Handy-App macht Dürrekatastrophen verständlich Handy-App macht Dürrekatastrophen verständlich - Computerwelt

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03.10.2013 Michaela Holy/pi

Handy-App macht Dürrekatastrophen verständlich

Die TU Wien arbeitet mit Satellitendaten, um Dürrekatastrophen besser zu verstehen. Eine Handy-App soll nun helfen, weitaus mehr Daten zu sammeln und langfristige Prognosen zu entwickeln.

Handy-App macht Dürrekatastrophen verständlich

Handy-App macht Dürrekatastrophen verständlich

© TU Wien / Tomaso Castalazo

Regenwolken sind weltweit problemlos aufzuspüren – man muss nur einen Blick auf Satellitenbilder werfen. Doch ob eine Hungersnot droht, wenn der Regen mal ausbleibt, ist sehr schwer vorherzusagen. Dürrekatastrophen hängen nämlich nicht nur vom Niederschlag, sondern auch von vielen weiteren Parametern ab. In Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen entwickelt die TU Wien nun eine Handy-App, mit der direkt in gefährdeten Gebieten wichtige Daten gesammelt werden sollen. Informationen über Niederschlag, Temperatur, Vegetation und Bodenfeuchte werden mit sozialen und ökonomischen Beobachtungen verknüpft. Dadurch will man Dürre- und Hungerkatastrophen besser verstehen lernen um in Zukunft rechtzeitig vorwarnen zu können.

Die Forschungsgruppe für Fernerkundung (Department für Geodäsie und Geoinformation der TU Wien) arbeitet seit Jahren an Bodenfeuchte-Messungen. Aus den Daten von Satelliten, die mit Mikrowellen die Erdoberfläche abtasten, kann berechnet werden, wie feucht die Böden in unterschiedlichen Regionen sind.

Markus Enenkel beschäftigt sich mit dürregefährdeten Gebieten, insbesondere in Ostafrika. „Nicht jedes Niederschlags-Defizit führt zu Problemen“, erklärt er. "Die Frage ist: Wann und wie wirkt sich Trockenheit auf die Vegetation aus und welche Bedeutung hat das für die Nahrungsversorgung?" Um diese Zusammenhänge erklären zu können ist die Bodenfeuchte ein entscheidender Parameter.

Doch nicht alle Daten können aus der Ferne mit Hilfe von Satelliten erhoben werden, viele entscheidende Fakten muss man direkt vor Ort untersuchen. Dazu gehören auch sozioökonomische Fragen: Wie sieht es in einer bestimmten Region mit künstlicher Bewässerung aus? Gibt es Zugang zu natürlichen Wasserquellen? Verbreiten sich bereits Krankheiten, die typischerweise mit Hungersnöten einhergehen? Sind Flüchtlingsströme zu beobachten? All das  entscheidet letztlich darüber, wie dramatisch die Auswirkungen einer Dürre sein werden.

Das TU-Forschungsteam setzte sich schon ganz am Anfang des Projekts mit "Ärzte ohne Grenzen" an einen Tisch, um besser zu verstehen, wo die Bedürfnisse von Hilfsorganisationen liegen. Ziel ist die Entwicklung einer Handy-App für MitarbeiterInnen von NGOs, die in dürregefährdeten Gebieten unterwegs sind. "So bekommen Helfer vor Ort Zugang zu relevanten Satellitendaten – in unserem Fall zu einem Dürre-Index. Wenn man sich die Situation vor Ort angesehen hat, gibt man die erhobenen Daten in die App ein. Sie werden dann an uns weitergeleitet und mit den Satellitendaten verknüpft", erklärt Enenkel. Daraus erhält man ein umfassendes Bild der Lage, das letztendlich wiederum Hilfsorganisationen zur Verfügung gestellt werden soll.

Vielleicht gelingt es ja eines Tages, ähnlich gut vor Dürre und Hunger zu warnen, wie das heute bei Hochwasser oder auch bei der Ausbreitung ansteckender Krankheiten möglich ist. "Eine Prognose, die ein bis zwei Monate in die Zukunft blickt, ist realistisch", meint Markus Enenkel. Das würde Hilfsorganisationen mehr Zeit geben, um Gegenmaßnahmen zu starten.

Mit der Handy-App gewann Markus Enenkel die Space App Challenge der FFG, des BMVIT und des Space Generation Advisory Council. Beim Space Generation Congress in Peking, China, präsentierte er die Idee vor einem internationalen Publikum.

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