EU stellt Strategie für risikoreiche IKT-Forschung vor Detail - Computerwelt

Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


21.04.2009 Rudolf Felser

EU stellt Strategie für risikoreiche IKT-Forschung vor

Mit mehr Investitionen und Zusammenarbeit in der risikoreichen Forschung auf dem Gebiet der künftigen IKT soll Europa die Führung übernehmen.

Unbegrenzte Rechenleistung, Computer, die das Gehirn nachahmen, mit Gedanken gesteuerte Rollstühle und freundliche Begleitroboter – all dies findet sich im neuen europäischen Plan zur Förderung der visionären Forschung, den die Europäische Kommission heute vorgelegt hat. Mit größeren Investitionen und mehr Zusammenarbeit in der risikoreichen Forschung auf dem Gebiet der künftigen Informationstechnologien soll Europa bei der Verwandlung "glänzender Forschungsideen" in die Technologien der Zukunft die Führung übernehmen. Die Kommission schlug heute vor, die risikoreiche Forschung auf dem Gebiet der neuen und künftigen Technologien zu verstärken und dazu die einschlägigen Investitionen auf nationaler und europäischer Ebene bis 2015 zu verdoppeln. Dabei wird sie mit gutem Beispiel vorangehen und bis 2013 die heutigen Fördermittel von hundert Mio. Euro pro Jahr um 70 Prozent aufstocken.

MUTIG IN DER KRISE "Europa muss sich gerade in Krisenzeiten einfallsreich und mutig zeigen. Forschung führt zu Innovation, die wiederum der Schlüssel für die langfristige globale Wettbewerbsfähigkeit Europas ist. Revolutionäre wissenschaftliche Durchbrüche bieten enorme Chancen, und wir müssen die besten Köpfe zusammenbringen, um das diese Chancen bestmöglich zu nutzen", erklärte die für die Informationsgesellschaft und Medien zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding zur Eröffnung der allerersten "Europäischen Konferenz über Zukunftstechnologien" in Prag. Europa müsse die Anstrengungen in den 27 EU-Ländern unbedingt bündeln und die Zusammenarbeit mit den weltweiten Partnern ausbauen, um eine Führungsposition in den künftigen Informationstechnologien zu erlangen, denn diese könnten auf Gebieten wie Gesundheit, Klimawandel, Bevölkerungsalterung, nachhaltige Entwicklung oder Sicherheit grundlegend neue Lösungen für den europäischen Bürger hervorbringen.

Europa investiert weit weniger in die Forschung auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) als andere Regionen der Welt. Die EU bringte zwar fast ein Drittel der weltweiten wissenschaftlichen Erkenntnisse hervor, die einschlägige Forschung mache aber nur ein Viertel der weltweiten Forschung aus, so die EU-Kommission in einer Aussendung.

Die Kommission rief heute die Mitgliedstaaten auf, mit einer Verdoppelung ihrer Investitionen in die risikoreiche IKT-Forschung endlich zu den USA, China und Japan aufzuschließen. Dazu sollten die Forschungsanstrengungen der nationalen und europäischen Programme gebündelt und neue Vorzeige-Forschungsinitiativen in Angriff genommen werden, damit "große und dauerhafte Vorhaben in einer Größenordnung von mehreren Hundert Millionen Euro verwirklicht werden können".

FORSCHUNGSAUSGABEN ANHEBEN Die Kommission will ihrerseits ab 2010 ihre Forschungsausgaben auf dem Gebiet der künftigen Informationstechnologien von hundert Mio. Euro auf 170 Mio. Euro im Jahr 2013 anheben. Außerdem möchte sie bis 2013 mindestens zwei Vorzeigeinitiativen starten, die über Ländergrenzen und Wissenschaftsdisziplinen hinweg an neuen wissenschaftlichen Durchbrüchen arbeiten sollen, beispielsweise an Biocomputern. Mit den vorgeschlagenen Maßnahmen will die Kommission talentierten jungen Forschern beim Einstieg in die risikoreiche Forschung helfen und forschungsintensive High-Tech-KMU unterstützen, die frühe Forschungsergebnisse in neue Geschäftschancen ummünzen können.

Die Kommission nennt auch einige Beispiele, in welche Richtung die künftige Forschung in Europa gehen soll:

  • ein gedankengesteuerter Rollstuhl, der Gehirnsignale interpretiert und in Bewegung umsetzt, kann den 300 000 Menschen in Europa helfen, die aufgrund einer Rückenmarksverletzung behindert sind, sowie andere neuartige Neuroimplantate für behinderte Menschen;
  • neue Computertechnik, die die Informationsverarbeitung im Gehirn nachahmt und auf diese Weise selbst bei einem Teilausfall der Hardware arbeitsfähig bleibt;
  • viel sicherere Computer, die schneller als das Licht sind und unbegrenzte Informationsmengen verarbeiten können – dank erster Durchbrüche in der Quanteninformatikforschung – einem Gebiet, auf dem Europa bereits führend ist.

Die Kommission fördert seit 15 Jahren die multidisziplinäre Forschung auf dem Gebiet der neuen und künftigen Technologien anhand ihres allgemeinen Forschungsprogramms (seit 1994 mit einem Gesamtbetrag von 1,285 Mrd. Euro). Sie leistete einen Beitrag zur europäischen Führung auf Gebieten wie Quanteninformatik und Quantenkommunikation, Nanoelektronik, Neuro- und Bioinformatik und Erforschung komplexer Systeme, anerkannt durch Auszeichnungen wie den Physik-Nobelpreis, der 2007 an Albert Fert (Frankreich) und Peter Grünberg (Deutschland) und 2005 an Theodor Hänsch (Deutschland) ging, die allesamt auch in risikoreichen europäischen Forschungsprojekten mitwirkten. (rnf/pi)

Diesen Artikel

Bewertung:

Übermittlung Ihrer Stimme...
Noch nicht bewertet. Seien Sie der Erste, der diesen Artikel bewertet!
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.
  Sponsored Links:

IT-News täglich per Newsletter

E-Mail:
Weitere CW-Newsletter

CW Premium Zugang

Whitepaper und Printausgabe lesen.  

kostenlos registrieren

Aktuelle Praxisreports

(c) FotoliaHunderte Berichte über IKT Projekte aus Österreich. Suchen Sie nach Unternehmen oder Lösungen.

Zum Thema


Hosted by:    Security Monitoring by: