie passt sich an und erlebt eine Art Evolution.

Erste Anwendungen findet Elastic Computing im Bereich der Smart Cities, der intelligent gesteuerte städtischen Infrastrukturen. Dustdar entwickelte bereits Software für Dubai, um dort Klimaanlangen, Lüftungen und die Wasserversorgung "elastisch" zu lenken und zu überwachen.

Die Podiumsdiskussion fand am 5. Mai bei einem Vernetzungstreffen der Technologen in den Räumen der Wirtschaftskammer Wien statt. Die Ingenieure interessierten sich besonders für die Auswirkungen auf die Unternehmen. Dustdar sieht große Möglichkeiten, Kosten zu senken: "Allein eine intelligente Steuerung von Klimaanlagen in den großen Hotels von Dubai spart Millionen." Allerdings stellt Elastic Computing die bisherigen Firmenstrukturen in Frage: Da die Software ganz unterschiedliche Bereiche eines Unternehmens berührt – Geräte, Services, Menschen –, überschreitet sie die herkömmlichen Abteilungsgrenzen. Das bietet wiederum neue Chancen für flexible Netzwerke aus Kleinunternehmen, die gemeinsam an "elastischer" Software arbeiten können, ähnlich wie bei Open-Source-Projekten. (pi)

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