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05.07.2011 apa/Michaela Holy

Das Handy als Mikroskop

Wissenschafter der University of California in Berkeley, darunter die Österreicherin Eva Schmid, haben einen Aufsatz entwickelt, mit dem sich ein Handy mit Kamera in ein hochwertiges Mikroskop verwandeln lässt.

Das "CellScope" könnte zur Diagnostik von Krankheiten in Dritte-Welt-Staaten eingesetzt werden. Aber auch im Bereich Wissenschaftsvermittlung, etwa in Schulen, Museen oder Science-Centers kommt das Handy-Mikroskop gut an, wie der ebenfalls aus Österreich stammende Molekularbiologe Oliver Höller von der University of California, San Francisco im Gespräch mit der APA erklärte.

In einem Optik-Seminar hatte Dan Fletcher von der UC Berkeley seinen Studenten die Aufgabe gestellt, mit wenigen Teilen ein Mikroskop zu bauen, das die Kamera eines Handys nutzt. Daraus entstand das "CellScope", dessen Einsatz ursprünglich vor allem für die Dritte Welt gedacht war, wo das Handynetz oft besser ausgebaut ist als die Gesundheitsversorgung. Nicht-ärztliches Personal könnte etwa eine Blutprobe mit dem Handy-Mikroskop untersuchen und das mit der Handy-Kamera aufgenommene Bild zur Diagnose an einen Arzt weiterschicken. Vor allem Tuberkulose oder Malaria ließen sich gut damit diagnostizieren, sagte Höller. Erste Feldversuche damit gibt es bereits im Kongo und in Vietnam.

Aber auch in den entwickelten Ländern zeichnen sich Anwendungen ab: So wurde nach Angaben des Wissenschafters ein Spin-Off in San Francisco gegründet, welches das Prinzip des "CellScopes" für einen speziellen Einsatz nutzen möchte: Wenn Kinder Ohrenschmerzen haben, sollen Eltern mit Hilfe eines Spezialaufsatzes auf dem Handy ein Bild oder kurzes Video des Trommelfells machen und ihrem Arzt schicken, der dann eine Ferndiagnose stellen kann.

Zufällig sind die Wissenschafter auf einen weiteren Einsatzbereich des Handy-Mikroskops gestoßen. Schmid und Höller hatte das "CellScope" an Schulen in San Francisco mitgenommen, wo sie über ihre Arbeit berichteten. "Die Kinder liebten es und es war wunderbar einfach handzuhaben", berichtete Schmid. Auch in Museen stößt das einfache Instrument auf großes Interesse. So habe das Exploratorium in San Francisco jährlich eine Million Besucher und viele davon würden gerne etwas von ihrem Besuch mit nach Hause nehmen. "Aber selbst nur ein Ausdruck eines Mikroskopierbildes ist bei solchen Besucherzahlen unmöglich", so Höller, "ein Bild auf dem eigenen Handy dagegen könnte jeder leicht mitnehmen". Auch in österreichischen Museen und Wissenschaftsvemittlungseinrichtungen, die Höller in den vergangenen Tagen besucht hat, ist er auf großes Interesse gestoßen.

uch Projektideen wie "Citizen-Scientists", bei denen breite Bevölkerungsschichten dazu angeregt werden, gemeinsam an einem Forschungsprojekt zu arbeiten, ließen sich mit dem "CellScope" leicht verwirklichen. So könnten etwa die Mikrolebewesen einer ganzen Stadt oder eines Gewässers mit solchen Handy-Mikroskopen erforscht werden, wobei die Fotos auch noch leicht mit Geo-Tags versehen werden können.

Noch existiert das "CellScope" nur in verschiedenen Prototypen, deren Einzelteile rund 700 Dollar (491 Euro) pro Handy-Mikroskop kosten. Bei einer Serienfertigung wäre aber sicher ein deutlich niedrigerer Preis möglich, ist Höller sicher.

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