Fliegender Start für Augmented Reality im Business Fliegender Start für Augmented Reality im Business - Computerwelt

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23.05.2017 Maximilian Hille *

Fliegender Start für Augmented Reality im Business

Augmented Reality ist bislang nicht immer eine Erfolgsgeschichte gewesen. Trotz konsequenter Investments und eines großartigen PR-Echos war beispielsweise die Google Glass im Endeffekt eher ein Flop.

Trotz einiger spannender Demos wie hier bei Audi in der Montage hört man von Google Glass – im Gegensatz zu AR – aktuell nur noch wenig.

Trotz einiger spannender Demos wie hier bei Audi in der Montage hört man von Google Glass – im Gegensatz zu AR – aktuell nur noch wenig.

© Audi AG

Betrachtet man Google Glass, kam nach der Beta-Phase für registrierte Tester nur noch wenig nach. War und ist die Technologie nicht weit genug entwickelt, zu teuer, ohne konkrete Einsatzzwecke oder einfach nicht akzeptiert? Wohl eher nein. Denn, auch wenn man von der Google Glass nur noch sehr wenig hört, kommen in vielen Entwicklungsabteilungen der Unternehmen und Technologieanbieter immer wieder neue Steine ins Rollen.

Denn Augmented Reality hat viele Einsatzbereiche, die über Kinder- & Erwachsenenspielzeug (Pokémon Go usw.) hinausgehen. Mindestens fünf Einsatzbereiche für Unternehmen lassen sich identifizieren – und eine Reihe möglicher Benefits für die User Experience, Produktivität & Effizienz, den Kundenkontakt und neue Umsatzpotentiale.

Augmented Reality – Die raffinierte Schwester der Virtual Reality
Die Umgebung spielt bei Augmented Reality eine wichtige Rolle. Im Vergleich zur Virtual Reality, wo der Anwender in ein Paralleluniversum einsteigt, bleibt der Bezug zur tatsächlichen Umwelt immer erhalten. Das macht es nicht nur den nicht-schwindelfreien Usern zu einer Wohltat, sondern lässt das volle Potential der Technologie erst entfachen. Denn abgesehen von einigen Spezial-Einsatzgebieten in der Industrie oder bei Simulationen, ist der Realitätsbezug wichtig. Insbesondere für die Nutzung im öffentlichen Raum ist dies ein wesentlicher Faktor.

Deswegen läuft Augmented Reality relativ geräteunabhängig. Smartphones, Wearables, Brillen und Co. können alle als Medium dienen. Dabei bedient sich der Augmented Reality-Prozess insbesondere drei Elementen – der Datenbank und integrierten Informationsbasis im Rechenzentrum, dem mobilen Endgerät und der Augmented Reality-App selbst.

Im Zusammenspiel können so alle notwendigen Informationen im Backend abgerufen und bereitgestellt werden. Die Kamera und Sensoren des Endgeräts sind wichtig, um die erweiterte Realität erstellen zu können und den Realitätsbezug zu schaffen. Die AR-App sorgt letztlich dann dafür, dass die virtuellen und realen Komponenten zusammenwachsen. Nur so können Umgebungsänderungen und Interaktionen des Benutzers erfasst werden. Wenn diese nahtlos und in Echtzeit in die Aktion der User eingefügt werden können, entsteht so ein stimmiges Bild, um freihändig und in jeder Umgebungslage auf mehr Informationen für einen bestimmten Sachverhalt zugreifen zu können.

Bildung, Industrie, Workplace & Consumer – mindestens fünf Sphären für Augmented Reality
Dies könnte gleich in mehreren Einsatzbereichen zum Tragen kommt. So kennt man Augmented Reality in ähnlicher Form schon seit langem bei Einblendungen im Sport, die Wiederholungen mit zusätzlichen Informationen visualisieren. Doch mehr und mehr wird die Technologie auch zum Business-Phänomen und dient dazu, die Prozessketten zu optimieren, den Mitarbeitern neue Produktivitätspotentiale zu eröffnen oder letztlich auch den Kundenkontakt stark voranzutreiben. Daher gibt es vor allem in diesen fünf Bereichen das Potential für Augmented Reality, sich schon bald zu etablieren:

Bildung & Simulation: Für Schulen, aber auch die betriebliche Weiterbildung und Spezialeinsätze – es existieren schon fertige Plattformen, die im Bereich von Bildung eingesetzt werden können. In Schulen können die Schüler ihre Smartphones auch endlich konstruktiv nutzen und gleichzeitig individueller und abwechslungsreicher lernen. In Unternehmen können Gefahrensituationen und ähnliches simuliert werden, um beispielsweise Feuerwehrleuten, Mechanikern etc. die Chance auf eine realitätsnahe Übung zu geben.

Industrie & Logistik: Für die Wartung von Maschinen hilft nicht nur Predictive Maintenance. Am Ende müssen die Teile immer noch analog verschraubt werden. Was passiert aber, wenn der Experte nicht vor Ort sein kann? Mit Augmented Reality können Wartungen auch durch Experten von überall auf der Welt angeleitet werden, ohne selbst Hand anlegen zu müssen. Das ist nur eines von vielen bereits etablierten Beispielen. Schon heute werden zur Produktionsplanung, für das Lager- & Materialmanagement und in vielen weiteren Wertschöpfungsebenen entsprechende Technologien eingesetzt.

Medizin: Ärzte wären mittels Augmented Reality in der Lage, ihre Untersuchungen noch genauer und zielgerichteter durchzuführen. Nicht nur die Bereitstellung von notwendigen Informationen zu Krankheitsbildern und Therapieformen ist hier denkbar. Auch in Operationssälen könnte die Technologie beispielsweise genutzt werden, um die Behandlung der Patienten zu verbessern und den Ärzten und Helfern diese zu erleichtern.

Augmented Workplace: Es muss nicht immer ein spezieller Industriefall sein, bei dem Augmented Reality zum Tragen kommt. Je mehr die Akzeptanz im Zeitverlauf steigen wird, desto höher ist auch die alltägliche Vertrautheit mit diesen Technologien. Als grafische Oberfläche, die auf der Integration und Vernetzung aller Informationen im Unternehmen basiert, können den Mitarbeitern neue Möglichkeiten der Arbeit eröffnet werden. Wenn alle Informationen zu einem Projekt nicht mehr im Aktenschrank oder in der Ordnerstruktur auf der Festplatte bzw. im Cloud-Speicher verloren gehen, sondern direkt zur Verfügung stehen, wäre einigen Mitarbeitern sehr geholfen. Es wird sicherlich gewöhnungsbedürftig klingen, wenn alle Mitarbeiter fortan ein digitales Device vor den Augen tragen, um sich auf dem Unternehmenscampus fortzubewegen und ihre Arbeit zu machen. Dennoch beginnt jetzt die Zeit, in der einzelne Tasks und Mitarbeitergruppen die Basis legen können, dass genau diese Science-Fiction-Arbeitswelt schon bald denkbar ist.

Customer Contact: Steht der Kundenkontakt am Anfang oder am Ende dieser Liste? Chronologisch gesehen ist die letzte Position offenbar falsch. Denn Beispiele wie blippar und Co. zeigen jetzt schon, dass Augmented Reality Technologien als erstes für die Markenpräsenz, als Showcase bzw. als eCommerce-Tool verwendet werden. Als Mode-Berater oder Einrichtungshelfer haben erste Firmen ihre Augmented Reality Apps für die Kunden bereitgestellt. So kann beispielsweise die IKEA Schrankwand direkt im Wohnzimmer stehen.

Zukünftig kann dies noch deutlich erweitert werden. Stationäre Handelsketten und Kaufhäuser, Lebensmittelmärkte, öffentlicher Transport und viele mehr versuchen sich zunehmend daran, eine neue Ebene des omni-channel Kontaktes zu etablieren, um die eigenen Produkte, aber auch den Kunden zu vermessen und in einer Misch-Realität zu verbinden.

Die Gretchenfragen
Was am Ende bleibt, ist aber naturgemäß auch die Skepsis, ob eine Technologie wirklich in der Lage ist, den gesamten Alltag derlei stark umzukrempeln. Theoretisch ist dies auch sicherlich möglich, die Akzeptanz in der Welt wird aber nicht in den Innovations- und Design-Laboren entschieden. So gibt es einige Gestaltungskriterien, Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen, die für den Erfolg von Augmented Reality in der angedachten Breite von Bedeutung sein werden:

Uncanny Valley der AR: Forscher haben herausgefunden, dass virtuelle Darstellungen, beispielsweise Comics, Roboter oder digitale Assistenten, einem gewissen Akzeptanzmuster unterliegen. Wird für einzelne Charaktere versucht, sie an menschliches Auftreten anzupassen und gelingt dies nicht vollständig, werden sie oft negativ - als abschreckend - wahrgenommen. Wird aber durch die Darstellung noch hinreichend deutlich, dass es sich um eine virtuelle Erscheinung handelt, sie dennoch eine kritische Schwelle der Realitätsnähe besitzt, ist die Akzeptanz ebenso sehr hoch. Wenn hingegen reale Menschen bzw. exakte virtuelle Abbilder menschlichen Auftretens gegenüberstehen, ist die Akzeptanz auf einem Höchstmaß. Dies könnte ebenso auf Augmented Reality zutreffen. Für eine bestmögliche User Experience sollte die erzeugte Umgebung sich also möglichst nah an diese Kriterien halten. Zusätzlich sind die Anforderungen an die Steuerung der Anwendung enorm hoch. Mit der Bewegung der Nutzer muss sich auch das Bild bewegen, um die realitätsgetreue Abbildung wahr werden zu lassen.

Rahmenbedingung Datenschutz: Das leidige Thema wird vermutlich auch in der Diskussion um Augmented Reality nicht ausbleiben. Massenhaft Daten sind notwendig, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Doch wo kommen sie her, wem gehören sie und durch welche Rechtsräume bewegen sie sich? Wie können beispielsweise die Daten von Menschen, die an öffentlichen Orten durch Scanner und Kameras verfasst werden, so geschützt werden, dass die Persönlichkeitsrechte nicht verletzt werden? Auch im innerbetrieblichen Gebrauch ist die Haltung der Daten von hoher Bedeutung. Da meist hochkritische Informationen notwendig sind, die in den falschen Händen mehr als nur wettbewerbsschädigend sind, ist die Kritikalität ebenso hoch wie im Kundenkontakt.

Das Management-Ökosystem: Derzeit werden noch viele der bekannten Augmented Reality-Cases als Marketing-App oder Showcase genutzt. Schon dort ist es wichtig, die richtige Plattform für die Umsetzung zu wählen. Wenn aber die Menge an notwendigen Daten zunimmt und zusätzlich auch das notwendige Sicherheitsniveau steigt, müssen unter Umständen auch die Policies der Unternehmen Anwendung finden können. Ebenso muss die Plattform für Wachstum ausgelegt sein, um den Entwicklern beim Ausbau der AR-Architektur möglichst viele Freiheiten und wenig extra Aufwand zu gewährleisten. Auf der Ebene der Endgeräte haben die großen Player wie Apple, Samsung, Sony und Co. schon einen Vorsprung. Für die Software-Frameworks und Plattformen sind vor allem Startups und Industrie-Ausrüster gut gerüstet. Für das Management der Endpoints und deren Daten werden aber vor allem die bestehenden Anbieter im Ökosystem gefragt sein. So ist insbesondere ein Anbieter für Unified Endpoint Management ein guter Ansprechpartner. Denn wem es bereits erfolgreich gelingt, heterogene Endgeräte-Landschaften unter eine einheitliche Konsole mit einheitlichen Policies und User Experiences bereitzustellen, der kann auch in der Augmented Reality eine wichtige Rolle spielen.

Zum Abschluss bleibt es nach wie vor schwer zu prognostizieren, wie schnell und mit welchem Ausmaß Augmented Reality in den meisten Unternehmen ankommen wird. Sicher ist aber, dass sich die Lösungen und Einsatzzwecke noch weiter professionalisieren werden. Diejenigen Unternehmen, die sich heute schon mit ersten Use Cases und Marketing-Ideen ein Bild verschaffen können, sind weit voran. Frühzeitig integriert in die bestehende IT-Architektur kann die AR-Landschaft organisch und gezielt wachsen.


* Maximilian Hille ist Analyst des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research.

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