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04.05.2011 pte/Michaela Holy

Die Wand als interaktive Oberfläche

Jede Wand eines Innenraumes kann als interaktive Oberfläche genutzt werden. Das versprechen Forscher von Microsoft und der University of Washington, die dazu nächste Woche auf der Entwicklerkonferenz CHI 2011 in Vancouver den Prototyp präsentieren werden.

Lichtschalter, Thermostate, Radio- und Fernsehgeräte oder Alarmanlagen könnten damit eines Tages von jedem Ort des Hauses aus per Wandberührung gesteuert werden. Zunutze macht sich die Entwicklung die elektromagnetische Strahlung, die durch WLAN, Handys, Haushaltsgeräte und elektrische Verkabelungen längst alle Innenräume durchdringt. Galten die Strahlungsquellen bisher meist als Störung, werden sie nun als Infrastruktur eingesetzt. Der menschliche Körper übernimmt dabei die Rolle einer Radioantenne. "Auch der Mensch kann diese Signale auffangen, denn der Körper ist eine ziemlich gute Antenne", so Microsoft-Forschungsleiter Desney Tan. Je nach Körperposition, Wandnähe und Berührungsstelle verändert jede Wandberührung deren elektrisches Signal.

Dieses einzigartige elektrische Signal lässt sich mit einem tragbaren Gerät mit Körperkontakt auffangen und übersetzen. Das zeigten die Forscher mit einem Antistatistik-Band, das eine Versuchsperson um den Arm gelegt bekam. Dessen Analogsignal wurde per Erdungskabel an ein Gerät übertragen, dort digitalisiert und an einen Laptop im Rucksack weitergeleitet. Maschinenlern-Algorithmen verarbeiteten hier die Daten und suchten typische Signalveränderungen, die dann bestimmten Gerätefunktionen zugeordnet wurden.

"Künftig reicht es, sich auf der Couch zurückzulehnen und die Wand zu berühren, um die Stereoanlage leiser zu drehen", so die Vision der Entwickler, für die die wichtigsten Einsatzmöglichkeiten allerdings im Gaming-Bereich liegen. Als nächste Schritte sollen die Echtzeit-Datenanalyse ermöglicht und die Datensammel- und Analyseaufgaben des Rucksack-Laptops auf Handy oder Uhr verlagert werden.

Als "verrückt, aber zukunftsweisend" bezeichnet Harald Reiterer, Leiter der Arbeitsgruppe Mensch-Computer-Interaktion an der Universität Konstanz die Microsoft-Idee. "Der eindeutige Trend lautet, mit immer weniger Steuerungstechnologie immer komplexere Technologien zu bedienen, wobei die Steuerung so sehr wie möglich natürlichen Bewegungen ähneln soll", so der Experte gegenüber Pressetext.

Einige Hürden muss das Konzept in den Augen Reiterers allerdings noch überwinden. Die Kommunikation zu den einzelnen Geräten gehöre ebenso dazu wie das Gestenlernen. "Der Clou von Kinect ist, dass der Nutzer nur Bewegungen nachmacht, die ein Männchen am Bildschirm vorzeigt. Fehlt das Display, erschwert das den Lernprozess für die zur Steuerung nötigen Gesten deutlich. Zudem wird man komplexere Aufgaben wie etwa das Programmieren der Heizungs-Nachtabsenkung kaum jemals durch Wandberühren erledigen."

Ganz ohne Bildschirmanzeige wie etwa am Tablet wird man deshalb nie auskommen - was neue Bedienformen jedoch auch nicht beabsichtigen. "Die Input-Möglichkeiten erweitern sich ständig durch noch einfachere Anwendungen. Dafür erhöht sich für den Nutzer die Auswahl, ohne dass ältere Eingabeformen wie etwa Maus und Tastatur verdrängt werden", so Reiterer. iPhone, Wii, Kinect und Tabletop-Tische hätten schon für Paradigmenwechsel in der Interaktion mit dem Gerät gesorgt. "Was noch aussteht, ist der Aufschwung der stiftbasierten Eingabe. Denn Schreiben gehört zu den natürlichsten Interaktionen des Menschen."

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